vorgeführt und bediente sich derselben mit so gutem Erfolg, dass Rinaldo kaum noch zwanzig Mann um sich hatte, die Widerstand leisten konnten.
Als sich Cintio herbeidrängte, vereinigten sich beide Corps und gingen dem Feinde rasch wieder entgegen. – Plötzlich brachen wohl vierzig Dragoner auf sie los, die von der Seite herbeigesprengt kamen. Im Nu war Rinaldo mit einigen seiner gefährten von den Seinigen abgeschnitten und umzingelt. Bei einem Hiebe brach ihm der Säbel, seine Pistolen waren abgeschossen. Seine gefährten fielen, von Kugeln durchbohrt, an seiner Seite. Er wurde zu Boden gedrückt und musste sich ergeben. Dieser Fang kostete sechsen von den Reitern das Leben.
Wütend über den Tod ihrer Kameraden, schlugen die Reiter unbarmherzig auf Rinaldo los, der, ohne einen laut von sich zu geben, die fürchterlichsten Streiche empfing. Zwei Reiter banden ihn endlich zwischen die Pferde und trabten mit ihm auf ein Schloss zu.
Hier wurde er gleich in einen finstern Kerker geworfen und bekam erst nach einigen Stunden etwas Stroh zu einem Lager, Brot und wasser zur Nahrung.
Ermüdet sank er auf die elende Streu, von Schmerzen und Kummer gepeinigt, und konnte weder weinen noch klagen. Ganz ermattet entschlief er endlich. Er hatte lang geschlafen, als ihm träumte, Rosalie stünd' an seiner Seite. Sie blickte ihn freundlich an, reichte ihm die Hand und rief ihm zu: Komm und folge mir! – Er erwachte, fuhr auf, sah Licht im Kerker, und ein verschleiertes Frauenzimmer stand an seiner Seite.
"Wer bist du?" fragte Rinaldo.
"Fürchtet Euch nicht, aber antwortet mir getrost mit Wahrheit und Offenheit. Es könnte Euch vielleicht gereuen, es nicht getan zu haben."
"Was wollt Ihr von mir wissen?"
"Seid Ihr der Graf Mandochini?"
"Der war ich."
"So seid Ihr auch Rinaldini!" – sagte das Frauenzimmer und verliess schnell den Kerker. Rinaldo sann noch nach, was dieses zu bedeuten haben möchte, als die Tür des Kerkers geöffnet ward, ein alter Kerl hereintrat, ihm wasser und Brot hinsetzte, fortging und schweigend die Tür wieder verschloss.
Der Tag mochte mit der Nacht gewechselt haben, und Rinaldo lag im stummen Unbewusstsein auf dem kärglichen Strohlager, als die Tür seines Kerkers wieder aufging und die verschleierte Dame mit einem Lichte hereintrat.
ER Wer ist hier?
SIE Und du fragst noch? – Was man einmal geliebt hat, kann man so leicht nicht hassen. Wir sahen uns einst und waren glücklich. Wie könnte ich das vergessen!
ER Heiliger Gott! ich kenne diese stimme. –
SIE Um das Reisegeld hast du mich betrogen, aber ich bin doch weiter gekommen als Du.
ER Olimpia?
SIE Kennst du mich nun?
ER Was habe ich von Dir zu erwarten?
SIE Grossmut.
ER Olimpia! Darf ich meinen Hoffnungen trauen?
SIE Hört, edler Graf! – Ich sah Euch, als man Euch hierher brachte, und erkannte Euch. – Im schloss weiss man nicht, welchen kostbaren Vogel man im Käfig hat, sonst lägt Ihr gewiss, wenigstens nicht ohne Ketten, hier. Es steht bei mir, sie Euch zu geben.
ER Gebt sie mir.
SIE Starrkopf!
ER Was wollt Ihr hier?
SIE Erratet es.
ER Mich quälen? Das kann ich ertragen. Mich beklagen? Das verlange ich nicht. Mich morden lassen? Das wünsche ich.
SIE Trotziger Mensch! – Retten will ich dich.
ER Du? – Olimpia?
SIE Die dich liebte, ja! die dich noch liebt. – Aber ich bin nicht uneigennützig.
ER Das glaube ich. Ich kann aber jetzt nichts geben als diese Börse, die ich bei mir habe.
SIE Geld verlange ich nicht. Die zeiten haben sich geändert. Ich habe jetzt Börsen für dich. – Ich verlange bloss die schriftliche Versicherung von dir, dass du mir Dank schuldig bist, weil ich dich vom tod gerettet habe.
ER Ist das schon geschehen?
SIE Es soll und wird geschehen, so, wie ich mir es ausgesonnen habe. O geliebter Verräter! was tät ich nicht für dich? – Ich führe dich jetzt selbst aus diesem Kerker. Vor dem schloss erwartet dich ein berittener Diener mit einem Pferde, das mit Kleidern für dich bepackt ist. Im Hafen liegt eine genuesische Galeere, die nach Sizilien segelt. Mit dieser gehst du nach Messina. Du führst den Namen Ritter de la Cintra. Hier ist ein Pass für dich auf diesen Namen. In Palermo meldest du dich im haus des Marchese Romano und gibst ihm diesen Brief. Du wirst dort wohl aufgenommen werden. – Hier ist eine Börse mit hundert Dukaten. –
ER Geld brauche ich nicht.
SIE Gut! so behalte ich mein Geld. Aber, das verlangte schriftliche Bekenntnis muss ich erhalten. Hier ist Bleistift und Papier, schreibe es so gut, als es dir hier möglich ist.
ER Hat geschrieben Hier ist es. Aber wie soll ich –
SIE Keine Zögerungen! Wir wollen schon einmal, wenn es Zeit ist, Abrechnung halten.
ER Wenn ich aber –
SIE Keinen Aufentalt! Du bist im schloss des Prinzen della Torre, den du kennst. Wird das geringste entdeckt, so sind wir beide verloren. – Ein paar Küsse für mich! – Und nun, folge mir!
Sie führte ihn aus dem Kerker durch den Schlosshof an ein offenes Pförtchen. Hier küsste sie ihn noch einmal