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und sagte:

"Hauptmann, dort sprach ein Herr in Gesellschaft einiger Herren und Damen den Namen Rinaldini ganz deutlich aus. Einer von der Gesellschaft winkte ein paar Sbirren herbei, und ein anderer sprach mit einem Offizier der Miliz. Ich eilte fort, euch dies zu sagen."

"Siehst du nun, dass ich meiner Sache gewiss bin?" – sagte Cintio. – "Uns werden sie nicht fangen! Ich kenne hier herum die Wege. Bramante, spüre voraus! Wir gehen über die Klause St. Sepolchro. Triffst du welche der Unsrigen an, so ziehe sie an dich. Bei dem Pappelwäldchen unter der Klause erwartet uns."

Bramante sprang davon, und Cintio zog Rinaldo durch einen zerfallenen Aquädukt ins Freie, vor Fiscaldo hinaus. Am Pappelwäldchen trafen sie Bramante und drei seiner Kameraden. Sie erreichten die Anhöhe St. Sepolchro, als sie in Fiscaldo die Trommel rühren hörten, und bald darauf hörten sie auch, dass mit den Glocken gestürmt wurde, worauf das ganze Tal in Aufruhr kam. – Sie schlichen über die Gebirgsrücken hin und trafen nahe bei ihrem Lagerplatz auf die jubelnde Kolonne ihrer Leute, welche den geistlichen Wunderkrämern zwei gefüllte Geldbüchsen abgenommen hatten, die ziemlich schwer waren. Gleich nach ihrer Ankunft liessen sie aufpacken und brachen auf. Sie gingen über die Gebirge, liessen bei St. Paolo und weiterhin Wachen zurück und zogen sich auf die Anhöhen von St. Lucito, deren Zugänge sie stark besetzten. Zwischen fürchterlichen Felsen schlugen sie auf steinigem Boden ihre Gezelte auf. Es war nach Mitternacht, als sich Rinaldo höchst ermüdet auf sein Lager streckte. Rosalie goss vorsichtig noch Öl in die Lampe und legte sich an Rinaldos Seite. Dieser hatte eben die Augen geschlossen, als ein lauter Schrei von Rosalien ihn weckte. – Rinaldo fuhr auf und wollte fragen, was es gäbe? als er eine lange weisse Figur in der Tür seines Gezeltes stehen sah. Sie drohte zweimal mit der Hand und verschwand.

Rinaldo sprang vom Lager auf, trat aus dem Gezelte, fand die Wachen munter, und die nächsten an seinem Gezelte wussten ihm nichts zu antworten, als er fragte, ob nichts vorgefallen sei? Er ging zurück und fand Rosalien ängstlich. Sie erinnerte ihn an eine ähnliche Erscheinung in den Apenninen, deren sich die Leser auch noch erinnern werden, und Rinaldo wurde nachdenkend. – So schlief er ein und erwachte, von Cintio geweckt, als der Tag anbrach.

"Ich nehme zwanzig Mann mit mir", – sprach dieser, – "und will in den Tälern rekognoszieren."

Als er fort war, rief Rinaldo Lodovico herbei und sagte:

"Jetzt, Lodovico, ist der Termin deiner dir erbetenen Strafe da. – Der bekannte Kapitän und die Signora Olimpia halten sich in der Gegend von Fiscaldo irgendwo auf. Du gehst und kommst nicht eher wieder zurück, bis du mir die Nachricht bringen kannst, wo diese feine Brut ihr Nest hat, damit wir sie ausnehmen können, denn ich denke, sie sind flügge."

"Das waren sie schon längst!" – sagte Lodovico. – "Ich danke dir, Hauptmann, dass du dich endlich meiner Bestrafung erinnerst, wiewohl diese ein wenig zu leicht ist. Aber du sollst sehen, was ich tun will. Erfahren sollst du, wo die Vögel stecken, und der korsische Hahn soll sich, kann ich ihn aufs Korn bekommen, gewiss am längsten haben füttern lassen."

Das gesagt, machte er sich auch sogleich auf den Weg.

Hierauf suchte Rinaldo versteckte Winkel auf und vergrub daselbst, in Rosaliens Gesellschaft, seine erheblichsten Kostbarkeiten. – Als das geschehen war, gab er das Signal zum Aufbruch, musterte sein Corps, fand es 86 Köpfe stark, mit Waffen wohl versehen, gab das Losungswort und zog ins Tal hinab.

Er war noch nicht weit marschiert, als er in der Entfernung Trommelwirbel hörte. Er machte halt und sicherte sich den Rückweg ins Gebirge. – Bald hörte er entfernt Schüsse fallen und schickte Kundschafter auf die Anhöhen.

Das Feuern kam näher, und endlich kam die Nachricht von seinen Kundschaftern, Cintio sei mit seinen Leuten mit Miliz und Sbirren im Tale bei St. Lucito handgemein geworden. – Er schickte sogleich zwölf Mann ab, ihm schnell zu Hilfe zu eilen, und zog diesen langsam nach.

Das Feuern wurde heftiger, und er kam endlich dem Tummelplatze näher. Aber noch kamen ihm keine Flüchtigen entgegen, was ihm gute Hoffnung gab. – Ganz unbefahrt rückte er immer weiter vor, als auf einmal, von einer Anhöhe herab, auf sein Corps Feuer gegeben wurde. Er sah hinauf und sah die Anhöhe mit Miliz besetzt. – Nun setzte er sich in den stärksten Marsch und kam endlich, gerade noch zu rechter Zeit, auf dem Wahlplatze an.

Cintios Corps war sehr zusammengeschmolzen. Noch fochten kaum zehn Mann als Verzweifelte gegen eine ihnen mehr als zehnfach überlegene Macht. Ja, wären sie keine Räuber gewesen, man hätte sie, wie sie jetzt kämpften, Helden nennen können.

Jetzt stürzte sich Rinaldo mit seinen Leuten den Soldaten und Sbirren mit einer solchen Furie entgegen, dass diese, über den unvermuteten neuen Angriff verlegen, sich zurückzogen. – Rinaldo folgte ihnen Schritt für Schritt. – Cintio sammelte indessen sein Häuflein, suchte die Zerstreuten und verstärkte sich wieder auf dreissig Mann.

Mit diesen eilte er Rinaldo nach und kam eben an, als dieser sich zurückziehen musste. Die Miliz hatte ihre Kanonen