war seinen wilden Gesellen nicht so willkommen als ihm selbst, und einer derselben sagte ihm das endlich im Namen aller.
"Bist du der berühmte und tapfere Rinaldini", – sprach er, – "und liegst hier in schwärmerischer Untätigkeit nur deinem Mädchen im Schosse? – Mute wenigstens uns nicht zu, eben das zu tun. Willst du unser Hauptmann sein, so gib uns Beschäftigung."
"Ich bin nicht gesonnen" – antwortete Rinaldo – "euch auf die Strassen zu schicken, um armen Wanderern ihre paar Zehrpfennige abzupressen, denn soviel kann ich euch selbst geben, und es bedarf dazu keiner Dolchstiche. Wenn ihr mir aber ein Unternehmen nennen könnt, das meiner wert ist, so werde ich euch zeigen, dass ich Rinaldini bin."
"Über so etwas zu urteilen", – fuhr Albonicorno, dieser Sprecher der Gesellschaft, fort, – "ist nicht unsere Sache. Genug, dass wir da sind, um nicht wie faule Ölgötzen die hände in den Schoss zu legen. Wir kommen nicht einmal aus diesem Neste, um uns frische saiten auf unsere Guitarren kaufen zu können. Sie sind unbezogen und verstimmt. Uns bezieht auch niemand, und wir sind verstimmt wie unsere Instrumente. Sollen wir deshalb den berühmten Rinaldini zum Anführer haben, damit wir uns zwischen Felsen verschliessen können? Das könnten wir auch ohne dein Kommando tun, und unsere Weinschläuche blieben nicht ebenso leer als unsere Taschen."
RINALDO Nun! so holt euch Wein aus dem Keller des ersten besten Klosters.
ALBONICORNO Wer mag mit Kuttenhelden fechten, die dem Teufel das Brevier an den Kopf werfen?
RINALDO Fürchtet ihr euch davor? Seht, das kann ganz ruhig zugehen. Ihr fangt den Abt des Klosters und ihr habt Wein. Wollt ihr das nicht, so will ich mich im Tale umsehen. Vielleicht finde ich etwas für euch. – Ich stehe nicht schlecht mit dem Zufall. Den folgenden Morgen ging Rinaldo in das Tal und näherte sich dem Flecken Fiscaldo, wo eben das fest der Schutzpatronin des Ortes gefeiert wurde. Es gab da Tanz und Gesang. Buden waren aufgeschlagen, versehen und aufgeputzt mit mancherlei Waren, und Bühnen, von welchen herab Mönche Amulette, geweihte Rosenkränze und andere kleine Heiligkeiten verkauften. Die armen Kalabresen drängten sich an diese Bühnen und brachten ihre kärglich ersparten Pfennige dar, die alle, ohne Erlösung zu hoffen zu haben, in die grosse Büchse der geistlichen Empiriker fielen. Und so gross der geistliche Warenvorrat dieser Herren auch war, so wenig schien er doch hinreichend zu sein, die herbeiströmende Menge zu befriedigen.
"Dieses Geld" – murmelte Rinaldo bei sich selbst, – "sollen die Scharlatane nicht mit nach haus nehmen."
Er schickte Lodovico zurück und liess Albonicorno und einigen andern sagen, worauf sie aufmerksam sein sollten und was sie zu tun hätten, der Geistlichkeit die gefüllten Geldbüchsen abzunehmen. – Und das geschah gegen Abend auch wirklich.
An einer Ecke, wo ein Marienbild stand, brachten arme Kalabresen, die sonst weiter gar nichts zu geben hatten, um ihre Andacht so gut wie möglich zu bezeigen, der heiligen Jungfrau ein Ständchen.1 In diese glorifizierende Gesellschaft mischte sich Rinaldo, bezeigte den frommen Musikern seinen Beifall und schenkte den armen Leuten Geld, weil, wie er sagte, "ihm die heilige Jungfrau offenbart habe, sie verlange nichts umsonst, und er solle für sie zahlen".
Die Musiker, die auf eine irdische Belohnung gar nicht gerechnet hatten, bedankten sich verbindlich, nahmen das Geld und trugen es an die geistlichen Krämerbuden. Dort wurde es auch in die Büchsen geworfen, und so kam es wieder in die hände des milden Gebers.
Ein paar maskierte Damen, die in Gesellschaft einiger Kavaliere auf dem Markte umherspazierten, zogen Rinaldos Aufmerksamkeit auf sich, und er näherte sich ihnen nicht so bald, als die eine derselben ihn auch zu bemerken schien. Sie fixierte ihn stark und drängte sich absichtlich ihm immer näher, bis sie ihm endlich unbemerkt zulispeln konnte:
"Willkommen, Graf Mandochini!"
Rinaldo erschrak, fragte aber gleich zurück:
"Wer spricht mit mir?"
"Eine Bekannte", – war die Antwort, und die Dame ging wieder zu ihrer Gesellschaft zurück.
Rinaldo blieb stehen und verfolgte sie mit den Augen, bis sie im Gedränge der Menschen verschwand.
Er trat beiseite und visitierte seine Pistolen, als er auf einmal von hinten zu auf die Achsel geschlagen wurde. – Er fuhr erschrocken herum und sah Cintio vor sich stehen.
"Du hier?"
"Ich und noch einige Bekannte."
RINALDO Wahrhaftig! das habe ich soeben mit Verwunderung gehört. – Eine maskierte Dame nannte mich hier, wie ich mich in Neapel nannte, Graf Mandochini.
CINtIO Nun? Und du ahnst nichts? – Höre! In Cosenza kam ich deinen Neapolitaner Bekannten auf die Spur. Ich bin ihnen allentalben hin nachgefolgt. Sie sind beide hier. Ich wünsche, sie möchten nun bald auch in unserer Gewalt sein.
RINALDO Wer?
CINtIO Wer? – Wie du auch fragen kannst! Wer anders als der kunstreiche Kapitän und die wunderschöne Signora Olimpia.
RINALDO Ist es möglich?
CINtIO Es ist Gewissheit. – Sie scheinen in der Nähe bei einem Edelmann zu leben, dem sie vermutlich mit vereinigten Kräften den Beutel fegen werden. – Wir wollen sie auch fegen, diese Beutelschneider, dass sie an uns denken sollen!
Indem kam Bramante, einer ihrer Gesellen, eilig auf sie zu