einer aus, so ist es der Kapitän, der sich, wie ich merke, nun einmal vorgenommen hat, auf deine Unkosten zu leben. Stehst du aber an der Spitze meiner Achtzig, wird er dir kein Härchen krümmen. Als ein wehrloser Klausner bist du jedem Zufall der Gewalt unterworfen. Die Menschen verfolgen dich, die Obrigkeiten haben dich geächtet, haben Preise auf deinen Kopf gesetzt, überallhin geht dir dein eigener Name als ein Verbrechen nach. – Nur an der Spitze deiner Kameraden findest du Ansehen und Sicherheit. Kannst du noch wählen?
RINALDO Lass mich nur erst wieder zu mir selbst kommen, und es wird sich alles fügen. – Hier ist Geld. Teile es unter deine Leute aus und mich bringe zur Ruh, dass ich wieder Rinaldo werde, denn mein Geist ist von mir gewichen, und meine Kräfte sind dahin. Cintio brach mit seinen Gesellen auf und zog den Ruinen eines Schlosses zu, in welchem er einige Plätze zu Zimmern eingerichtet hatte, wo er seinen Freund in das beste derselben einquartierte und wo sich dieser, nach guter Pflege und Wartung, wieder nach und nach erholte.
Er belehrte Cintio, dass und warum er nach Cosenza gehen müsse, wo Lodovico und Rosalie ihn zu erwarten Weisung hatten. Cintio wollte dies nicht zugeben, verlangte nur einen Brief von ihm an Rosalien und entschloss sich, selbst dahin zu gehen. Rinaldo konnte seinen Vorstellungen nichts entgegensetzen und musste es endlich geschehen lassen, dass sein Freund nach Cosenza ging. Rinaldo übernahm indessen das Kommando über Cintios Gesellen und erwartete mit sehnsucht die Zurückkunft seines Freundes.
Den achten Tag nach seiner Abreise brachten einige der Gesellschaft Rosalien und Rinaldos Gepäcke und Koffer glücklich zu ihm. Lodovico kam auch mit. Er war mit Ketten geschlossen. Cintio war nicht bei der Gesellschaft. Einer seiner Leute übergab Rinaldo folgenden Brief von ihm:
"Rinaldo! ich übergebe dir die Anführung meiner Gesellen. Wenn du mich wiedersehen wirst, will ich dir sagen, wo ich indes gewesen bin und was ich getan habe. Ich habe aus deinem Vorrat von Gelde Vorhaben gebrauchen werde. Ist es nicht, so bekommst du das Geld wieder. Beruhige dich über alles. – Warum ich dir Lodovico geschlossen zuschikke, wird er dir selbst sagen. Du wirst wissen, was mit ihm zu tun ist. Gott befohlen! Cintio." Rosalie lag noch an Rinaldos Halse, als er befahl, Lodovico vorzuführen. – Er kam.
RINALDO Warum trägst du diese Fesseln?
LODOVICO Um meiner Verräterei willen.
RINALDO Verräterei?
LODOVICO Ich bin ein Schurke und habe mich Cintio entdeckt. Von dir erwarte ich mein Urteil, denn dich trifft meine Verräterei.
RINALDO Mich?
LODOVICO Höre mein Bekenntnis und richte mich nach Verdienst. – In Neapel habe ich dich verraten. Durch mich wusste der verdammte Kapitän, wer du warst.
RINALDO Ist es möglich?
LODOVICO Allwissend ist jener Betrüger nicht. – Als ich wieder zu mir selbst kam, bereute ich, was ich getan hatte, und nahm mir vor, alles wiedergutzumachen. Du weisst, wie ich dir gedient habe. Mit Rosalien bin ich mit grosser Gefahr aus Neapel entkommen und habe sie nach Cosenza gebracht. Dein Eigentum habe ich respektiert, und mit Reue über meine verfluchte Entdeckung habe ich mich zermartert wie ein Büssender mit der Geissel. Endlich musste es heraus. Ich bekannte. Cintio liess mich schliessen. Das verdiente ich. Aber er hätte es nicht gebraucht. Ich wär' dennoch zu dir gekommen, um mein Urteil aus deinem mund zu hören. Sprich es aus. Bestrafe mich.
RINALDO Ich vergebe dir.
LODOVICO Hauptmann!
RINALDO Ich vergebe dir alles.
LODOVICO Lass mich Schurken geisseln, lass mich hängen. Vergib mir nicht so leicht. Das zermalmt mich.
RINALDO Ich bin in Sicherheit. Rosalie und meine Schätze sind gerettet. Was will ich mehr? Du hast ehrlich an meinem Eigentum gehandelt; das hast du mir getan. Ich vergebe dir. – Und wenn du willst, kannst du bei mir bleiben. Du wirst mich nie wieder verraten.
LODOVICO Wahrlich nicht! – Sieh Hauptmann! ich weine. – Pfui über mich Buben! Lass mich windelweich schlagen! Bestrafe mich nur mit etwas, sonst kann ich dir nicht wieder ins Gesicht sehen. Ich kann nicht ruhig werden, wenn du mich so ganz frei ausgehen lässt.
RINALDO Nun gut dann! du sollst bestraft werden.
LODOVICO Recht so, Hauptmann! Lass mir das Fell über die Ohren ziehen.
RINALDO Erinnere mich in vier Wochen wieder daran. Bis dahin wird sich eine Bestrafung für dich finden.
LODOVICO Gut! Ich will dich gewiss daran erinnern.
RINALDO Jetzt gehe frei und losgesprochen zu meinen Leuten, zu denen du gehörst. Ich rechne in Gefahren auf dich.
LODOVICO Jedem deiner Winke gehört mein Leben.
RINALDO Ich rufe meine Leute herbei, so viele ihrer in der Nähe sind, und nehme dir die Fesseln selbst ab, damit sie sehen, dass ich dich für unschuldig erkenne.
LODOVICO Hauptmann! Wenn ich das je vergesse, so will ich an jeder Feige den Tod fressen. Rosaliens Entzücken zu beschreiben, vermag keine Feder. Sie lebte ganz in und für ihren geliebten Rinaldo, und dieser erholte sich zusehends wieder bei der Pflege und Wartung des geliebten Mädchens. Seine Seele wurde nach und nach heiterer, er genoss die schönen Szenen der natur mit herzlicher Empfänglichkeit, und sanfte Ruhe schwebte über seinen so glücklich entschwindenden Tagen.
Aber diese Ruhe