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PRINZ Hier waltet ein Geheimnis, zu welchem ich den Schlüssel haben muss!
RINALDO Die Signora will ihn Euch ja geben.
OLIMPIA Dieser Herr –
PRINZ Wer ist er?
OLIMPIA Er ist ein Bekannter des Kapitäns und will vermutlich mich sprechen.
Der Prinz warf ihr einen sehr sprechenden blick zu. Sie schien ihre Fassung zu verlieren, wurde blass und sank auf ein Sofa.
"Ihr habt doch nicht etwa gar eine Ohnmacht zu befürchten?" – fragte der Prinz spöttisch und warf sich, heftig bewegt, auf einen Stuhl.
Rinaldo fragte ganz gelassen:
"Kann ich gehen oder soll ich bleiben?"
"Tut, was Euch beliebt", – antwortete der Prinz ebenso gelassen, als gefragt wurde.
Sogleich nahm Rinaldo beiden gegenüber auf einem dritten stuhl Platz. –
Die Gruppe blieb stumm.
Endlich sprang der Prinz auf, drückte seinen Hut tief ins Gesicht und verliess das Zimmer der sonderbaren Konversation, ohne eine Silbe zu sprechen.
OLIMPIA Was hast du getan?
RINALDO Du weisst, was Du getan hast.
Du hast mich hintergangen, getäuscht, belogen, betrogen, und ich weiss mehr, als du glaubst. – Signora, ich erinnere Euch an jene Szene, als uns der Kapitän beisammen fand; ich erinnere Euch an das, was er sagte, und bitte mir, wie er, meinen Ring aus.
OLIMPIA Der Kapitän fand uns ganz anders, als du uns gefunden hast.
RINALDO Euch nicht eben so zu finden, lag an mir. Ich hätte nur noch ein wenig verziehen sollen. – Ich bitte um meinen Ring. Ich will ihn Euch abkaufen.
OLIMPIA Elender! ich brauche dein Kaufgeld nicht, solange andere noch welches für dich selbst geben. – Was ist mehr wert, der Ring oder dein Kopf? – Beide sind in meiner Gewalt, edler – Graf! – Ich erwarte von Euch binnen vierundzwanzig Stunden tausend Dukaten. Denn nach diesem Vorfall muss ich Neapel verlassen. – Gebt Ihr mir das Geld nicht, so gibt es mir ein anderer für Euch. Ihr versteht mich doch? – – Mein Mädchen soll das Geld bei Euch abholen. Hier ist Eurer Ring. – Nochmals: Ihr habt mich verstanden? – Gott befohlen!
RINALDO Wenn Ihr glaubt –
OLIMPIA Ohne Einwendungen, Graf! oder ich nenne Euch – bei einem andern Namen.
RINALDO Doch nicht bei des Kapitäns eigentlichen Namen?
OLIMPIA Ein abgenutztes Stückchen! Ihr entkommt mir nicht! – Ich weiss, wen ich vor mir habe, und wir sind jetzt in keinem Hohlwege. – Es bleibt bei meiner Forderung. – Zahlt Ihr nicht, so zahlt man anderswo für Euch.
RINALDO Ihr sollt das Geld haben. – Gesteht mir aber, dass Ihr mich hintergangen habt.
OLIMPIA Wozu mein Geständnis, wenn Ihr das glaubt? Es kann Euch weder beruhigen noch verlegener machen, als Ihr schon wirklich seid. Ich lasse das Geld abholen, und Ihr wünscht mir glückliche Reise. Damit ist zwischen uns alles abgetan. Wenn Ihr klug seid, so macht Ihr es wie ich und geht aus Neapel. Der Prinz möchte uns beiden ein Bad zubereiten, das gewiss unser letztes sein würde. Auch habt Ihr den Kapitän zu fürchten. Ihr seid sein sicherstes Kapital in Neapel. Weiss er sich einmal gar nicht mehr zu retten, so greift er Euch, wie einen Sparpfennig an und macht Euch zu Gelde. Auf dieser Spekulation des Kapitäns ganz allein beruht Eure bisherige Sicherheit. Ihr seid sein Notpfennig. – Jetzt komme ich ihm zuvor. Ich greife den Schatz an. Aber ich weiss mir auf keine andere Art zu helfen. – Wann kann ich mein Mädchen zu Euch schicken?
RINALDO Sobald es Euch beliebt. – Ich wünsche Euch glückliche Reise.
OLIMPIA Ich Euch gleichfalls, gefürchteter Beherrscher der Apenninischen Schlupfwinkel. – Ha, ha, ha! Rinaldini! 's ist wahrlich ärgerlich, dass ein so gefürchteter Mann, wie Ihr einer seid, ein armseliges Weib fürchten muss, die so reich an Liebe als sie arm an Gelde ist, und die die notwendigkeit zwingen könnte, um ein paar lumpiger Dukaten willen, Euch in Fesseln nach Toscana führen zu sehen. – Pfui! wozu kann Geldmangel nicht zuweilen die besten Menschen verleiten! Mich zur Verräterei und Euch zum Stehlen.
RINALDO Wir beide, Signora, tun wohl am besten, uns keine moralischen Vorlesungen zu halten.
OLIMPIA Gut dann! aber noch ein paar Worte über mich und mein Betragen, von mir selbst. – Da ich durch den Kapitän wusste, wer Ihr wart, da ich seine Absichten auf Euch genau kannte und Euch liebte, – auch noch liebe, – so lag mir viel daran, meinen Geliebten eines gewissen Schutzes zu versichern. – In dieser Voraussetzung liegt der Grund meiner Bekanntschaft mit dem Prinzen. Ich hätte Euch gelegentlich selbst miteinander bekannt gemacht. Ihr selbst habt das Gewebe zerrissen, in welches ich mich so selbstwillig für Euch hineingesponnen hatte. – Es war Zufall, dass es so kam, dass es so kommen musste, und – wir wollen einander keine Vorwürfe machen.
RINALDO Demnach bin ich Euch ja aber noch Dank schuldig?
OLIMPIA Ich hoffe. – Wisst Ihr sonst noch etwas, das –
RINALDO Ich wüsste weiter nichts zu sagen, – als dass ich jetzt ein Stückchen Menschenkenntnis mehr erobert habe.
OLIMPIA Nun! so wendet es gut an.
RINALDO Es soll gewiss geschehen.
OLIMPIA Und sollten wir uns etwa einmal irgendwo wiedersehen,