Er soll gleich daran!
RINALDO Nicht das. – Ich meine, ob er nicht auch etwa mit guter Manier nach Kalabrien zu transportieren wäre?
LODOVICO Das wird schwerlich angehen. Er steckt hier in zu grossen Connexionen.
RINALDO Denke darüber nach.
Indes war Rosalie erwacht. Rinaldo hörte, dass sie munter war. Er öffnete die Tür des Kabinetts und hiess sie herausgehen. Lodovico riss die Augen gewaltig auf, als er sie sah, freute sich aber, sie gesund wiederzufinden und lispelte Rinaldo ins Ohr:
"Die Signora Olimpia ist doch schöner!"
Rinaldo lächelte, gab ihm Geld und beurlaubte ihn. – Lodovico tat noch einige fragen an Rosalien über ihre Rettung, leerte sein letztes Glas, versprach bald wiederzukommen und ging halbberauscht davon. Als Rosalie ihren geliebten Rinaldo den folgenden Morgen ankleidete, sagte sie mit sanfter stimme:
"Guter Rinaldo! wenn du mich wirklich, wenn du mich auch nur halb so sehr liebst, als ich dich ganz liebe, so schenke meinen Bitten Gehör und meinen frommen Wünschen Gewährung. Gib dich nicht wieder mit Leuten von Lodovicos Schlage ab und lass uns Neapel verlassen, so bald wie möglich. Wir wollen in ein anderes Land gehen, wo uns nicht mehr solche Bekannte aufstossen, und wenn du mich auch einst verlassen wolltest, so sei es nur nicht in einem land, wo ich vielleicht noch zu einem entehrenden tod verdammt werde. – Ach! ich habe ja nichts getan, als dass ich dich geliebt habe! Das ist – wenn es eins ist – noch jetzt mein Verbrechen und wird es auch bleiben. Gib nur, dass ich es mit in ein ehrliches Grab nehmen kann!"
Tränen brachen aus ihren Augen. Rinaldo war sehr gerührt. Er umschlang, küsste sie und sagte:
"Ich weiss dein edles, treues Herz zu schätzen; ich fühle, was deine Liebe verdient. Was du wünschest, ist schon bei mir beschlossen. Ehe der dritte Morgen anbricht, segeln wir, wenn ich ein segelfertiges Schiff antreffe, nach Spanien. Wollte eine solche gelegenheit unsere Abreise verzögern, so gehen wir einstweilen nach Sizilien; aber Neapel verlassen wir gewiss sobald wie möglich. Es liegt mir mehr daran, als du selbst glauben kannst, von hier zu gehen. Lodovicos Gesellschaft ist nicht mehr die meinige. Aber solange ich noch an einem Ort mit ihm bin, bin ich in seiner Gewalt und muss ihm mehr schmeicheln, als mir lieb ist. – Beruhige dich, und erhalte mir deine Liebe!"
Er nahm, als er das gesagt hatte, den Degen und ging. – Sein Weg ging gerade nach Olimpias wohnung zu.
Viertes Buch
Des Schicksals Ball! er fliegt zum Ziele,
Geschleudert durch des Zufalls Hand.
Wer nimmt aus diesem Zauberspiele
Des Wahnes Schleier, Stab und Band?
Rinaldo fand die wohnung der schönen Olimpia verschlossen. – Das erinnerte ihn an etwas, das ihm Lodovico gesagt hatte, und er wünschte sich von ihrem Doppelquartier zu überzeugen. Er ging die Promenade hinauf und dachte darüber nach.
"Ei!" – sprach er endlich, ganz ungeduldig, – "Mag sie doch wohnen, wo sie will. Wie kann mich überhaupt etwas beschäftigen, das dieses Weib betrifft? Ich will ja Neapel verlassen und weiss wenigstens – wie sie ist!"
Jetzt war er der Lorenzo-Kirche nahegekommen und ging – vielleicht von einer kleinen Ahnung dahin getrieben – hinein.
Der erste Gegenstand, der ihm in der Kirche in die Augen fiel, war Olimpia. Sie hatte gebetet, schlug eben ihr Buch zu, stand auf, gab einem Kavalier, der ihr das Weihwasser reichte, den Arm und verliess mit ihm die Kirche.
Rinaldo folgte ihr in der Entfernung und ging sogar Auf der Treppe begegnete ihm Olimpias Mädchen, die heftig erschrak.
"Wohnt ihr auch hier?" fragte Rinaldo bitter, eilte, ohne ihre Antwort zu erwarten, bei ihr vorbei, öffnete die erste beste Tür und trat durch einen kleinen Vorsaal in ein Zimmer, in welchem Olimpia mit ihrem Begleiter auf einem Sofa sass.
Olimpia entglühte sichtbar, als sie den unerwarteten Gast eintreten sah. Ihr Begleiter sah wechselseits bald sie, bald den kühnen Unbekannten mit grossen Augen an, und Rinaldo kam erst jetzt wieder zu sich, um zu fühlen, wie unbesonnen er gehandelt hatte. – Indessen war es jetzt nicht Zeit, Reflexionen über etwas anzustellen, das nun einmal geschehen war. Er suchte sich also so gut wie möglich zu fassen, machte beiden ein stummes Kompliment, gab Olimpien einen bedeutenden blick, fixierte ihren Begleiter ein wenig stark und nahm mit einer zweiten stummen Verbeugung wieder Abschied. – Aber kaum hatte er die Tür des Vorsaals erreicht, als er die Tür des Zimmers öffnen und jenen Herrn sich nachrufen hörte:
"Mein Herr! Ein paar Worte?"
Rinaldo drehte sich herum und fragte gelassen:
"Was beliebt?"
"'Was habt Ihr hier zu suchen?'".
"Was ich gefunden habe."
"'Deutlicher! – Was sucht Ihr hier?'"
"Eine Überzeugung, die ich, wie gesagt, auch gefunden habe."
"'Ohne Umschweife! Ich fordere bestimmte Erklärung.'"
"Prinz! Ich bitte Euch" – schrie Olimpia, – "lasst Euch von mir die Erklärung geben!"
Die Leser erraten nun, dass es der von Lodovico bezeichnete Prinz della Torre war, der jetzt so trotzig mit Rinaldo sprach