andern jagte. Der machte mich mit einer Gesellschaft von Kerlen bekannt, die dem Teufel die Nase aus dem gesicht stählen, wenn er eine hätte. Sie haben eine Art von Bündnis untereinander. In dieses liess ich mich aufnehmen und verdiene nun so mein bisschen Brot auf mancherlei Art und Weise. – Vor einigen Wochen sah ich Euch und riss de Augen mächtig auf. Ich mochte hinsehen wie ich wollte, Ihr wart und bliebt es, unser braver Hauptmann. Donnerwetter! dachte ich, wie kommt der hierher? Ich hätte Euch gern selbst darum gefragt, 's war aber heller lichter Tag und unsereins produziert sich nur am liebsten in der Nacht, denn die verfluchten Sbirren haben Falkenaugen. – Wie ich nun so simulierte, wart Ihr weg, und ich hätte des Teufels werden mögen, dass ich Eure wohnung nicht wusste. – Seit der Zeit konnte ich Euch nicht wieder auf die Spur kommen, und wenn ich mir die Füsse abgelaufen hätte. Ich dachte schon, Ihr wärt wieder über alle Berge, und ärgerte mich, dass ich hätte platzen mögen. Da sehe ich Euch heute Abend ganz unvermutet mit einem Mädchen gehen, das ich gar wohl kenne."
RINALDO Wie? Du kennst das Mädchen?
LODOVICO Ich werde sie ja, vor'm Teufel! kennen, wenn ich's sage.
RINALDO Wer ist sie?
LODOVICO Jetzt dient sie bei der Signora, bei der Ihr wart.
RINALDO Wenn du nicht mehr von ihr weisst, so weisst du auch nicht mehr als ich.
LODOVICO Basta! Ich weiss auch, dass sie gefällig und zärtlich ist.
RINALDO Das weiss ich nicht.
LODOVICO Und also weiss ich mehr von ihr als Ihr. – Sie gleicht ihrer Signora darinnen auf ein Haar.
RINALDO Wie? die Signora Olimpia wär' –
LODOVICO Du mein Gott! Ihr wärt wahrlich weder der erste noch der letzte gewesen, der zu ihr gekommen ist oder noch zu ihr gehen wird. Aber jetzt ist Gefahr dabei. Darum dachte ich: Halt Lodovico! du musst deinen braven Herrn warnen, schrieb das Briefchen und überbrachte es auch selbst. Es freut mich, dass Ihr meiner Warnung Gehör gegeben habt, denn mich sollen gleich alle Malefiz-Räder der ganzen Welt zermalmen, der Prinz della Torre versteht keinen Spass. Er hat schon manchem das liebe Nachtbrot geben lassen, ehe er es hat haben wollen.
RINALDO Aber wie kommt der Prinz ins Spiel?
LODOVICO Auf die natürlichste Art von der Welt. Er hat sein Spiel mit der Signora, bei der Ihr wart, und ist verdammt eifersüchtig.
RINALDO Lodovico, kann ich dir glauben?
LODOVICO Nennt mich nicht wieder Kamerad, wenn ich gelogen habe. Ich muss das am besten wissen. Ich bekomme ja Monatsgeld von dem Prinzen und hätte vielleicht gar selbst die Order erhalten können, Euch ein paar Pillen beizubringen. – Das hätte ich aber doch, hol mich der Teufel! nicht getan und hätte ich sollen betteln gehen oder gar selbst aufs Reff gebrannt werden.
RINALDO Die Signora kann aber nicht lange mit dem Prinzen bekannt sein.
LODOVICO Seit vier Tagen.
RINALDO Das ist möglich.
LODOVICO Das ist wahr! – Das ist auch nicht ihr eigentliches Quartier, in welchem Ihr heute bei ihr wart. – Sagt, unterhaltet Ihr sie etwa auch?
RINALDO Bewahre! – Ich kenne sie erst seit fünf Tagen.
LODOVICO So kennt Ihr sie gar nicht. Ich glaube, die lernt man in fünf mal fünf Jahren nicht kennen. Das ist ein Tausend-Elementer von einem Weibsbild! – Einen gewissen Kapitän hat sie auch schlimm über die Ohren gehauen.
RINALDO Kennst du diesen Kapitän? Wer ist er eigentlich?
LODOVICO Das mag der Teufel wissen. Aber ich weiss manches von ihm.
RINALDO Zum Beispiel?
LODOVICO Er ist so ganz im stillen der gute Freund aller Kerle meinesgleichen in ganz Neapel. Sie hängen an ihm wie Kletten. – Jetzt steckt er im Serviten-Kloster und macht einmal Apparate.
RINALDO Welche Apparate?
LODOVICO Er zitiert Geister.
RINALDO Wirkliche Geister?
LODOVICO Das mag der Teufel wissen! Ich bin nie dabei gewesen.
RINALDO Lodovico, wir bleiben doch gute Freunde?
LODOVICO Donnerwetter! Setzt Ihr Misstrauen in mich?
RINALDO Also – im Vertrauen! – ich bin nicht ohne Gesellschaft.
LODOVICO Das wär! Aber hier stecken die Burschen gewiss nicht.
RINALDO In Kalabrien.
LODOVICO Das lasse ich gelten! Dort soll etwas zu machen sein.
RINALDO Ein prächtiges Land für uns! – Cintio kommandiert in meiner Abwesenheit.
LODOVICO Donnerwetter! da muss ich hin! – Und ich nehme noch ein halbes Dutzend Kerle mit, die, straf mich Gott! keinem von uns etwas nachgeben. Hier ist's ohnehin ein Lumpenleben. Kleines Geld und kleine Läppereien, und dennoch ein Lärm und ein Spektakel über jede Kleinigkeit, als wär's wer weiss was. Die Sbirren beständig auf dem Nacken, die Galgen und Galeeren vor den Augen. Bei solchen Aspekten lebt sich's miserabel. – Hier ist meine Hand. Ich gehe nach Kalabrien.
RINALDO Gut! und ich schenke dir Reisegeld. Hier werbe ich.
LODOVICO Das Geschäft übertragt mir. Ich bin besser mit dem Schlage von Leuten bekannt, die für uns passen.
RINALDO Nimm mit dir, wen du kriegen kannst. Cintio wartet auf Rekruten.
LODOVICO Die soll er bekommen.
RINALDO Und noch ein Wort im Vertrauen. – Wär der bekannte Kapitän nicht –
LODOVICO