mich nicht auf. – Deinetwegen habe ich –
ER War alles, was du getan hast, dein freier Wille oder nicht?
SIE Leider! war es mein freier Wille. Aber du weisst wahrlich nicht, was ich meiner leidenschaft für dich aufgeopfert habe!
ER Kann es nicht mit Gold ersetzt werden?
SIE Elender! und Dich liebe ich? Ich spreche von Liebe, und du zählst mir Gold auf? Nimm mir, was ich habe, mache mich elend und bettelarm, ich folge dir mit blossen Füssen nach. Werde selbst arm, und ich stehle für dich, lasse mich zum Schafott führen, und ich freue mich, dass du nicht darben darfst. Du musst meine leidenschaft nach deinem eignen kärglichen Massstabe messen, wenn du so mit mir sprechen kannst.
Sie warf sich, als sie das sagte, mit heftiger Bewegung auf ein Kanapee. Rinaldo ging schweigend im Zimmer auf und ab. – Olimpiens Mädchen trat ein, besetzte einen Tisch mit Früchten, Wein und kalten speisen und verliess das Zimmer.
Nach einer ziemlich langen Pause fragte Olimpia:
"Wollen der Herr Graf mit mir speisen?"
"Warum das nicht?" – antwortete er.
Ohne ein Wort zu sprechen, wurden Stühle an den besetzten Tisch geschoben. Man setzte sich und speiste. – Olimpia schenkte die Gläser voll, nahm eins davon in die Hand und sagte mit sanfter stimme: "Auf unsere Versöhnung?"
ER Wenn Olimpia bekennen will, dass sie Unrecht und dass sie mich durch ihre letzte Rede beleidigt hat.
SIE Ich will alles tun, was du haben willst. Ich habe dich ja so unaussprechlich lieb! – Es gilt! – Nun kein Wort weiter davon.
ER Die vier Tage müssen doch erst berichtet werden.
SIE Ich konnte dich nicht eher anständig empfangen, als heute. An jenem Tage, wo ich so glücklich mich aus deinen Armen wand, verliess ich das Haus, das mir der Kapitän gemietet hatte, brachte die Zeit in einer elenden wohnung hin und bewohne erst seit diesem Morgen dieses Zimmer.
ER Wo du warst, war allentalben Liebe. Warum durfte ich nicht auch dort sein?
SIE Ich schämte mich, dich in ein Quartier zu führen –
ER Wo du warst? – Hat es dir an irgend etwas gefehlt, so hättest du mir –
SIE Kein Wort davon!
ER Hast du von der Güte des Kapitäns gelebt oder nicht?
SIE Einigermassen.
ER Du bist keine Neapolitanerin?
SIE Ich bin eine Genueserin von edler Geburt.
ER Und lebst hier?
SIE Die Erzählung meiner geschichte soll dir sagen, warum?
ER Ich höre sie doch bald?
SIE Sobald du dich meines Vertrauens wert gemacht hast.
ER Was weisst du von dem Kapitän?
SIE Dass er ein sonderbarer, geheimnisvoller, unergründlicher Mann ist, der sich hoher Wissenschaften rühmt.
ER Hast du davon, dass er sie wirklich besitzt, Beweise?
SIE Ich fürchte mich, sie zu entdecken.
Rinaldo wollte weiter fragen, als ein Verhüllter ohne Umstände in das Zimmer trat, auf ihn zuging und ihm ein Briefchen gab. – Olimpia sah den Vermummten mit zweifelhaften Blicken an, der ein Glas Wein vom Tische nahm, es ausleerte und das Zimmer, ohne ein Wort zu sprechen, verliess.
Rinaldo öffnete das Briefchen, las in demselben die Worte:
"Rinaldini ist in Gefahr", zerriss das Papier in kleine Stückchen und sprang vom Tische auf.
"Um Gottes willen, Graf!" – fragte Olimpia ängstlich, – "Was ist Euch?"
Rinaldo nahm seinen Degen, küsste ihr die Hand, sagte:
"Morgen, gute Olimpia! siehst du mich wieder", und eilte nach der Tür. – Sie sprang auf, umschlang ihn und bat ihn zu bleiben. Er küsste sie heftig, sagte mit zärtlicher stimme:
"Beruhige dich! Wir sehen uns morgen wieder", machte sich los, verliess das Zimmer, stürzte die Treppe hinab und eilte in seine wohnung. Hier war er kaum angekommen, als der Vermummte, der ihm bei Olimpien den Brief gab, zu ihm ins Zimmer trat. Sie sahen beide einander, ohne ein Wort zu sprechen, eine Zeitlang an. Endlich brach Rinaldo das Stillschweigen und sagte:
"Herr Kapitän! ich habe Euern Wink verstanden."
"Was zum Teufel! Kapitän? das bin ich nie gewesen", – sagte jener. – "Aber wir kennen uns sonst woher, wo ihr Kapitän wart."
Indem er das sagte, nahm er die Larve vom Gesicht, und Rinaldo erkannte in ihm einen seiner ehemaligen Gesellen, der Lodovico hiess.
Rinaldo drückte ihm die Hand und fragte:
"Wo kommst du her, braver Junge?"
"Das will ich Euch sagen", – antwortete jener. – "Gebt mir aber erst etwas zu trinken. Ich bin durstig wie ein Teufel."
Rinaldo trug einige Flaschen Wein auf und Lodovico erzählte:
"Als wir das letztemal, wo Ihr nicht bei uns wart, angegriffen wurden, ging's, soll mich der Donner erschlagen! so hart her, wie's noch nie hergegangen ist. 'S war, straf mich Gott! ein Gemetzel, als würde Fleisch zur Bank gehackt. – Ich kam mit ein paar Circumflexen davon und schlich von einem Orte zum andern, bis ich mich hierher nach Neapel schlich. Hier fand ich einen Vetter, den die Justiz auch von einem Orte zu dem