, zu der er verbunden gewesen sei. Der Prinz hat zu Urbino Wache und wird scharf verhört.
NOTAR Der Baron gibt den Verlust seiner Habseligkeiten durch die Plünderung der Räuber auf 6000 Dukaten an. Er und seine Freunde sind misshandelt worden, und den einen von der grossen Französischen Nation haben die Räuber sogar zum Verschnittenen gemacht.
BÜRGER Das sind verteufelte Kerle!
NOTAR Mich dauert der Prinz Roccella. Er ist ein braver Herr! – Und, im Vertrauen, meine Herren! wer unter uns würde es wohl wagen, Rinaldini festzuhalten, wenn er auch mitten unter uns wäre?
BÜRGER Ich nicht.
ADVOKAT Ach ja! Man muss nur caute verfahren und auf Hilfe rechnen können.
BÜRGER Er drückt los, ich stürze, und wer belohnt dann meinen Diensteifer? – Einige Leichen liegen gewiss um ihn herum, ehe man ihn festalten kann.
NOTAR Ich möchte ihn nur einmal sehen.
RINALDO Um Vergebung, meine Herren! – Ich habe ihn gesehen.
ADVOKAT Wie? Was? Der Herr haben –
RINALDO Ich bin der Marchese Soligno. Meine Güter liegen in Savoyen, und ich bin auf Reisen. – Vor sechs Tagen fiel ich in die hände Rinaldinischer Räuber. Ich wurde mit meinen Leuten übermannt und erwartete schon, ganz ausgeplündert zu werden, als Rinaldini selbst erschien.
BÜRGER Wie sieht er denn aus?
RINALDO Er ist ein kleiner, untersetzter, schwarzbrauner Mann, hat blaue Augen, braunes Haar, eine Habichtsnase und einen Knebelbart.
ADVOKAT Nach andern Nachrichten soll er gross und schlank gewachsen sein, ein glattes Kinn, schwarze Augen und Haare und eine Griechische Nase haben. – Wiewohl ich sagen muss, dass sich die Habichtsnase besser zu seinem Gewerbe schicken möchte als die Griechische.
RINALDO Ich habe ihn ja selbst gesehen und gesprochen. Wie ich ihn beschrieb, so sieht er aus. – Er examinierte mich lange. Ich musste meine ganze Barschaft und alle Sachen von Wert angeben, die ich bei mir hatte. Hierauf forderte er mir 100 Zechinen ab. dafür gab er mir diese Sicherheitskarte. Sehen die Herren, da ist sie.
ADVOKAT Ach der Tausend! (liest) "Viaggio seguro1 – Rinaldini." – Wenig Worte. – Ein imponierender Monsignore!
RINALDO Es ist doch aber unverzeihlich, dass die Obrigkeit dem Menschen nicht das Handwerk legt.
ADVOKAT Nur Geduld! – Ich weiss es von sicherer Hand. Es werden 500 Mann toscanische und 800 Mann päpstliche Truppen gegen Rinaldini ausrücken, werden ihn umringen, von allen Seiten angreifen und ganz gewiss erhaschen.
BÜRGER Wie stark mag wohl die Bande sein?
RINALDO Wer will das wissen? Einige sprechen von 200 Mann, andere sagen, sie sei noch stärker. Verwegene Kerle sind sie alle, die dazu gehören. Gegen Abend verliess Rinaldo den Ort. Gab aber vorher Sebastiano den Befehl, den Baron Rovezzo zu fangen und tot oder lebendig an Cintio abzuliefern. – Sebastianos Begleiter liess er in der Gegend von Montamara. Er selbst wagte sich in Pilgerkleidern nach Urbino. Hier vernahm er, der Prinz Roccella sei zwar jetzt ohne Wache, habe aber starke Kaution machen müssen und werde noch immer verhört. Er erfragte seine wohnung und hatte die Kühnheit, einst des Abends in sein Zimmer zu treten.
RINALDO Ich bin an Euch abgeschickt. – Rinaldini schickt mich zu Euch.
PRINZ Gott! was höre ich? – Du bist es selbst. Ich erkenne dich.
RINALDO Ja, ich bin es. – Ich weiss, in welche Verlegenheit ich Euch gebracht habe, und komme, Euch meine Dienste anzubieten.
PRINZ Ich bin verloren, wenn man entdeckt –
RINALDO Besorgt nichts! Sagt nur, worin ich Euch dienen kann?
PRINZ Mann! was hast du getan?
RINALDO Kann ich Euch und Aurelia mit meinem Leben retten, so soll es geschehen.
PRINZ Dein Tod kann uns unserer Verlegenheit nicht entreissen. Man beschuldigt uns eines Einverständnisses mit dir. Die Ehre meines Kindes ist verloren, und ich habe mich der allgemeinen Meinung eben auch nicht zu erfreuen. Willst du mir eine gefälligkeit erzeigen, so verlass mich und die Stadt.
RINALDO Wollt Ihr Euch von dem Verdacht eines Einverständnisses mit mir reinigen, so überliefert mich der Justiz. Ich will hier bleiben.
PRINZ Was könnte mir das helfen? Verräterei ist keines echten Maltesers Handwerk.
RINALDO So will ich mich der Obrigkeit selbst überliefern.
PRINZ Kann das meine Lage bessern?
RINALDO Helfen muss und will ich Euch aber nun einmal.
PRINZ Mein Onkel, der Kardinal Legat, hat sich der Sache unterzogen, und die Untersuchung gegen mich wird, wie ich hoffe, in Kürze geendigt sein.
RINALDO Ein Glück für Eure Richter!
PRINZ Rinaldini, willst du den Lauf der Gerechtigkeit hemmen?
RINALDO Prinz, wenn ich nichts für Euch tun kann, so erlaubt mir wenigstens etwas für Aurelia zu tun. – Hier sind Wechselbriefe auf 10000 Zechinen. Ich gebe sie ihr zu einem neuen Heiratsgute.
PRINZ Zu einem Heiratsgute?
RINALDO Der Baron muss nun schon in den Händen der Meinigen sein. Ist er lebendig drinnen, so wird er erschossen. Aurelia ist wieder frei.
PRINZ Mann! Was beginnst du? – Frei oder nicht, bleibt Aurelia nun auf immer in dem Kloster. – Verschenke dein Geld an die Armut. Wir bedürfen desselben nicht.
RINALDO Gute Nacht!
PRINZ Mann! Wie willst du enden?
RINALDO Das weiss Gott! Geht's aber mir nach, gut.
PRINZ Das kannst du schwerlich erwarten.
RINALDO