. – Er liess sich vor ihr nieder und küsste ihr die hände.
"Du bist es", – stammelte sie, – "furchtbarer Mann! Du, der mich gerettet hat? O! sei ebenso grossmütig, als du tapfer bist, sei ebenso gütig, als du furchtbar bist, handle edel gegen mich und bringe mich zu meiner Mutter. Missbrauche deine Gewalt nicht und mache meinen unbefleckten Namen nicht zum Spotte der Welt."
"O!" – seufzte Rinaldini, – "jetzt fühle ich, wer ich bin!"
Rasch sprang er auf, drehte sich herum, als eben Sebastiano mit einigen Helfershelfern in den Saal trat, und sagte:
"Diese Rattenjagd hat noch kein Blut gekostet, und so gar rein und stille soll's und kann's doch nicht abgehen. – Diesen Burschen, den Mann jenes unglücklichen Engels, züchtiget mit den schärfsten Geisselhieben. Diesen Franzosen und Sizilianer jagt ein paarmal Spiessruten auf und ab. Die Mädchen werft zum schloss hinaus. Und diesem guten Französischen Ratgeber geschehe, wie er wollte, dass mir geschehen sollte. Dann mit ihm vor die Pforte."
Der zum Eunuch bestimmte Franzose lamentierte erschrecklich; es blieb aber bei dem Befehle. Die Räuber schleiften ihre Delinquenten aus dem saal.
Rinaldo aber nahte sich Aurelien wieder, hiess ihr ihren Schmuck und ihre Kostbarkeiten mitnehmen, liess einen Wagen anspannen und sie mit ihren Kammerjungfern hineinsteigen. Hierauf schwang er sich auf sein Ross und schrie seinen Gesellen zu:
"Plündert das Schloss aus, brennt es aber nicht ab!" und jagte der Kutsche nach. – Eine Viertelstunde von dem Klarenkloster bei Montamara liess er anhalten. Hier ritt er an den Kutschenschlag, forderte Aureliens Hand, schob ihr, als er sie erhielt, einen Ring an den Finger, küsste ihre Hand und sagte mit Innigkeit:
"Aurelia, lebe glücklicher als ich!", gab dem Pferde die Sporen und jagte seinem Lager zu, wo er mit anbrechendem Tage ankam, als seine Gesellen mit Beute beladen soeben wieder zurückgekommen waren. Rinaldo sass vor seinem Gezelte und dachte eben nach, welche Folgen die geschichte haben könnte, als Rosalie sich ihm nahte, sich bei ihm niedersetzte, ihr Guitarre ergriff, spielte und sang:
"O Almanzor! willst du hören,
Was Zaide wird gestehn?
Soll Zaide bei dir bleiben,
Oder soll sie von dir gehen?
Wirst du sie nun stärker lieben,
Wenn ihr Kind dich Vater nennt?
Oder willst du, dass sie scheidend
Weine nun, von dir getrennt?"
"Ach Rosalie!" – unterbrach sie Rinaldo, – "ich errate – ich weiss, wer sie ist, diese Zaide, und Almanzor wird sie nie von sich lassen."
Rosalie umarmte und küsste ihn heftig. Er sprach weiter:
"Was der Mutter Freude macht, ihr oder ihres Lieben Ebenbild auf ihrem Schosse zu haben, das wird uns viel Kummer machen, wenn wir dieses Leben nicht verlassen können. Aber, bei Gott! das soll und muss geschehen. Ich will meinen Sohn nicht dem Verbrechen entgegen erziehen. – Und du bleibst bei mir."
Sebastiano kam und unterbrach diese Unterhaltung. Er meldete, zwei ihrer Leute wären in St. Leo angehalten und ins Gefängnis geführt worden. Der Dritte sei entwischt und bringe die Nachricht, dass durch des baron Anzeige ein Aufgebot gegen sie bewirkt werde.
Gegen Abend liess Rinaldo das Lager abbrechen, gab das Signal zum Aufbruch, zog weiter und rückte am dritten Tage in die Täler der Gebirge von Albano ein. Einige Tage hatte er hier gelegen, als er Sebastiano befahl, mit sechzehn entschlossenen Gesellen unter mancherlei Gestalten sich über Cagli in die Gegend von Montamara zu begeben. Altaverde erhielt den Auftrag, mit List oder Gewalt die Befreiung der beiden Kameraden zu versuchen, die man in St. Leo festgehalten hatte. Rinaldo selbst nahm Nikolo und Alfonso zu sich und ging, als ein Reisender, von seinen Bedienten begleitet, zu Pferde ins Land und aufs Spionieren aus. Cintio blieb, als Oberhaupt der Bande, zurück, und Rinaldo empfahl ihm Rosalien, die weinend von ihm Abschied nahm.
"Es ist mir" – jammerte sie, – "als würden wir uns nie wiedersehen!"
Rinaldo suchte sie zu trösten. Es wollte ihm aber nicht gelingen, und er verliess sie selbst sehr gerührt.
Schon hatte er Fossombrona erreicht und quartierte sich dort in das beste Wirtshaus ein, wo er ein paar Tage ausruhen und Sebastianos Gesellen Zeit lassen wollte, sich bei Montamara zu sammeln.
Den Tag nach seiner Ankunft besuchte er ein Weinhaus und fand in demselben einige Bürger des Orts, ein paar Advokaten und Notare, die bei einer Flasche Wein ein für ihn interessantes Gespräch führten.
EIN NOTAR Es wird ein sehr schlimmer Handel werden!
EIN ADVOKAT Die Baronin ist nun schon zum zweitenmal verhört worden. Sie besteht darauf, sie habe zwar ehemals die person des vorgeblichen Grafen Dalbrogo gekannt, aber in allen Ehren, und habe nie gewusst, nicht einmal geahnt, dass er der verrufene Rinaldini sei. Erst wie er sich in jener Nacht selbst zu erkennen gegeben habe, habe sie das mit Schrecken gehört und erfahren. – Der Baron hingegen – er ist erschrecklich misshandelt worden! – behauptet, seine Frau habe im Einverständnis mit dem gefürchteten Räuber gelebt, und ihr Vater sei einer seiner Bekannten, der schon längst gegen die gesetz gehandelt habe, der Obrigkeit eine Entdeckung nicht zu machen