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, was Ihr gesagt und getan habt, sollt Ihr mir gewiss die pünktlichste Rechenschaft ablegen.

BARON Nun! so fordert sie mir nur ab.

RINALDO Heute noch.

BARON Lieber jetzt gleich. Ich will Euch das Fazit machen.

RINALDO Ich werde es Dir machen, Elender!

BARON Auf dergleichen Reden lasse ich durch meine Bedienten mit Hetzpeitschen antworten.

RINALDO (legt die Hand an den Säbel) Zieht!

BARON Was wollt Ihr?

RINALDO Zieht, oder ich haue Euch nieder!

AURELIA Um Gotteswillen, Graf, mässiget Euch! Ihr kennt diese Menschen nicht.

BARON (gibt ihr eine Ohrfeige) Schweig! – Und dies klage deinem Liebhaber.

RINALDO Baron! Das kostet, bei Gott! Blut.

BARON Verlasst mein Schloss, oder so wahr ich diese hände mein nenne, ich lasse Euch von meinen Leuten hinauswerfen.

RINALDO Schlechter, feiger Bösewicht! Das wirst du gewiss nicht selbst zu tun wagenAurelia, Deine Rettung ist gewiss! – Dich Buben, der du dich ihren Mann nennst, spreche ich heute noch, auf eine Art, die dir sehr empfindlich sein soll.

Der Baron und seine Gesellen lachten laut auf. Rinaldo verliess den Garten, und die Herren schrien ihm nach: "Wir wünschen glückliche Reise, moderner Herr Don Quixote! – Erzählt Euer Abenteuer der Frau Mama!" In welcher Stimmung Rinaldo bei seinen gefährten ankam, kann man sich leicht denken. Er war ausser sich. Rosalie zitterte. So hatte sie ihn noch nie gesehen.

Er sprach mit grosser Bewegung mit Altaverde und Cintio, und als es Abend wurde, rückte der erstere an der Spitze von zwanzig Mann den Berg hinab, ins Tal. Cintio ging links mit sechzehn Mann, und zehn Mann folgten Rinaldo. – Rosalie blieb im Lager zurück, das unter Nikolos Aufsicht wohl bewacht wurde. – Als es dunkler wurde, setzten die Corps sich in Bewegung und Sebastiano rückte mit zwanzig Mann nach.

Cintio ging über den Fluss, besetzte die brücke und stellte seine Posten um die Gartenmauer des Schlosses des baron. – Altaverde besetzte die Landstrasse, den Weg nach dem dorf und stellte seine Posten um das Schloss bis an Cintios Posten. – Rinaldo ging mit seinen Gesellen auf das Schlosstor zu. Es war verschlossen. Man schellte. Ein Knecht riegelte auf und wollte fragen, wer da sei, als man ihn bei der Kehle packte, hinaus ins Freie zog und ihn Altaverdes Leuten übergab. drei Mann besetzten das Tor, und die andern folgten Rinaldo über den Schlosshof nach. – Die Haustür ward besetzt. Zwei Mann traten mit gespannten Pistolen in die Bedientenstube und geboten Stillschweigen, welches die Leute erschrocken und zitternd gelobten.

Rinaldo durchschnitt den Strang von der Turmglokke, der ins Haus herabhing, mit dem Stilett und ging mit drei Mann die Treppe hinauf, nach dem saal zu, wo der Baron mit seinen Gesellen und Dirnen bei Tafel sass. – Die Tür war halb geöffnet. Rinaldo lauschte und hörte, dass er selbst, als Graf Dalbrogo, der Gegenstand ihrer spöttischen Unterhaltung war. Man schalt ihn eine Memme, und Aurelia, die zur Tafel gezwungen worden war, musste die kränkendsten Reden ihres Mannes stillschweigend anhören, um sich keinen Misshandlungen auszusetzen.

Des baron Freudenmädchen neckten sie bitter über ihren vorgeblichen Liebhaber, und ihr Mann schrie laut:

"Wenn ich doch den Kerl nicht fortgelassen hätte!"

"Wir hätten ihn durch einen einzigen Schnitt dem Baron auf ewig können unschädlich machen" – sagte einer von den beiden Franzosen, – "und man hätte dann Eurer Frau diesen Combab zu Wächter gegeben."

"Wenn er nur wieder käm'!" fuhr der Baron fort.

"Da ist er", sagte Rinaldo und trat in den Saal.

Indessen hatten Altaverdes Leute das Schlosstor besetzt und Sebastiano rückte näher herbei. – drei Mann von Rinaldos Gefolge kamen nun zu den andern dreien, die vor der Saaltür standen, und sechs Mann von Altaverdes Gesellen folgten ihnen.

Diese zwölf harrten des Signals, und Rinaldo war noch allein im Saal.

Sein plötzliches erscheinen hatte die Gesellschaft nicht wenig frappiert. Er sprach weiter:

"Hier bin ich, wie ich versprochen habe, um Wort zu halten. Ihr seht doch wohl, wie pünktlich ich bin? – Hier stehe ich und fordere Rechenschaft von Euch. Von dem Baron an bis auf den, der den combabischen Vorschlag tat, werde ich euch allen das Fazit machen."

Jetzt fing der Baron an, laut aufzulachen, und schrie einem seiner aufwartenden Bedienten zu, seine Leute herbeizurufen.

Der Bediente setzte sich kaum in Bewegung, als ihn Rinaldo packte und zu Boden warf. – Hierauf zog er eine Pistole, streckte sie der Tafel entgegen und sagte:

"Der erste, der sich von euch von Ort und Stelle bewegt, ist des Todes. – Ihr elenden, nichtswürdigen Tagediebe! Ihr wollt mir drohen? Mir? Zittert und stürzt zusammen vor mir nieder! Wisst ihr, wer ich bin? – Nieder auf die Knie! – Nieder! – Ich bin Rinaldini!"

Wie vom Schlage getroffen stürzten alle mit einem Tempo von ihren Stühlen auf die Knie vor ihm nieder.

Aurelia schrie laut auf, und sank in Ohnmacht. – Rinaldo nötigte die Mädchen, ihr beizustehen. Hierauf gab er das Signal, und seine zwölf Attachés traten in den Saal.

Die Gesellschaft blieb auf den Knien, und Rinaldo nahte sich Aurelien, die jetzt wieder zu sich kam