verwandeln, und Ihr sollt fürchterliche Genugtuung haben oder ich will nicht – Dalbrogo heissen. – Wessen ist das Bild, das Ihr auf Eurer Brust tragt?
SIE Das Portrait meines Mannes
ER Zeigt es mir. – Ist er getroffen?
SIE Ganz.
ER Gut! – Nun kenne ich ihn. – Herab mit dem Bilde von Euerm Busen!
SIE Um Gottes willen nicht! Er würde mich misshandeln, trüg' ich es nicht mehr hier!
ER Hat er es schon einmal gewagt, Euch tätlich zu misshandeln?
SIE Ach Gott! noch trage ich die Spuren seiner Grausamkeit an meinem leib.
ER O! er soll Denkmale einer Vergeltung tragen, die –
SIE Um Gottes willen! dort kommt mein Mann mit seinen Gesellen die Allee herauf.
ER Es ist zu spät, zu entfliehen. Bleibt! Ich bleibe auch. Ich bin ein Freund Euers Vaters, der mir Grüsse an Euch aufgetragen hat. – In meiner Gegenwart sollen sie nichts wagen. Mit einem einzigen Worte kann ich sie zu Boden schmettern, wenn ich will. Und ehe der morgige Tag anbricht, sollt Ihr gerettet sein. Der Baron und seine Begleiter kamen näher. Rinaldo trat ihnen auf einige Schritte entgegen und zog seinen Hut mit der Anrede: "Es freut mich sehr, Herr Baron! Eure Bekanntschaft zu machen. Der Prinz, Euer Schwiegervater, lässt Euch grüssen und Euch durch mich seinen nahen Besuch melden. Ich bin sein Freund. Graf Dalbrogo ist mein Name."
"Euer Diener!" antwortete der Baron ganz kalt, wendete sich darauf zu Aurelien und sagte mit spöttischem Lächeln: "Vermutlich auch ein alter Bekannter von Euch? Und Ihr habt diesen angenehmen Gast und Überbringer einer so frohen Botschaft von Euerm Vater nicht in Euerm Zimmer empfangen?" –
"Verzeiht!" – setzte er hinzu, indem er sich gegen Rinaldo drehte, "den Fehler der Etikette meiner Frau! Sie ist auf einem Meierhofe erzogen worden. Doch, das wisst Ihr vielleicht schon?"
RINALDO Das weiss ich. Sie hat unter sehr edlen und guten Menschen gelebt.
BARON Also mein Schwiegervater will uns besuchen? – Hat der gute Herr den Tag seines Besuchs nicht bestimmt?
RINALDO Ich glaube, Ihr habt ihn mit jedem Tage zu erwarten.
BARON Ärgerlich! Und ich habe auf Morgen eine Reise festgesetzt, die ich nicht aufschieben kann.
RINALDO Er wird Eure Rückkehr erwarten. Er sagte, er habe notwendig, er habe mancherlei mit Euch zu sprechen.
BARON So? – Ja, mein Gott! es kann wohl sein, dass ich einige Monate wegbleibe. – Ihr werdet den Prinzen vermutlich hier erwarten wollen?
RINALDO Nein. – Ich habe dringende Geschäfte in Rom und werde mich sogleich dahin auf den Weg machen. Wärt Ihr nicht soeben gekommen, so würde ich sogar das Vergnügen haben entbehren müssen, Eure Bekanntschaft zu machen. Ich wollte schon Abschied von Eurer Gemahlin nehmen, als ich Eure Ankunft vernahm.
BARON Ein Mittagsbrot werdet Ihr doch wohl bei uns einnehmen?
RINALDO Ich muss danken.
BARON Ich bitte sehr!
RINALDO Es ist mir unmöglich. Die Stunden sind mir zugezählt.
BARON Ich bedaure, dass ich nicht das Vergnügen Eurer Bekanntschaft habe früher geniessen können. Indessen hoffe ich, meine Frau wird Euch wohl unterhalten haben? Sie müsste denn ihre fatale Laune gehabt haben, was so ganz gewöhnlich bei ihr der Fall ist.
RINALDO In der Tat – verzeiht! – hätte ich, so wie ich Eure Gemahlin fand, mehr auf Kummer als auf üble Laune gerechnet. Indessen wollte ich nicht unbescheiden sein, und –
BARON Ja, ja! sie überwirft ihrer fatalen Laune gewöhnlich den Mantel des Kummers, und ihren Eigensinn nennt sie Gram.
RINALDO Sie war doch sonst so froh, unbefangen und heiter –
BARON Vielleicht ist sie nicht nach ihrem Geschmack verheiratet. – Herr Graf! Ihr hättet sie nicht an mich sollen kommen lassen.
RINALDO Herr Baron! Ihr scherzet.
BARON Wahrlich nicht! Dieses Gänschen aus den Schäferfluren wäre vielleicht in Eurer Hut besser gediehen. So ist sie noch immer, was sie war.
RINALDO Also gut, edel und liebenswürdig.
BARON Für den Liebhaber.
RINALDO Herr Baron, ich merke mit Erstaunen, dass Eure Ehe – nicht glücklich ist.
BARON Das wird Euch dieses Muster von Sanfteit schon selbst gesagt haben. Sie klagt's ja der ganzen Dorfwelt.
RINALDO Bei Gott! es tut mir leid – dass Euer Herr Schwiegervater das so finden muss, wie es ist.
BARON Er mag sie wieder mit sich nehmen, oder sie zu ihrer ehrenfesten Mutter stecken.
RINALDO Herr Baron! diese Bitterkeit zeigt an –
BARON Dass ich die Närrin los sein möchte. Weiter nichts! – Wollt Ihr sie etwa gleich mitnehmen?
RINALDO Herr Baron, keine Beleidigungen! Ich höre sie nicht gelassen an.
BARON Diese Wärme für die Sache meiner Frau beweist –
RINALDO Das, was sie beweisen soll. Nichts mehr und nichts weniger. Ich bin der Freund ihres Vaters, der gewiss nicht zugeben wird –
BARON Er kann ja das Kleinod wiederbekommen. Ich mag es nicht mehr.
RINALDO Und Ihr verdient auch nicht, es zu besitzen.
BARON Donnerwetter! Herr Graf –
RINALDO Was beliebt?
BARON Schert Euch zum Teufel! und nehmt die Magdalenen-Figur mit Euch, dass sie mir aus den Augen kommt.
RINALDO Eure Grobheit –
BARON Ich bin hier Herr –
RINALDO Werdet es von Euch selbst. – Über alles