zu. Eine hohe Mauer umfing das Innere eines schönen Gartens, nahe an dem schloss. Eine Gittertür fand Rinaldo offen und ging in den Garten. Er nahte sich eben einem Boskett, als er ein Frauenzimmer gewahr ward, das kaum ein Geräusch von Fusstritten hinter sich vernahm, als es sich herumdrehte. – Sie erblickte Rinaldo und schrie laut auf. Dieser erkannte sie sogleich und nahte sich ihr.
ER Ist es möglich? Darf ich meinen Augen trauen? Ist es Phantasie oder Wirklichkeit? – Aurelia! die schöne Aurelia hier? – Hier? in diesem schloss?
SIE Es ist das Schloss meines Gemahls.
ER Gemahls? Also wirklich verheiratet?
SIE Ja. – Leider!
ER Wie? – Tränen in Aureliens Augen?
SIE O! diese Zeugen meines Unglücks, die mich überall hin durch dies Leben begleiten werden, können Euch mein Leid erklären.
ER Aurelia! – Unglücklich verheiratet?
SIE Ach Gott!
ER Ach! wenn der gute, alte Donato –
SIE O! dass man mich bei ihm in seiner Einöde gelassen hätte! Dass ich auf dem Meierhofe meines Pflegevaters geblieben wär! Wie glücklich wär ich noch! Mein guter Vater meinte es auch gut, er wollte mich glücklich machen, aber ich bin es nicht.
ER Sollte Aurelia vielleicht den Stoff zu ihrem Unglück mit sich hierher genommen haben?
SIE Wie meint Ihr das? – Mein Herz war frei. Unschuldig und rein war ich, als ich zu meinem Gemahl kam. – Mein Vater gab mir eine sehr grosse Aussteuer. Nach dieser hat mein Mann gefreit. – Ach! Freund meines guten Donato! sprecht Ihr diesen ehrwürdigen Alten, so sagt ihm, wie unglücklich ich bin.
ER Wollt Ihr Euch mir ganz anvertrauen?
SIE Mein Vater kennt Euch auch, und –
ER Was hat Euch Euer Vater von mir gesagt? Wisst Ihr, wer ich bin?
SIE Als ich mich nach Euch erkundigte, nannte er Euch einen berühmten Mann, aber Euren Namen sagte er mir nicht.
ER Nehmt mich für den Graf Dalbrogo. Und ihr wisst doch, dass ich Euers Vaters Freund bin? Noch vor kurzem haben wir zu Cesena freundschaftlich unsere Ringe gewechselt. Hat er Euch davon nichts gesagt?
SIE Ich habe ihn lange nicht gesehen und gesprochen.
ER Weiss er Euer Unglück?
SIE Wenn er meine Briefe erhalten hat, muss er es wissen. Aber ich zweifle fast daran, denn noch immer habe ich auf keinen dieser Briefe Antwort erhalten; oder mein Mann unterschlägt vielleicht durch seine Spione meine Briefe selbst.
ER Gut! – Mich soll er weder bestechen noch unterschlagen können. Ich werde Euern Vater sprechen und werde ihm alles sagen, was Ihr mir an ihn auftragen wollt.
SIE Wollt Ihr das?
ER Ich gebe Euch mein Ehrenwort. Welche Klagen habt Ihr gegen Euern Mann?
SIE Er ist mein Tyrann. Er begegnet mir verächtlich. Er bricht seine eheliche Treue beinahe vor meinen Augen mit feilen Kreaturen, die er im schloss unterhält.
ER Schlecht!
SIE Er peinigt und quält mich unaufhörlich mit Vorwürfen –
ER Mit welchen?
SIE Ach Gott! meine aussereheliche Geburt, die – – Ach! er wusste das ja, als er mir seine Hand gab.
ER Liebt Ihr ihn?
SIE Ich habe ihn geliebt. – Er hat sich mir selbst verhasst gemacht.
ER Ihr hasset ihn?
SIE Ich verabscheue ihn wie meine Sünden. – Noch erst gestern gab er mich dem Hohngelächter seiner Spiessgesellen preis, und seine feilen Dirnen spotten meiner allentalben. Man behandelt mich wie eine Dienstmagd.
ER Ihr sollt Genugtuung haben.
SIE Ich bin fest entschlossen, wenn mein Vater sich meiner nicht bald annimmt, diesen schändlichen Ort der höchsten Ausgelassenheit zu verlassen, zu entfliehen.
ER Wohin wollt Ihr gehen?
SIE Zu meiner Mutter.
ER Wo ist sie?
SIE Sie ist Äbtissin des Klaren Klosters bei Montamara.
ER Als ich Aurelien das erstemal in jenem stillen Tale sah, als ich sie nachher bei Donatos friedlicher Hütte sprach, sagte ich zu mir selbst: Wie beneidenswert wird der Mann sein, dem Aurelia einst Herz und Hand geben wird! Und dieses gute, edle Mädchen soll unglücklich sein? – Nein, wahrlich nicht! – Wenigstens soll sie Rache haben. Dies schwört ihr feierlich, – ein Mann, der Wort halten kann, – Graf Dalbrogo.
SIE Ach, Graf! warum wollt Ihr Euch meinetwegen vielleicht in Verlegenheit stürzen?
ER In die Hölle für Euch! – Ich könnte für Aurelien mit Ungeheuern und Teufeln kämpfen.
SIE Graf! Dieses fürchterlich rollende Auge –
ER Wie lerne ich den Nichtswürdigen kennen, den Ihr Mann nennen müsst? – Ist er im schloss?
SIE Er ist mit seinen Gesellen auf der Jagd.
ER Wer sind diese Menschen?
SIE Abenteurer aus allen Winkeln der Erde, die sich um ihn herum versammelt haben und mein Vermögen mit ihm verprassen, verspielen, vertrinken, und – ach Gott! Es sind sehr schlechte Menschen. Zwei Franzosen und ein Sizilianer, die vielleicht alle den Händen der Justiz entronnen sind. Sie nennen sich Edelleute, aber das sind sie gewiss nicht. Ihr solltet sehen, wie sie mich mit Unanständigkeiten misshandeln.
ER Bei Gott! säh ich das, so wäre es ihre letzte Misshandlung in der Welt.
SIE O Graf! Ihr, als ein fremder Mann, wolltet –
ER Meinen freiwilligen Schwur will ich lösen und Euch rächen. Das schallende Gelächter dieser Buben soll sich in Klagen