in die Fortinischen Gebirge, wo Altaverde mit sechzig Leuten stand, weil sie Bewegungen im Kirchenstaate bemerkten, die auf ihre Aufhebung in den Waldungen, wo sie vorher lagen, abzweckten.
Rinaldo liess sein Gezelt auf der Spitze des höchsten berges, gegen Belforte zu, aufschlagen, musterte seine Bande und verlegte sie rundherum in die Gebirge bis vor Brandolino. – Man war begierig zu sehen, was er tun würde. Alles blieb ruhig. Einige Tage darauf kam Altaverde zu ihm. – "Hauptmann! – sprach er; – es fängt nach und nach an, an Lebensmitteln zu fehlen." RINALDO Das ist schlimm! ALTAVERDE Jawohl! – Deine Leute murmeln auch schon und raisonnieren über ihre Untätigkeit. RINALDO So müssen wir sie beschäftigen! ALTAVERDE natürlich! – Zudem wird auch das Geld bei einigen rar. Sie spielen und verlieren. RINALDO Gut! – Hier sind zweihundert Zechinen. Diese will ich den Burschen schenken. Beschäftigung sollen sie auch bekommen. Lass diesen Abend das ganze Corps zusammenrücken. Ich will die Rollen verteilen.
Der Abend kam und die Bande versammelte sich in dem bestimmten Tale. – Rinaldo trat in dem Schmukke seiner Hauptmannswürde unter sie und hiess sie einen Kreis um ihn schliessen. Dann sprach er:
"Kameraden, euer Proviant geht, wie ich höre, auf die Neige, und es ist billig, dass wir Anstalten treffen, frische Lebensmittel zu erhalten. Bis dies nun mit Klugheit geschehen kann, verteile ich hier zweihundert Stück Zechinen von meinem Eigentum unter euch."
"Es lebe unser grossmütiger Hauptmann!" – jauchzten alle, dass die Berge widerhallten.
Er aber, nachdem er den Hut gezogen und sich wieder bedeckt hatte, sprach weiter:
"Für dieses Geld sucht einstweilen in den benachbarten Orten Proviant einzukaufen. Einige von euch, die der Gegend kundig sind, mögen sich in Eremitenkleidern diesem Geschäfte unterziehen. Sie haben sich deshalb mit Altaverde zu besprechen, der das Ganze ordnen wird. – Binnen fünf bis sechs Tagen werde ich wieder mit euch sprechen und hoffe euch dann zu einem grossen Unternehmen anführen zu können. – Cintio mag sich indessen mit zwölf Mann in die Grenzwaldung, nach der Heerstrasse zu, begeben, und kommen Weinladungen, Früchte oder Öl vorüber, so weiss er, was er zu tun hat. Ich gebe ihm hiermit Geld, den armen Fuhrleuten zu bezahlen, was er ihnen abnimmt, und sie unter hohen Drohungen zur Verschwiegenheit zu ermahnen. Wagen und Maultiere mögen den Leuten gelassen werden. kommt aber ein reicher Müssiggänger, ein Prälat, oder so etwas von dieser Art, euch in den Wurf, so nehmt ihm ab, was er von Gelde und Geldeswerte bei sich hat. Gegen arme Wanderer und Klausner aber empfehle ich euch nochmals Schonung. Jede Plünderung dieser Art bestrafe ich mit dem Leben, wie ihr wisst. – Nun begebt euch zurück auf eure Plätze und schlaft wohl."
Er ging und ein lautes Freudengeschrei tönte ihm nach. Als er in sein Gezelt zurückkam, fand er Rosalie ängstlich und erschrocken im Winkel sitzen. ER Was ist dir? SIE Ach! – Ich zittere am ganzen leib. ER Was gibt es? SIE Eine weisse Gestalt ist hier zweimal vorübergeschlüpft. Sie sah das zweitemal in das Gezelt herein, erhob die Hand und drohte mit dem Finger. – Ich danke Gott, dass du wieder da bist! Ohne ein Wort zu sprechen, gab Rinaldo das Signal, und es kamen bald einige von seinen Leuten herbei, unter denen auch Cintio war. Rinaldo erzählte, was Rosalie gesehen hatte, und befahl sogleich, Wachen um den Berg herum zu stellen; auch schickte er Sebastiano an Altaverde ab, dem er Vorsicht empfehlen und das Geschehene melden liess.
Alle gingen an ihre Posten und Rinaldo streckte sich auf sein Feldbett, nachdem er noch eine zweite Lampe hatte anzünden lassen.
Eben wollte er sprechen, als die weisse Gestalt in das Gezelt trat. – Rosalie schrie laut auf:
"Jesus Maria! da ist sie."
Rinaldo richtete sich auf und fragte:
"Wer bist du?"
Er wiederholte diese Frage, und als er keine Antwort erhielt, ergriff er seine Pistole, schlug an und sagte:
"Wenn du ein Geist bis, so erwarte diese Kugel."
Die Figur drohte mit dem Finger. Rinaldo drückte ab. Sein gutes Gewehr versagte. Als er den Hahn wieder aufzog, verschwand die Gestalt am Eingange des Gezelts. Er sprang auf und eilte hinaus. Nichts war zu sehen und zu hören. Gleich darauf fiel im Tale ein Schuss, dann ein zweiter und endlich ein dritter.
drei seiner Leute hatten Feuer nach einer weissen Gestalt gegeben.
Auf diese Schüsse kam alles in Alarm. Die Hörner ertönten, die Pfeifchen erklangen, und schnell war das Corps beisammen.
Man erzählte sich, was geschehen sei, und ging, als weiter nichts erfolgte, mit verschiedenen Gedanken auseinander. Rinaldo trank einen Becher Wein, als er in sein Gezelt zurückkam, und Rosalie musste eben das tun. Dann legten sich beide nieder. Rosalie entschlief bald. Rinaldo aber sprach mit sich selbst:
"Die geschichte erzählt uns Beispiele, dass dergleichen Erscheinungen berühmten Männern den Untergang weissagten. – Brutus' Gespenst sprach. Diese Erscheinung aber nicht. Sie drohte mit dem Finger. – Mir? – Sie hat ja aber auch Rosalien gedroht, als sie allein im Gezelte war. – Ihr zuerst. Mir später. – Einbildung war es nicht