gute Seele bereitwillig gefunden, sich mit uns nach den Kanarischen Inseln einzuschiffen. – Morgen führe ich deine Mutter aufs Schloss. Violanten habe ich alles vertraut. Morgen wirst du sie sprechen. – Jetzt lass uns zu deiner Mutter gehen. Noch darf sie von allem, was vorgeht, nichts erfahren. Alles bleibt unter uns. Nicanor führte den folgenden Tag seine Gattin auf Dianorens Schloss. – Vor der brücke erschien Violanta. Freudig eilte Rinaldo auf sie zu, ergriff ihre Hand und drückte sie an sein Herz.
ER Freundin! – Hier sehen wir uns wieder! In diesem schloss fand ich Euch einst, gab Euch der Welt zurück und einer Freundin, die Eure Freundschaft erprobt und bewährt gefunden hat.
SIE O! Mann des Unglücks! wie rühren mich deine Leiden! Du durftest dich nicht Vater nennen und empfingst Almosen von deinem Sohne. Die stimme der natur sprach laut; er trat zwischen mich und dich und nahm sich deiner mit kindlicher Wärme an. Er wusste nicht, wer es war, den er verteidigte. Sein Gefühl sprach für einen Unglücklichen, und dieser – war sein Vater!
ER Er hat ein gutes Herz! – Ach! hätte er nichts als dies, wie zu beneiden wär' er. – O! denket Euch, wie ich gerührt war. – Bald wird er mich Vater nennen dürfen, und seine Mutter werde ich wieder an dieses klopfende Herz drücken.
Etliche Jäger gingen über die Berge. – Violanta trat ins Schloss.
Rinaldo folgte ihr.
Sprechend standen sie im Schlosshofe, als Lionardo, der am Fenster stand, seiner Mutter zurief: "Dort steht der arme Mann und spricht mit der Tante."
Dianora trat ans Fenster, ehe es Nicanor verhindern konnte. Sie sah hinaus, schrie laut auf: "Er ist's!" und sank in Isottens arme. Nicanor rief Violanten. Rinaldo ging ihr nach. Lionardo jammerte:
"Die Mutter ist erschrocken!"
Sich seiner selbst unbewusst, trat Rinaldo ins Zimmer, als eben Dianora wieder zu sich kam. – Nicanor winkte allen zu, das Zimmer zu verlassen. Er selbst folgte und liess die Zugbrücke aufziehen. Rinaldo und Dianora waren allein im Zimmer. – Er lag vor ihr. Sie sah zärtlich auf ihn herab. Heftig klopfte ihr Herz. Endlich sprach sie: "So sehen wir uns dennoch wieder!" Schnell und unruhig trat Violanta ein, indem sie sagte: "Man sieht Soldaten im Tale. Sie beobachten, wie es scheint, das Schloss."
Rinaldo sprang auf und rief: "Nun! da ich glücklich bin, fehlt Euerm Glücke nichts als mein Tod."
"Was sprichst du?" – fragte Dianora bestürzt.
Nicanor kam. Er fragte ihn:
"Hast du dich einem Menschen, ausser uns, entdeckt?"
Rinaldo erzählte, was ihm gestern mit einem Unbekannten begegnete.
NICANOR Und du ahntest nichts? – Der Kerl hat dich gekannt, war vielleicht einst einer deiner Leute, und der Schatz, von dem er sprach, bist du. Dich will er heben.
RINALDO Er hat sich verrechnet. – Ich fühle, dass mein Dasein Euch stets zum Unglück gereichen wird, und weiss zu sterben.
DIANORA Unglücklicher!
NICANOR Nicht zu rasch! Ein Augenblick darf nichts entscheiden.
Er verliess das Zimmer. Ihm folgte Violanta. – Dianora lag in Rinaldos Armen. Stumm und dennoch sprechend blieb die Szene. Die Soldaten standen vor dem schloss. Ein Kapuziner und der Kerl (als Verräter), der den Schatz heben wollte, waren bei ihnen. Der Offizier verlangte eingelassen zu werden. – Man fragte, was er suche? – Er antwortete, er habe Order, das Schloss zu durchsuchen, und werde seine Befehle vorzeigen.
Nicanor trat auf die Warte und liess sich mit dem Offizier in eine Unterredung ein.
"Wir wissen", – sagte dieser endlich, – "dass Rinaldini sich in dieses Schloss geflüchtet hat. Ihn suchen wk. Bei uns sind Leute, die ihn kennen."
"Mein Sohn!" – sagte Nicanor, indem er ins Zimmer trat, – "du bist verraten. Ich weiss jetzt nicht, was zu tun ist. Sammle dich und überlege."
Dianora sank auf ein Sofa. Violanta und Isotta eilten herbei.
Nicanor und Rinaldo gingen in den Saal.
"Was willst du tun?" – fragte Nicanor.
"Ich will sterben!" – war Rinaldos Antwort.
"Der Tod bleibt dir noch, wenn alles verloren ist."
Violanta stürzte herbei. Schlüssel klirrten an ihrer Seite, zwei brennende Wachskerzen trug sie in den Händen. Rinaldo erblickte sie kaum so, als er ausrief:
"Wie konnte ich auch etwas vergessen, das Violanta nicht vergass! – Vater! öffne das Schloss. Die Soldaten finden mich nicht."
"Fort! fort!" – schrie Violanta.
Rinaldo nahm ihr die Schlüssel ab. Der Alte fragte:
"Wir lassen also die Zugbrücke fallen?"
"Sie falle!" – sagte Rinaldo. – "Mich finden sie nicht."
Violanta reichte ihm ein Päckchen mit Proviant und kurzem Gewehr, gab ihm Feuerzeug, Kerzen und eine Brechstange, begleitete ihn bis an die Treppe und ging dann dem Alten nach. Die Leser kennen die unterirdischen Gänge dieses Schlosses, in denen einst Rinaldo Violanten fand. – Hier befand er sich wieder. Die Tür des Eingangs hatte er