mit bebenden Lippen. – Der Knabe kam zurück, brachte ihm ein Stück Brot und Geld, und sagte freundlich: "Da, nimm! – Weine nicht mehr. Gott wird dir helfen. Er verlässt keinen Menschen."
"O! guter, lieber Knabe!" – stammelte Rinaldo. – "Ich danke dir! – Ach! du weisst nicht, wem du diese Gabe gibst! – Ich danke dir!"
KNABE Du bist ein armer Mann –
RINALDO Jawohl! ein armer Mann bin ich! Doch dieser Augenblick macht mich sehr reich.
KNABE Es ist nur wenig Geld, was ich dir geben kann; es ist das letzte aus meiner Sparbüchse. Morgen bekomme ich erst wieder Geld, und wenn du morgen wiederkommen willst, sollst du mehr bekommen.
RINALDO Gutes Kind! Dies ist schon allzuviel für mich, um mich glücklich zu machen.
KNABE Wo kommst du her?
RINALDO Weit übers Meer.
KNABE Was suchst du hier?
RINALDO Einen Sohn.
KNABE Ist er noch klein?
RINALDO So gross und alt wie du.
KNABE Der muss sich weit verlaufen haben! Ich bleibe fein vor unserm schloss und gehe nicht weg von hier.
RINALDO Aber doch zuweilen mit der Mutter?
"Lionardo!" – rief eine weibliche stimme.
"Die Tante ruft!" – sagte der Knabe und sprang über die brücke ins Schloss zurück.
Wie verfolgt, eilte Rinaldo hinab ins Tal, über die Berge, in seine wohnung zurück.
Isotta schlummerte. Nicanor trat ihm fragend entgegen:
"Was hast du?"
"Ach Vater!"
"Was ist dir? – Du zitterst? –"
"Vater! Was ich gesehen habe –"
"Was?"
"Vater! Ich habe meinen Sohn gesehen."
"Deinen Sohn?"
"Dieses Brot, dieses Geld reichte er mir, hielt mich für einen Bettler und wusste nicht, wie reich ich war in diesem Augenblick."
"Du sahst den Sohn allein?"
"Allein. – Gott sah sein Herz. O! wohltätiger, guter Knabe!"
"Gingst du ins Schloss?"
"Nein. – Ich sprach den Knaben vor der Zugbrükke. – O Vater! mein Herz! – Ich sah den Sohn!"
"Werde ruhig!"
"Wie kann ich dieses Herz beruhigen? Es klopft nach meinem kind."
"Fasse dich!"
"Ist das möglich?"
"Übereile dich nicht!"
"Kann Vaterliebe sich übereilen?"
"In deiner Lage, ja! – Entdecke dich dem Knaben nicht, du könntest ihn verlieren, du könntest deine schönsten Hoffnungen vernichten."
"O mein Lionardo! Dich soll ich nicht an meinen Busen drücken?"
"Nur nicht zu rasch! – Der Knabe ist nicht dein allein."
"Ich bin Vater."
"Ist dies des Knaben Glück?"
"Das meinige."
"So störe das seinige nicht. – Fasse dich, werde ruhig, und dann wollen wir zusammen von den Massregeln sprechen, die du zu nehmen hast. – Jetzt keine Übereilung! – Dir ist es nicht vergönnt, hier rasch einherzutreten. Dein Schritt sei sicher und nicht übereilt. Hier ist ein rasches Spiel verloren. Gehst du langsam, so ist vielleicht noch alles zu gewinnen. – Noch einmal, Sohn! überlege, und übereile dich nicht." Rinaldo konnte kaum den Morgen erwarten. Er eilte nach dem schloss.
Der liebe Lionardo sass spielend mit seinem Windspiel vor der brücke. – Rinaldo nahte sich ihm kaum, als er aufsprang, zu ihm trat und ihm Geld gab.
"Da hast du mehr, als ich dir gestern geben konnte", – sagte er. Rinaldo dankte, sah auf die Erde und sagte: "Du spielst mit schönen, bunten, glänzenden Steinen!"
"Willst du sie haben?" – fragte der Knabe schnell.
"Ach nein!" – antwortete Rinaldo, – "aber ich mag solche Steinchen gern sehen."
Indem er das sagte und unter den Steinchen wühlte, schob er einen, der ehemaligen Besitzerin wohlbekannten Ring unter dieselben; ein Saphir, umgeben mit Diamanten; drüber auf Golde, zwischen einem doppelten Triangel, die Devise: Nuestro Amor Es Immortal, welche auch der Siegelring des Alten von Fronteja hatte; in der Mitte das Zeichen des Schweigens, die Rose. – Hierauf unterhielt er sich mit ihm, bis der Knabe, des Fragens und Antwortens müde, wieder nach seinen Steinchen griff. Er fand den Ring, sah ihn verwunderungsvoll an und fragte:
"Was ist das? – Das ist ja ein Ring!"
"Den musst du deiner Tante bringen", – sagte Rinaldo. – "Die wird sich sehr darüber freuen."
"Das ist auch wahr!" – rief der Knabe aus und eilte ins Schloss. Rinaldo zog ein Pulver aus der tasche und machte sich dadurch noch unkenntlicher, als er schon war. – Lionardo kam mit der Tante zurück. Er zeigte auf den Unbekannten, der vor der brücke lag, und sagte:
"Der Mann war dabei! – Der Ring lag unter meinen Steinchen."
"Guter Freund!" – rief die Dame, – "kommt doch näher!"
Rinaldo blickte auf. Es war Violanta, die mit dem Knaben kam. Gelassen sagte er:
"Ich habe es gesehen. Der Kleine hat den