sonst willkommen hiess. Wie hat mein Herz sich nach dir gesehnt! Deinetwegen habe ich viele Tränen vergossen, die aber alle nun vertrocknen, da ich dich wieder in meine arme schliessen kann. – Wir sehen uns wieder!"
"O! dass wir uns glücklich nennen könnten!" – seufzte Rinaldo.
"Sind wir es nicht?"
"Ach! wer weiss, welch ein neues Unglück uns beweist, dass wir es nicht sind!"
"Was man nicht wünscht, muss man nicht denken. Ich lebe etwas länger schon als du und weiss, was der Mensch zu tun hat, um ruhig zu leben. – Du siehst mich hier als Landmann; was mich umgibt, ist ländlich. Hier denke ich, oder wenigstens doch in diesem Zustande, wenn auch anderswo, zu sterben, ob ich gleich seit meiner Geburt mehr auf seidenen Polstern als auf dem einfachen Lager eines Landsmanns lag."
"Bist du ein Prinz, wie man sagt?"
"Höre meine geschichte, und erfahre, wer ich bin; erfahre, was du jetzt erfahren kannst, und nimm mein Wort, dass du die reinste Wahrheit hörst. Ich will dir nichts verhehlen; du sollst alles wissen. – Höre!"
geschichte des Alten von Fronteja
"Gegen seines Vaters Wissen und Willen trieb den Prinz Anselmo Sansovini sein Mut in den Krieg. Ungestüm klopfte sein Herz den Waffentaten entgegen. Er diente und focht, ein Edelmann, ohne sich zu erkennen zu geben, als Volontair gegen die Türken. In einer heissen Schlacht ward er verwundet und gefangengenommen. – Zufällig sah ihn der Seraskier. Seine Bildung gefiel ihm; er nahm sich seiner an, liess ihn kurieren und schickte ihn dem Grosswesir zu. – Dieser fand ebensoviel Vergnügen an seinem Gefangenen als der Seraskier, unterhielt sich oft mit ihm, bewunderte seine Kenntnisse, seinen Verstand und wurde ganz zu seinem Vorteile von ihm eingenommen."
"Der Grossherr kam eben damals selbst zur Armee. Der Wesir stellte seinen Gefangenen seinem Souverän vor. Auch dieser schenkte demselben seine Gnade und nahm ihn, als er die Armee verliess, mit nach Konstantinopel."
"Ich vermeide alle Weitläufigkeiten und sage daher nur ganz kurz, dass Anselmo der Liebling des Grossherrn und endlich sogar sein Vertrauter wurde."
"In Adrianopel erhielt er gelegenheit, eine von den Schwestern des Sultans genauer kennenzulernen, als es hätte sein sollen. Dieser verbotene Umgang drohte bald mit einem lauten Zeugen und erhöhte die Verlegenheit der Liebenden auf den höchsten Grad. Sie wagten endlich einen kühnen Schritt, den besten, den sie, wie sie meinten, wagen konnten und mussten. – Anselmo und Fardina warfen sich dem Sultan zu Füssen. Sie machten ihn selbst zum Vertrauten ihres Glücks und ihres Unglücks."
"Der Grossherr wollte sich anfangs den Ausbrüchen des höchsten Zorns überlassen und fuhr schon nach dem Säbel, sie beide selbst zu bestrafen, als Fardina mit den Worten des Korans ihm zurief: 'Gott ist barmherzig, und die Menschen sind sein Ebenbild!' – Der Grossherr hörte die Worte des Propheten, fasste sich, zog die Hand von dem Säbel und kündigte ihnen ihr Urteil an."
"Anselmo, der seinen Stand entdeckt hatte, ward einem venetianischen Schiffe übergeben. Er ging nach Malta, wo er das Kreuz annahm."
"Fardina ward nach Syrien verwiesen. – Zu Damaskus gebar sie einen Sohn, den der Bassia einem griechischen Priester übergab, der ihn erziehen liess, und als er acht Jahre alt war, ihn nach Griechenland schickte. Hier ward der Knabe einem weisen mann übergeben, der die Weisheit der alten und neuen Zeit in sich vereinigte und der seinen Zögling so gelehrig fand, als er es sich nur wünschen konnte."
"Siebzehn Jahre alt war der Knabe, als er mit seinem Lehrer auf Reisen ging. Beide durchreisten ganz Griechenland, gingen nach Ägypten, durchstreiften die Sandwüsten, besuchten die Oasis des Ammonstempels, bewunderten die Pracht der Pyramiden und studierten unter Tebens Ruinen die Überbleibsel der Mysterien der Ceres und Proserpina."
"Dieser Knabe, den du jetzt auf Reisen siehst, ist der Mann, der mit dir spricht. Ich bin es. – Ich bin Nicanor, der Sohn der Sultanin Fardina."
Hier entstand eine kurze Pause, nach welcher der Alte in seiner Erzählung fortfuhr:
"Zwanzig Jahre war ich alt, als mich mein Lehrer nach Damaskus führte und mich dem Bassa übergab. Dieser erklärte mir das Geheimnis meiner Geburt und brachte mich zu meiner Mutter." Rinaldo seufzte tief auf. Der Alte sah ihn fragend an. Aber erzählte endlich weiter:
"Wie zärtlich empfing mich diese gute Mutter! – Ach! ich fand sie krank." –
"Krank?" – rief Rinaldo aus.
Der Alte sah vor sich nieder und sprach mit gebrochener stimme weiter:
"Sie starb in meinen Armen. – Ich küsste ihre brechenden Augen und begleitete die Entseelte zu ihrem kostbaren Mausoleum, bei der Moschee der Sultane. – Sie hinterliess mir ihre Schätze."
Er verhüllte sein Gesicht, und als er es wieder entüllte, glänzten Tränen in seinen Augen. – Rinaldos Augen waren nass; er blickte tief gerührt zur Erde. – Endlich fasste der Alte sich wieder und sprach weiter:
"Ich verliess Syrien, durchzog Indien und Persien, studierte die Teologie der Brahminen und die Lehrsätze des Zenda Vesta der Parsen. Selbst China habe ich durchzogen. Ich kannte nun die emblematische