Schiff flog aus dem Hafen ins Meer. Das Kastell lag in der Ferne; die Türme wurden kleiner; das Land verschwand.
Einer Wolke gleich lag die Insel den Schiffenden im rücken. Rund umfangen mit der unermesslichen Fläche des Meers, umgeben mit dem ausgedehnten Gewölbe des himmels schwebte lustig dahin das Schiff über die glatten Wellen; ein frischer Süd-Ostwind blies in die runden Segel. Schnell durchschnitt der Kiel die braunen Fluten.
Rinaldo ergriff die Guitarre. Jetzt erwachte sie wieder in ihm, die Liebe zum Gesang, er fühlte sich begeistert; er spielte und sang:
Wie ein Schiff durch Meeres-Wellen,
Schwebt das Leben durch die Zeit.
Dieses Schiffes Segel schwellen
Wünsche sitzen an dem Steuer,
Hoffnung hält den Anker fest.
Der ersehnten Liebe Feuer
Wird dem Schifflein sanfter West.
Doch des Unglücks Stürme brechen
Bald herein von Ost und Nord,
Wellen drohen zu zerbrechen
Des bedrohten Schiffes Bord.
Endlich lächelt doch der Hafen
Und das längst ersehnte Land.
Wenn sich Wunsch und Hoffnung trafen
Gab der Zufall oft die Hand.
Stille sehnsucht blickt zum Strande,
Und die Freude schwebt zum Port;
Beide finden nun am land
Den gewünschten Freuden-Ort.
Ha! die klaren Zwillings-Sterne
Lächeln an dem Äter mir.
Fremdes Land! in schöner Ferne,
Such ich meinen Port in dir!
"In der Tat" – sagte der Kapitän, – "das Liedchen hat mir gefallen, und der Herr Passagier singt recht gut! Mein God save te King! schnurre ich wohl auch mit weg, aber so künstlich brächte ich keinen Gesang heraus. – Wir müssen eine Bouteille Zypernwein miteinander ausstechen!"
Das geschah, und der Kapitain erzählte seine SeeAbenteuer. – Im Schiffe war die ganze Mannschaft munter und vergnügt. Diese Freude dauerte aber nur einige Tage. Ganz unerwartet brach eines Tages gegen Abend wütend der Sturm los und schleuderte das Schiff von seinem Laufe weit ab. – Es flog zwischen den Liparischen Inseln durch, nahe an Palmaria vorbei. Umsonst versuchte man einzulaufen. drei Tage schwebte das Schiff im Sturme umher. Endlich gelang es, aber nur mit grosser Anstrengung, bei Capo di Calaro auf Sizilien die Anker auszuwerfen, das Schiff festzumachen. Isotta war seekrank. Sie musste ans Land gebracht werden. Bekümmert folgte ihr Rinaldo nach Sinagra, in eine ihm bekannte Gegend.
"So bin ich denn wieder, wo ich war!" – rief er aus. – "Hierher soll ich die Mutter führen, wo mein Fuss so oft schon wandelte, und ach! in welcher Gestalt! – Wieder in Sizilien! Wieder in Gegenden, die mich einst als Räuber sahen! – Und hier sollte ich unerkannt bleiben können? – – Die Mutter kann ich nicht verlassen! Es komme über mich, was beschlossen ist!"
Er konnte nicht zu Schiffe gehen. Der Kapitän musste nach zwei Tag ohne ihn wieder in die See stechen.
Isotta wurde kränker. Sinagra lag zu nahe an der Küste; die Kranke musste tiefer ins Land gebracht werden.
"Ach!" – seufzte Rinaldo. – "Dieses sind die mir so wohlbekannten Berge von Remata."
Er mietete sich in einem kleinen Landhause ein und nahm eine Wärterin für seine kranke Mutter an.
Täglich schweifte er umher und konnte es sich nicht verwehren, auf bekannten Plätzen zu verweilen. – Zitternd bestieg er die bekannten Berge und blickte nach dem schloss, aus welchem sein Bekenntnis einst ihn trieb, als Dianora glücklich sich an seiner Seite wähnte.
"Dort liegt das Schloss!" – seufzte er. – "Ich erblikke die bekannten Mauern, die brücke, den Turm – und, ach! sehe mich dem allen gegenüber in Angst, Verlegenheit und Besorgnis!"
Langsam ging er weiter und nahte sich schon dem Berge, auf dessen Scheitel das Schloss sich erhob. Die goldenen Fähnchen auf den Türmen blitzten ihm entgegen. – Am fuss des berges warf er unter einem Baume sich nieder und wagte es nicht, weiterzugehen. In tiefe Betrachtungen verloren, schlummerte er endlich ein. Ängstliche Träume quälten ihn. Er sah Dianoren, sah seinen Sohn, und dieser zückte gegen ihn den Dolch. Er schrie:
"Halt ein! Ich bin dein Vater. Lass mich leben! Für meine Mutter lass mich leben!"
Er erwachte, trocknete den Schweiss sich von der Stirn, erhob seine Augen – sprang erschrocken auf und schrie:
"Was ist das? – Heiliger Gott! – Dich, – dich sehe ich hier?"
Vor ihm stand der Alte von Fronteja in ländlicher Landestracht. Er nahte sich ihm.
"Ich kenne diese stimme!"
"O ja! Du kennst auch mich, wie ich dich kenne!"
"Jetzt weiss ich, wer du bist."
"Ich weiss es, leider! auch."
"Sehr unkenntlich hast du dich gemacht. Nur ich konnte dich erkennen."
"Und du bist in Sizilien?"
"So frage ich dich."
"Sturm und Unglück trieben mich hierher."
"Ich hoffe – in den Hafen. Wenigstens in Freundes arme führe dich das ewig über uns waltende Geschick. – Kaum zwanzig Schritte weit von hier liegt meine kleine wohnung. Dortin folge mir." "Mein Sohn!" – begann der Alte, als sie in seiner wohnung angekommen waren. – "In diesem kleinen haus heisse ich auch jetzt dich willkommen! ebenso herzlich, als ich in Palästen dich