bei den Sprechenden; der Baron wurde nachdenkend.
"Herr Marquis", – sagte Rinaido, – "Ihr kennt mich; Ihr wisst, wer ich bin. Hier kennt man mich als den Retter des Fräuleins und nennt mich Ritter Ostiala. Es steht bei Euch, meinen wahren Namen zu entdecken; ich kann nichts dagegen haben, da ich dies selbst bei meiner Abreise tun wollte. Was ich für den Baron tat, berechtigt mich, Anspruch auf seine Dankbarkeit zu machen. Ihr habt gegen mich keine Verbindlichkeit. Aber ich bitte Euch, bringt uns alle nicht in Verlegenheit! Meine Leute sind in der Nähe, und die Not könnte uns etwas erlauben, was wir und ihr alle bereuen würden."
"Ich habe Pflichten gegen den Staat", – erwiderte der Marquis, – "die ich erfüllen muss, will ich nicht selbst schuldig erscheinen. Das Wenigste, was ich tun kann, ist, – dem Baron zu sagen, wer sein Gast ist."
"Ihr wollt ihn also in Verlegenheit setzen?"
"Kennt Ihr die Befehle der Regierung?"
"Sie werden Euch gebieten, mich ihr zu überliefern?"
"So ist es."
"Wie könnt Ihr das?"
"Wie?"
"Wagt Ihr nicht Euer Leben? – Ich kann mit Euch nicht scherzen, wenn Ihr es ernstlich meint. Ihr fallt zuerst."
"Was wagt Ihr, mir zu sagen?" – schrie der Marquis laut und griff an den Degen.
"Mich treibt die Not!"
Der Baron trat herzu.
"Ich will nicht hoffen", – sagte er, – "dass zwischen Euch ein Missverständnis –"
MARQUIS Kein Missverständnis! Wir kennen uns, und mir gebietet die Pflicht –
RINALDO Was sie jetzt, da die Sache so weit gekommen ist, mir selbst gebietet, Euch meinen wahren Namen zu nennen.
BARON Ihr habt uns hintergangen?
ERMINIA Ihr seid der Ritter Ostiala nicht?
RINALDO Der bin ich nicht.
BARON Ihr gabt Euch einen falschen Namen?
MARQUIS Es ist der erste nicht. Der letzte aber kann es sein. – Baron! Ich bin verbunden, diesen Mann –
RINALDO Nun bedarf es weiter keiner Umschweife. – Ich bin Rinaldini.
Das fräulein sank auf ein Sofa; laut auf schrie die Baronin. Der Baron trat betroffen zurück, indem er sagte:
"Marquis! Ihr habt uns allen keinen Gefallen getan."
MARQUIS Ihr kennt, wie ich, die Befehle der Regierung. Ich kenne sie auch und weiss, was ich zu tun habe.
RINALDO Tut, was Ihr tun müsst.
BARON Marquis! – In welche Verlegenheit stürzt Ihr uns alle! Meine Dankbarkeit kämpft mit der Pflicht, den Retter meiner Tochter der Obrigkeit zu überliefern.
RINALDO Herr Baron! Ich kann nur mit Gewalt Euch Eurer Verlegenheit entreissen. – Ich öffne dieses Fenster. Ein Schuss, und meine Leute dringen ins Schloss. Mein Leben verkaufe ich teuer. Der Marquis fällt, wenn man sich mir feindlich naht. Furcht kenne ich nicht, und jetzt heisst die Not mich morden.
BARONIN Mein Gott! lässt sich kein Ausweg treffen?
RINALDO Nur einen Ausweg wüsste ich.
BARONIN O! nennt ihn, gebt ihn an!
RINALDO Lasst von meinen Leuten mich hier abholen. Ihr weicht dann der Gewalt und habt keine Verantwortung zu fürchten.
MARQÜIS Ihr schwört, dass Eure Leute sich keine Gewalttätigkeiten erlauben.
RINALDO Das kann ich nicht, selbst um Euretwillen nicht. Gewalt muss mich befreien, sonst könnte man das Ganze für Spiegelfechterei erklären. Der Marquis lässt sein Leben, und um das meinige wird gekämpft. – So weit habt Ihr es selbst getrieben, Herr Marquis! Ich habe keine Schuld.
Er spannte, als er dies sagte, ein gezogenes Terzerol und riss das Fenster auf.
"Haltet ein!" – schrie Erminia.
BARON Keine Übereilung!
RINALDO Ich werde, was ich tun muss, ewig bereuen. Aber, zwingt man mich nicht, es zu tun?
BARON Marquis! – Nur Ihr könnt uns alle retten.
MARQÜIS Wie könnte ich das? BARON Unter uns bleibt alles. Ihr gebt Euer Ehrenwort, von diesem unglückseligen Vorfalle nie zu sprechen. – Wer könnte uns verraten? Der Marquis wollte sprechen, als der Kammerdiener der Baronin eintrat und meldete, der Gärtner habe zwei verdächtige Vermummte um die Gartenmauer schleichen sehen. Dieser glückliche Zufall machte dem Gedrängten Luft. – Der Baron stammelte: "Der Gärtner soll die Vermummten genau beobachten!" Der Kammerdiener ging. Rinaldo redete: "Meine Leute haben den Marquis gesehen, sie ahnen, was mir bevorsteht. Ihr seht, sie sind wachsam. Zum Unglück kommandiert sie Jordano, der unbändigste meiner Gesellen, der mir schon oft grossen Kummer durch seine Wildheit verursacht hat." BARONIN Er wird doch nichts ohne Order unternehmen? RINALDO Ich hoffe und wünsche es nicht. Wie kann ich's aber ändern, wenn es geschieht? BARONIN Gebietet ihm, sich zu entfernen. RINALDO Ich kann, ich darf das nicht. BARONIN Marquis! – Ich fordere von Euch – MARQÜIS Wenn ich – BARONIN Ihr könnt uns retten. ERMINIA Gebt Euer Wort!
Der Jäger trat ein. Man sehe, sagte er, Bewaffnete im Wäldchen hinter dem Garten.
"Beobachtet sie!" – sagte der Baron ängstlich.
Der Jäger ging. Rinaldo sah den Marquis fragend an. Dieser erklärte sich, sein Wort zu geben,