Einige Tage blieb es ruhig.
Liana fiel dem Hauptmann wieder ein. Er ging aus, sie zu sprechen, und fand sie wirklich da, wo er das erstemal sie gefunden hatte. Sie lächelte ihm entgegen:
"Da sehen wir uns ja doch wieder!"
Im Grünen sassen sie. – Liana sprach von dem Markt und erzählte ihm, wie sie sich divertiert habe. Darauf bemerkte sie: "Ich sah Euch wohl mit einem schönen fräulein fleissig sprechen. Die hat sicher etwas mehr als ich von Euch bekommen!"
"Auch nicht einmal, wie du, ein seidenes Tuch!"
"Das macht Ihr mir nicht weis! – Ich denke immer –"
"Was denkst du?"
"Sie wird es, denke ich, mit Euch wie ich mit meinem Lorenzo machen."
"Wie?"
"Zu meinem mann mache ich ihn."
"Und wozu machst du mich?"
"Euch mache ich, wenn Ihr noch dann in der Gegend seid, zu einem Hochzeitsgast."
Sie stieg auf, nahm ihren Korb und wollte gehen. Eine Frage schwebte ihr auf den Lippen, die sie aber sichtbar unterdrückte. Endlich sagte sie:
"Übers Jahr um diese Zeit wollen wir sehen, wie es mit uns aussieht!"
Rinaldo seufzte. – Liana lächelte:
"Wohin wohl dieser Seufzer flog!"
"Dir nach."
"Ich nehme ihn mit und gebe Euch einen andern dafür."
Schnell ging sie fort, doch zweimal blieb sie auf dem Wege stehen und sah sich nach ihm um. Rinaldo streckte sich ins Gras. Seine Phantasie trug ihn zu der schönen Erminia. Lange verweilte er bei ihr. Unmutig begann er endlich:
"Was willst du tun? – Du willst sie wiedersehen? – Du willst sie täuschen? – Musst du das nicht? – Wirst du nie dich ändern? – Schämst du dich nicht? – Ende, ende!"
Er sprang auf. Langsam ging er seinem Aufentalte zu. – Fiametta, in männlicher Tracht, kam ihm entgegen.
"Man fragt nach dir und sucht dich allentalben", – sagte sie.
Jordano kam.
"Hauptmann!" begann er, – "Wir suchen dich! – Es kann viel geben."
"Wieso?"
"Ich habe es ausgekundschaftet. Als Bettler verkleidet schlich ich nach Oristagni, und dort erfuhr ich es. – Ein Schiff ist eingelaufen und hat drei Fässer mit Geld ausgeladen. Dies Geld wird morgen früh zu dem Stattalter nach Cagliari gebracht. – Nun frage ich dich in meinem und deiner Leute Namen: Soll der Stattalter diese Geldfässer bekommen oder nicht? – Was uns betrifft, so meinen wir alle, er soll sie nicht bekommen."
"Ihr wollt euch also die Hunde selbst an den Leib hetzen?"
"Über lang oder kurz spüren sie uns doch wieder einmal auf."
"So nehmt das Geld."
Jordano zog sogleich seine Gesellen zusammen. Gegen Abend rückten sie in die Weinberge vor Marmilla. – Der Tag brach an; sie zogen der Landstrasse zu. Alle Büsche und Gräben waren belegt. – Die Geldwagen kamen, begleitet von 20 Reitern. – Jordano brach hervor. Es kam zu einem hartnäckigen Gefecht. Zuletzt behaupteten die Räuber den Platz und führten die Geldwagen in die Gebirge.
Dieses Wagestück brachte ganz Oristagni und Cagliari in Bewegung. – Der Stattalter liess Soldaten ausrücken. Die Oristagner bewaffneten sich eilig.
Am dritten Tage waren die Berge von dreihundert Soldaten und fünfhundert Mann Miliz umsetzt. Diesen konnte Rinaldo kaum achtzig Mann entgegenstellen.
Die Soldaten drangen gegen die Pässe vor. Sie fanden einen Widerstand, den sie nicht zu finden geglaubt hatten; doch ihr Geschütz entschied, und die Pässe wurden forciert. Jetzt zogen alle Truppen sich in das Gebirg hinein. Rinaldinis Leute flohen in ihre Löcher.
Rinaldo sah, dass er sich nicht halten konnte. Er gab Fiametten Geld und Edelsteine. Er bat sie, sich zu retten. – In eine Pilgerkutte gehüllt floh sie. In Lode hoffte sie ein Schiff zu finden, und Malta war der Platz, den Rinaldo ihr bestimmte, ihn dort, käm' er in dem bevorstehenden Gefecht davon, zu erwarten. In einem kleinen Tale mitten im Gebirge zog Rinaldo sein Häuflein zusammen. Hier ward er angegriffen. drei Stunden dauerte das Gefecht; er musste weichen und floh mit zwanzig Mann auf seine Burg.
Hier verteilte er, was von Werte noch zu verteilen war, um sie mutig zu machen, für den Besitz ihrer Schätze zu streiten, und erklärte ihnen, dass er entschlossen sei, bis auf den letzten Atemzug sich zu verteidigen. – Alle schwuren ihm zu, mit ihm zu leben und zu sterben. – Wie war aber auf Menschen zu rechnen, die sich selbst keinen Glauben, keine Treue abgewinnen konnten?
Rinaldo mochte wohl selbst ebenso denken, denn er wurde sehr vorsichtig und beobachtete seine Gesellen genau.
Eines Abends schlich er dem verborgenen, unterirdischen Gange zu, der ein Geheimnis für seine Gesellen blieb, wo er seine Kostbarkeiten verborgen hatte, um sein getreues Ross zu füttern, das dort versteckt war. Als er zurückkam, hörte er bei einem Schuttaufen im Schlosshofe sprechen. Er kroch hinter eine Mauer. Da wurde er Zuhörer einer sonderbaren Unterredung zwischen einigen seiner sauberen Kameraden.
"Ich will euch alles" – sagte der eine derselben, der der Sprecher zu sein schien, – "ganz kurz