und auch schiessen.
RINALDO Winke ich dir, Sanardo, so müssen zehn Mann sich fertig halten, dahin zu gehen, wohin ich sie schicke.
SANARDO Diese zehn sollen die Pilger sein.
RINALDO Ordnet an und setzt alles in Bereitschaft, damit die Expedition gut abläuft. Jordano und Filippo mögen die Pässe besetzen und wachsam sein, damit wir wissen, wo Hilfe steht, und dass keine Bönhasen sich in unsere leeren Nester schleichen können.
Fussnoten
1 La Murra, eine Zeichensprache mit Händen und Fingern 2 Aufruf der Saiden für die armen Seelen im Fegefeuer.
Siebzehntes Buch
In den Kreis erwünschter Träume
Tritt die holde Wirklichkeit,
Führt durch blumenvolle Räume
Zu dem Port der Sicherheit.
Aus den benachbarten Städten, Flecken und Dörfern, von Schlössern und aus Hütten strömten Menschen herbei auf den Wiesenmarkt von Lienzo. Käufer, Verkäufer, pfaffen, Pilger, Edelleute, Damen, Bauern, Zigeuner und Beutelschneider wandelten, wie auf einem Karneval, in buntem Gewühle durcheinander und nebeneinander. Hier wurde gekauft, hier wurde gegessen und getrunken, dort tönte die sardische Pfeife, hier erklangen Ziter und Triangel, und tanzlustige Füsse stampften den Boden. Hier standen schöne Gezelte, und unter denselben webte die vornehme Welt; dort loderten Feuer, und dampfende Kessel standen darüber, gefüllt mit mancherlei speisen, leckerhaft und einladend für sardische Gaumen und Magen. Bretterne Baracken und grüne Hütten waren mit Zechenden besetzt. In der Kapelle der heiligen Claudia gab's Messen, geweihte Blumen und Absolutionen. Hier stand ein Wurmdoktor auf einer bretternen Bühne, verkaufte Kräuter, Salben und Öle, indes sein Lustigund die wunderbarsten Kuren seines Herrn auf Unkosten aller Könige in Europa erzählte. Dort hörte man Bänkelsänger schreckliche Balladen herkreischen. Nahe dabei bat sich ein lebendes Franziskaner-Geripp etwas zu Seelenmessen aus, die er für noch unerlöste Seelen zu lesen versprach. Kurz, das bunte Bild der belebten Welt schwebte auf dieser Wiese im kleinen.
Rinaldos Leute fanden sich zeitig ein und kaum waren sie angekommen, als schon mancher Marktgast seine Börse nicht mehr sah. Sanardo hinkte als Bettler an Krücken einher. Er bettelte selbst seinen Hauptmann an, der eben in ein Gezelt treten wollte, von dem er Geld erhielt, ohne dass er erkannt worden wär'. Das erfreute des Gauners Herz.
Rinaldo forderte Wein und kam mit einem jungen mann ins Gespräch, der Uniform trug und in der vornehmen anwesenden Welt bekannt war. Von diesem erfuhr er die Namen der Edelleute und ihrer Damen. Endlich ward ihm auch die Baronin Moniermi nebst ihrer Tochter gezeigt. – Diese waren es ja, die er kennenlernen wollte; und nun liess er sie nicht aus den Augen.
Er ging zwischen einer Reihe von Buden hin, als er das Bauernmädchen sah, mit der er Tages vorher gesprochen hatte. Er zupfte sie und fragte:
"Habe ich nicht Wort gehalten?"
Liana, so hiess das Mädchen, sah ihn an, musterte ihn vom Kopf bis auf die Füsse und sagte lächelnd:
"Habe ich es doch gleich gesagt, dass der Herr kein gemeiner Jäger ist!"
"Es gibt auch vornehme Jäger."
"O ja! – Warum nicht?"
"Ich bin da, Wort zu halten und dir etwas zu kaufen. Ist dein Schatz in der Nähe?"
"Nein! Der ist unter der Miliz, die den Platz bewacht und Ordnung hält. Nachmittag aber wird er abgelöst, dann wird er bei mir sein."
"Wähle dir etwas. Was willst du haben?"
"Diese seidenen Tücher gefallen mir."
"Das beste ist dein. Welches möchtest du haben?"
"Dieses."
Rinaldo kaufte das bezeichnete Tuch und gab es ihr. Liana nahm es, sah es an und sagte:
"Das Tuch ist recht schön! Aber – wie soll ich nun dazu gekommen sein?"
"Du wirst schon was zu erdenken wissen! Du bist ja ein Mädchen."
"Hinter der Kapelle bedanke ich mich."
Sie warf das Tuch über und ging davon. Rinaldo folgte ihr nach. Hinter der Kapelle stand Liana, ergriff seine Hand, küsste sie und sagte:
"Ich erfülle mein Versprechen und danke für das schöne Tuch."
"Rinaldo drückte lächelnd ihr die Hand, zog sie zu sich und küsste, indem sie sich wendete, ihr die Wange". – Ein Kapuziner trat herbei; er drohte mit dem Finger. Liana schrie:
"Da haben wir's!" und sprang davon.
Der Kapuziner kam näher und sagte:
"Ei, ei! So hinter dem rücken der Heiligen, der diese Kapelle geweiht ist! Das ist nicht gut! So etwas kann nicht erlaubt werden!"
"Es ist nun einmal geschehen!" – antwortete Rinaldo lächelnd.
"So gebe man wenigstens einen Sühnpfennig in den Almosenstock der Kapelle."
"Das soll geschehen."
"Und – tue dergleichen nicht wieder."
"Sie ist ja fort."
"Kann aber wiederkommen."
"Jetzt nicht."
"Nie wieder. – Mein Sohn! sei genügsam. Wiederholter Genuss erweckt endlich Reue und Ekel."
Er ging und Rinaldo trat in die Kapelle. Nach angehörter Messe bedachte er den Opferstock und sah sich hinter der Kapelle um, sah aber weder den Kapuziner noch, was ihm weit lieber gewesen wär', die schalkhafte Liana.
Er fand sie endlich bei der Bude des Marktschreiers. Leise nahte er sich ihr