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, und siehe da! – ich bin nun bei dir. RINALDO Wenn du anderswo nicht besser sein kannst, so ist es mir lieb, dass du bei mir bist! – Geht, Kameraden, macht euch lustig! Bald bin ich bei euch im Tale. "Du hast gehört", – sagte Rinaldo zu Fiametten, als die andern fort waren, – "was wir zu hoffen haben. Bleibst du bei mir, so fällt dein Los mit dem meinigen. Wie es auch fallen mag, glücklich fällt es gewiss nicht."

"Was habe ich zu hoffen?" – fragte Fiametta, warf die Pilgerkutte ab und setzte entschlossen hinzu: "Ich gehe nicht mehr von hier."

Rinaldo liess sie in seiner Burg zurück und ging ins Tal zu seinen Leuten. Die Rekruten legten ihren Eid ab, und das Korps exerzierte. – Darauf visitierte Rinaldo die Höhlen und befahl, einen Weg, der nach dem Tale führte, unzugänglich zu machen.

Einer von den ehemaligen Galeerensklaven präsentierte dem Hauptmann Proben seiner Kunst in Verfertigung falscher Pässe und Siegel, die ihn auf die Galeere gebracht hatten. Er hatte es darinnen so weit gebracht, dass seine Geschicklichkeit mit Vergnügen angesehen wurde. Rinaldo beschäftigte ihn sogleich mit Verfertigung einiger Pässe, die er ihm angab.

Es wurden Streifpartien ausgeschickt. Der Hauptmann schärfte allen Behutsamkeit und Schonung der Armen ein. – Seine Vorposten stellte er weiter vor gegen das flache Land zu. Den Hauptposten gegen Marmilla zu vertraute er Jordano an. Filippo stand unweit Baronia, und gegen Mani zu lag Sanardo. – Die Weinlese war ergiebig. Früchte wurden in grosser Menge eingebracht. Der Winter war durchlebt; schon schmolz der Schnee auf den Bergen, und Lenz und Lerchen kamen wieder. – Rinaldo gebot jetzt 160 Köpfen und dehnte sich in den Bergen bis gegen Capra aus. – Die Bewohner von Oristagni wurden verlegen, man plünderte vor ihren Mauern.

Sanardo war so kühn, der Stadt selbst eine Brandschatzung von 4000 Stück Dukaten anzufordern, und drohte, würde man diese Summe nicht binnen vierundzwanzig Stunden bezahlen, mit Brand. – Der Bischof schrieb um Hilfe; die Bürger bewaffneten sich. Sanardo wiederholte seine Forderung; man trat in Unterhandlung. Es wurden 2000 Stück Dukaten bewilligt, doch verlangte man darüber eine von Rinaldini unterzeichnete Quittung. Ganz lakonisch schrieb dieser der Stadt:

"Soll Rinaldini selbst quittieren, so zahlt ihr viel zu wenig. Nur Sanardo wird über 2000 Stück Dukaten quittieren."

Diese kecke Antwort brachte die Bewohner von Oristagni auf; sie ergriffen die Waffen, unterstützt von einigen Soldaten, und gingen auf Capra los. – Sanardo zog sich gegen Marmilla und vereinigte sich mit Jordano. Lodovico stiess zu ihnen. Hundert Mann standen gegen dreihundert Bürger und Soldaten. Der Bischof segnete im Tale vor der Stadt die Seinigen ein und gab ihnen eine geweihte Fahne. So versehen rückten sie an. Die Räuber hatten sich verschanzt und erwarteten einen Angriff. Rinaldo eilte ihnen zu, kam an und führte sie sogleich ins blache Feld. Man gab das Signal zum Angriff, Rinaldo blickte über sich und seufzte:

"Jetzt lass mich enden!"

Das Gefecht begann und wurde hitzig. Die Oristagner wichen. Ein Trupp Kavallerie sprengte herbei. Filippo wurde zurückgetrieben. Die Oristagner sammelten sich, rückten vor. Sanardos Leute wichen; umsonst bemühte er sich, sie zu sammeln; sie zerstreuten sich und flohen. Viele fielen.

Hartnäckig focht Rinaldo; überallhin bahnte seine Klinge sich den Weg. Wie Löwen kämpften neben ihm seine Leute. Viele fielen, viele wurden verwundet. Rinaldo wich nicht. – Ein Musketenschuss verwundete ihn: die Klinge entfiel der Hand; blutend lag er mitten unter den Feinden. Lodovico brach ein. Ihm folgten Sanardo, Filippo und andere Entschlossene, ihren Hauptmann zu retten. Mit Wut wurde um den Verwundeten gefochten. Sie wollten ihn retten oder sterben.

Das Gefecht war mörderisch. Hageldicht stürzten Streiche, ein Kugelregen umsauste die Kämpfenden. Jene wollten behaupten, was diese ihnen zu entreissen suchten.

Endlich wichen die Oristagner. Lodovico ergriff mit Jordanos Beistand den Blutenden und nun flohen alle tief in die Berge, in ihre Schlupfwinkel hinein, wohin die Oristagner sie nicht verfolgen mochten. – Vierzig Mann von Rinaldinis Leuten blieben auf dem Wahlplatz, einige wurden gefangen nach Oristagni geführt, viele waren verwundet. Aber auch die Oristagner beklagten sechzig Tote, und mit Wunden kehrten die meisten zurück.

Rinaldo wurde auf seine Burg gebracht, wo Fiametta den Verwundeten mit vieler Sorgfalt und Liebe wartete und pflegte. Er seufzte:

"Warum konnte ich meines Wunsches nicht froh werden! Warum blieb ich nicht auf dem Wahlplatz!"

"Um unsere Scharte uns wieder auswetzen zu helfen", – sagte Sanardo.

"Um noch länger unser Hauptmann zu bleiben", – setzte Filippo hinzu. Das Gefecht bei Oristagni machte, was man leicht denken kann, in Cagliari aufsehen. Zum Glück für die Geschlagenen, die jetzt ganz ruhig in ihren Winkeln sich verhielten, hatten sie es mit dem grosssprecherischsten Stamm aller Sardenstämme zu tun gehabt, sonst würde ihr Untergang entschieden gewesen sein. Denn als der Gouverneur ernstliche Anstalten gegen die Räuber traf, erhielt er von den Bürgern aus Oristagni die Nachricht:

"Wir haben die Räuber geschlagen. Es ist beinahe keiner dem scharftreffenden Schwerte entflohen, der da sagen könnte: Die Bewohner von Oristagni haben uns geschlagen. Wir melden es dir daher. Die Räuber sind vernichtet, und Rinaldini selbst ist in unserer