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"Über diesen Wünschen und Erwartungen starb die Gräfin, und ich war so verwegen, den aufzusuchen, der nicht kommen wollte. Dies ist gelungen."
"Und nun siehst du dich umfangen mit den Höhlen des Unglücks."
"Wer weiss, in welchem Kerker ich jetzt säss, wär' ich nicht entkommen! Hier finde ich doch wenigstens einen freundlichen Kerkermeister; nicht wahr?"
"Wie aber, wenn man dich nun in einer Gesellschaft findet, mit der man gar nicht lange prozessiert?"
"Mit der korsischen Gesellschaft wird man sich auch nicht in Weitläufigkeiten einlassen. Hat man besonders gewisse Papiere gefunden, so sitzt kein Kopf zu fest, er fällt. Vielleicht hat man unsere Freunde schon nach Korsika abgeführt, vielleicht bestiegen sie schon längst in Bastia das Blutgerüst, denn die Franzosen sehen nur gar zu gern Blut. – Ob ich unter den Sarden oder unter den Augen misshandelter Patrioten sterbe, das ist gleichviel. Wenigstens spannt man in Cagliari mich gewiss nicht auf die Folter, wie es unsere Unterjocher in Bastia und S. Fiorenza getan haben."
Rinaldo ergriff rasch ihre Hand und sagte:
"Du bleibst bei mir!"
Sie fiel ihm um den Hals und rief: "Ich bleibe bei dir!" Die Glocke an der Zugbrücke ertönte. Rinaldo bat Fiametten in ein Nebengemach zu treten und liess die brücke fallen. – Jordano kam. Er verlangte Befehle und das Losungswort. Ihm folgten Sanardo und Filippo.
Nebenan war Fiametta eine aufmerksame Zuhörerin des Gesprächs.
RINALDO Nun, Sanardo, bis du wieder aus den Bergen zurück?
SANARDO Hauptmann, es sind treffliche Berge; sie tragen Wein und Öl.
RINALDO Und auch wohl Früchte unseres wilden Gewächses?
SANARDO Ich habe nichts davon bemerkt. Einige verwachsene Sprösslinge möchte es wohl dort geben, Früchte tragen sie aber gewiss nicht.
RINALDO Wir könnten also dort Pflanzungen anlegen?
SANARDO Treffliche; sobald wir hier etwa delogiert werden sollten; denn man spricht verteufelt laut über uns und mit einer Lizenz, die mir gar nicht behagen will.
RINALDO Wer könnte es aber auch uns recht machen?
JORDANO Die es am wenigsten wollen. Sie tun uns in den Bann und kriechen in ihre Löcher. Ihr Wein hat keine Eskorte, und ihre Kirchen haben Fenster.
SANARDO Es heisst, der Stattalter wolle uns zeigen, wer er wär'.
RINALDO Will er das?
SANARDO Dein Name rouliert im land wie Scheidemünze. Man fürchtet dich, und dennoch wünscht jeder dich zu sehen.
RINALDO Ja, ja! – Welch ein Schauspiel voll Wonne für Cagliari, mich auf der Bühne zu sehen, wo das Hochnotpeinliche den Knoten zerhaut. Wie würde der Schmied jubilieren, der die Ketten zu fabrizieren hätte, mit denen man mich an den dreibeinigen Ehrenbogen mit einem Pendens cum latronibus heften würde. Die Inschrift über meinem Scheitel würde gewiss herzbrechend zu lesen sein!
JORDANO Ein Hic jacet könnte sie doch nicht haben.
FILIPPO An eine Fossa, Uma et Ossa würde auch nicht zu denken sein.
JORDANO Leichensteine wirft man uns allen nicht auf den Leib.
FILIPPO Aber zu Leichen können uns wohl Steine machen!
RINALDO Mein Wunsch ist, im Gefecht zu sterben.
FILIPPO Dann aber dürfen sie deinen Körper nicht finden, sonst wirst du dennoch zur Ausstellung gebracht.
SANARDO Ich habe sechs Galeerensklaven angeworben, Kerle wie Riesen, die sich durchgebrochen hatten. Sie waren sehr froh, als ich ihnen unsere Höhlen zeigte. Sie nannten sie Paläste der Freiheit und benetzten die H. Arega mit Tränen. Hauptmann, wenn solche Kerle weinen, da muss ihnen das wasser bis an die Kehle gehen!
FILIPPO Auf den Galeeren, oft weit genug hinan!
SANARDO Diese fechten sicher für Herd und Höhle, wie der Teufel für Pfuhl und Stuhl und Hölle.
RINALDO Sie sollen uns ihre Kunst zeigen.
SANARDO Dazu kann es bald kommen. In Cagliari giesst man schon Pillen zu einem A is animas!2 für uns. Die Helden in den Wachttürmen drehen die Pillenschachteln, und der Erzbischof von Sassari hat seine Haus-Artillerie dem Gouverneur gratis offeriert; vermutlich, um – die königlichen Kanonen zu schonen, deren Donner wir nicht wert sind.
FILIPPO Oder weil der geistliche Herr auch einmal donnern will.
RINALDO Da sieht's schlimm aus!
JORDANO Das Gewitter zieht sich zusammen.
RINALDO Sorgt für Proviant und Munition und schärft eure Klingen.
SANARDO Ausser den Galeerenhelden habe ich auch noch einen Herkules mit mir hierher genommen. Er ist vom Handwerk. – Heda! Kamerad, tritt ein!
LODOVICO Mein Hauptmann!
RINALDO Lodovico!
LODOVICO Da hast du mich wieder, wie ich gewachsen bin!
RINALDO Wie ist es dir ergangen?
LODOVICO Miserabel! – Nach der entdeckten Münzaffäre dachte ich mich zu Cintio zu schleichen; aber – fort war er. Ist er nicht entkommen, so ist er jetzt sicher dem Himmel näher als wir. Die Soldaten haben seiner ganzen Gesellschaft das Handwerk auf eine verteufelte Manier gelegt. Nero hängt bei Rizini in einer herrlichen Weingegend. Ich sah ihn. Das war für mich ein trauriges Memento mori! – Ein Schleichhändler nahm sich meiner an. Mit einer seiner Kornbarken kam ich nach Sardegna. Hier hörte ich deinen Namen nennen. Ha! dachte ich, hat der Hauptmann die Fehdehandschuhe wieder angezogen, so kann er dich auch brauchen. Ich quittierte meinen Dienst, kroch in die Berge und suchte dich auf. Da stiess ich auf einen deiner Leute. Männer vom Metier erkennen einander sogleich