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Maler, der sie portraitierte. – Der Marquis führte seinen Gast in ein anderes Zimmer und lächelte. "Maria wird von mir ausgestattet, und Nicolo wird ihr Mann."

Das Gespräch wendete sich. Man kam auf Cagliari, und endlich erfuhr Rinaldo etwas, wobei er interessiert war.

"Auf Requisition aus Frankreich", – fuhr der Marquis im Verfolg seines Gesprächs fort, – "sind in Cagliari eine ganze Hecke missvergnügter Korsen und ihre Freunde arretiert worden. Man spricht von Anschlägen auf Korsika, von einer Landung daselbst, von Truppen, die Rinaldini hätte anführen sollen, und dergleichen. – Ich glaube, man vergrössert etwas sehr Unbedeutendes, vielleicht aus Politik."

"Lebt denn Rinaldini noch?"

"Man sagt es."

"So ist er sicher auch mit arretiert worden."

"Ihn hat man nicht angetroffen. Auch soll ein gewisser türkischer Prinz entkommen sein, der, wie man sagt, das Haupt der korsischen Verbindung war."

"Sind die Verhafteten noch in Cagliari?"

"Nein. – Man hat sie einem französischen Kommissar übergeben. – Nun heisst es aber, das Schiff, auf welchem sie sich befanden, sei genommen worden. Doch davon spricht man unbestimmt. Mir liegt nichts daran! Das aber möchte ich wissen: Ob Rinaldini wirklich noch, und ob er auf dieser Insel lebt?"

"Das möchte ich selbst wissen."

"Und lebt er noch, so wünsche ich, ihn zu sehen." "Ihn zu sehen?" "Ja! ihn zu sehen. Es kostete allenfalls eine Börse mit Zechinen, ihm zu begegnen, und dafür wollte ich ihn recht beschauen." "Mit dieser Börse wären aber einige Mädchen auszustatten, und dabeigäb' es doch wohl mehr als nur etwas zu sehen." Maria trat ins Zimmer, küsste dankend dem Marquis die Hand und bat ihn, ihr gnädiger Herr zu bleiben. – Ein Bedienter trat ein und winkte dem Marquis, der mit ihm das Zimmer verliess. Maria sagte: "Euch habe ich sicher alles zu verdanken!" "Dir selbst, mein Kind", – sagte Rinaldo, – "hast du deine Aussteuer zu verdanken." "Wenn auch diese, doch das nicht, dass ich Nicolo heiraten darf. Die Aussteuer wär' wohl längst schon zu bekommen gewesen, aber Nicolo nicht mit dazu." Rinaldo drückte ihr einige Goldstücke in die Hand. Sie fragte: "Wollt Ihr mich auch aussteuern?" "Ich bin kein reicher Marquis." "Doch habt Ihr fein gegeben!" "Wenigstens uneigennützig." "Das lobe ich, verdenke es Euch aber. Der Herr Marquis denkt anders als Ihr. – Ich danke Euch!" "Geh, grüsse deinen Nicolo!" "Der wird recht froh sein, dass er mich heiraten darf und dass er nun auch bald erfährt, wie es sich in einem Bette liegt!"3

Sie sprang aus dem Zimmer, wohin der Marquis nachkam. Er bat um Verzeihung, ihn allein gelassen zu haben, doch setzte er hinzu: "Ich habe Euch doch nur allein bei einem artigen Mädchen gelassen –"

"Die", – fiel Rinaldo ein, – "ausgesteuert war."

Der Marquis lachte laut auf und fuhr dann in einem andern Tone fort:

"Soeben habe ich durch einen reitenden Boten Briefe erhalten, die mir Gäste ansagen, die diesen Abend noch eintreffen werden. Darf ich Euch bitten, so erwartet Ihr sie mit mir. Die Gesellschaft besteht aus vier Damen, einer Tante und drei Cousinen. Ich allein würde gar zu isoliert unter Vieren stehen. Ich wiederhole also meine Bitte!"

"Ich bleibe."

"Jetzt aber bitte ich, um ihn den Damen vorstellen zu können, um meines Gastes Namen."

"Ich bin der Jüngste des gräflichen Hauses Marliani, im Veltelinerland geboren. Mein Onkel schickte mich auf Reisen, und eine Reisenden erlaubte, anständige Neugier brachte mich auf diese Insel."

Der Marquis gab seinem Haushofmeister Befehle. Rinaldo ging in den Schlossgarten. Er ging auf eine Hintertür des Gartens zu, öffnete sie und trat ins Freie. – In einem Busche regte sich's. Rinaldo griff nach dem Dolche. – Jordano kam aus dem Busche.

"Bist du hier?" – fragte er.

"Wir waren deinetwegen in Verlegenheit."

"Ich werde einige Tage auf diesem schloss bleiben. – In dieser Gegend, wo wir uns jetzt sprechen, mögen immer einige der Unsrigen stecken, damit ich sie bei der Hand habe, wenn ich sie brauche."

"Gut! – Wir haben auch eine Spekulation."

"Welche?"

"Es kommt ein Wagen hier vorbei. Diesen wollen wir ein wenig anhalten."

"Nichts! – Jetzt keinen Lärm, so nahe bei einem Orte, wo ich mich befinde. Wir könnten alle in Verlegenheit kommen. Geht der Wagen aber weiter –"

"Gut, gut! – Nun, weiss ich schon genug. – Ich muss zu meinen Burschen!"

Er kroch in den Busch, und Rinaldo ging in den Garten zurück. Ein freundliches Mädchen schnitt Blumen ab. Rinaldo kam mit ihr ins Gespräch.

"Die Blumen" – sagte sie, – "sollen Kränze geben für die Tafel und Sträusschen für die Damen, die der Herr Marquis erwartet."

"Du gehörst ins Schloss?" – fragte