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. Dieser empfing ihn mit Kälte und Mut. Es fiel Hieb gegen Hieb, von beiden pariert und wiederholt. Sie hackten ein paar Minuten aufeinander los. Rinaldo wurde immer hitziger. Batistello blieb kalt und bei Fassung. Rinaldo sah und hörte nicht mehr, stürmte immer wütender auf seinen Gegner los, und dieser zog unbemerkt mit der linken Hand ein Terzerol. Die Hand hinter den rücken gelegt, schoss er es auf Rinaldo ab, und fehlte ihn.

"Ha! Nichtswürdiger!" – schrie Rinaldo ergrimmt, zog eine Pistole aus dem Gürtel, und schoss ihm eine Kugel durch den Kopf. – Batistello fiel. Rosalie schrie laut auf.

Ohne eine Wort zu sprechen, gab der Bandit seinen Geist auf. Rinaldo packte ihn und warf seinen Körper in den Busch, aus welchem er auf ihn geschossen hatte.

Hier lag ein Päckchen. Er hob es auf und gab es Rosalien. – Einen schönen Ring zog er dem Toten vom Finger, und eine Katze, gefüllt mit Goldstücken, riss er ihm vom leib.

"Jetzt Rosalie!" – schrie er. – "Auf und davon, ehe des Nichtswürdigen Gesellen kommen!" Nach einem Wege von andertalb Stunden fanden sie ein heimliches Örtchen, mitten im tiefsten wald; einen mit Buschwerk umwachsenen Hügel, an dessen fuss ein silberheller Quell in den Abhang der Gegend hinabmurmelte. In der Mitte des Hügels war ein freies Plätzchen. Hier liessen sie sich nieder und sprachen über den blutigen Vorfall.

Rinaldo zählte das Gold in der erbeuteten Geldkatze und fand über 200 Stück Dukaten, einige goldene Schaustücke ungerechnet. Indessen durchstöberte Rosalie das Bündel und fand eine Waldbruderkutte, ein Paar falsche Nasen, einen Bart und Wäsche, die beiden sehr gelegen kam.

Sie nahmen hierauf eine kleine Mahlzeit ein, koseten noch mancherlei miteinander und übernachteten auf dem Flecke, wo sie waren.

Zweites Buch

Der Zufall weilt, wo Liebe weilet,

Er wirkt und schafft, er führt zum Ziel;

Dort wird der süsse Raub geteilet,

Und immer kühner wird das Spiel.

Die Sonne war aufgegangen. Unser Pärchen machte sich auf den Weg. – Sie kamen der Landstrasse näher und sahen, als sie eben dieselbe wieder verlassen wollten, einen Bauer auf sich zukommen, der bei ihrem Anblicke seine Schritte verdoppelte. Rosalie sprang in den Wald zurück; Rinaldo aber blieb stehen und erwartete die Annäherung des Bauern, der, noch weiter als zehn Schritte von ihm entfernt, ihm laut entgegenjauchzte:

"Sei gegrüsst, du glücklich Wiedergefundener!"

Da erkannte Rinaldo an der stimme, dass es der wackere Cintio war, der ihn so froh grüsste.

Sie eilten aufeinander zu und umarmten sich mit Frohlocken. – Rosalie trat schüchtern herbei.

RINALDO Sehe ich dich wieder, braver Cintio! – Und du bist dem tod entkommen?

CINtIO Glücklich! – Ich, Altaverde und der Bube Steffano, wir sind es, glaube ich, nebst dir allein, die von uns allen entkommen sind. Wir dreie, Gebirge getrieben. Bei dem Caprilischen Passe war Mateo mit seinem Kommando von den Soldaten beängstigt worden und zog sich, der Grenze näher zu sein, über die Perlenhöhen. Dort trafen wir uns und erzählten ihm unser Unglück. Es war nicht zu zaudern. Wir griffen einen Milizposten an, liessen acht Mann auf dem platz und schlugen uns durch, bis in die Waldungen, wo ich dich jetzt so glücklich gefunden habe. Und hier hausen wir.

RINALDO Führe mich zu den braven Burschen. – Ich weiss einen guten Platz für uns.

CINtIO Wer ist das Mädchen?

RINALDO Sie gehört mir an.

CINtIO So sei sie gegrüsst und willkommen.

Nun wanderten sie dem platz zu, wo Mateo und seine Gesellen ihr Lager aufgeschlagen hatten. – Rinaldo wurde mit lautem jubel empfangen und erzählte die geschichte seines Kampfs mit Batistello.

"Das war recht, Hauptmann!" schrie Mateo, "dass du den Kerl niederschossest."

Hierauf beschrieb ihnen Rinaldo die Ruinen, und sie brachen sogleich auf, von denselben Besitz zu nehmen. – Da quartierten sie sich ein und fingen an zu kochen und braten.

Gegen Abend gaben die Wachen Signale. Alle griffen zu den Waffen und zogen einem Trupp von zehn Mann entgegen, die von Batistellos Bande waren. Es kam bald zwischen beiden Parteien zum Handgemenge, die Batistellianer zogen den kürzeren. sechs Mann blieben auf dem platz. Die übrigen vier unterwarfen sich, schwuren Rinaldo den Eid der Treue und wurden unter seine Bande aufgenommen. "Es kommt nicht wenig darauf an", – sagte Rinaldo, als sie einige Tage unter den Ruinen verlebt hatten, – "zu wissen, wie es in dem Florentinischen steht. Ich habe mich entschlossen, selbst Nachforschungen anzustellen, und werde daher morgen auf einige Zeit von euch gehen. Ihr sollt mich aber bald wiedersehen, hoffe ich. Bis dahin mag Altavede das Kommando über euch führen. Als Beistände gebe ich ihm Mateo und Cintio zu." Den folgenden Morgen bestieg er, fein gekleidet, ein schönes Pferd, und Rosalie folgte ihm in Bubentracht auf einem Maultiere nach.

Er schlug den Weg nach Oriolo ein, und die Leser können leicht denken, dass er in die Gebirge eilte, seinem Freunde Donato einen Besuch abzustatten.

Die Soldaten waren wieder in ihre Quartiere zurückgekehrt, glaubten Rinaldinis Bande ganz zerstreut zu haben, und die Grenzen waren unbesetzt.

Es war ein schwüler Morgen, als er sich Donatos Klause näherte. Der Alte sass vor der Tür