, nahe bei den Ruinen, ein mit köstlichen Weinen wohlangefüllter Keller entdeckt ward, der vermutlich ehemals dem edlen Brancolino gehört hatte. Jetzt wurde er die Beute einer Gesellschaft, die auch Wein trank und manchen Becher auf seine Gesundheit leerte.
Neben diesem Keller wurde eine Kapelle ausgemauert, ein Bild der heiligen Arega ward aus einer benachbarten Klosterkirche, auf gewöhnliche Art, abgeholt und in dieselbe gesetzt. Das ordnete Rinaldo zu grosser Freude seiner sardischen Kameraden an, die nun Wohnungen, Wein und Andacht so gut und so nahe hatten, als sie dieselben nur schwer ehemals haben konnten oder sie zu erhalten Hoffnung hatten.
Das Kloster, welchem die heilige Arega entführt worden war, entrüstete sich sehr über diese kühne Tat, zumal, da die ehemaligen Besitzer die Entdekkung machten, dass man mit der Heiligen zugleich ihre besten goldenen und silbernen Kirchenschätze geraubt hatte. Der Prälat forderte die benachbarten Bauern auf, ihm die Räuber ausfindig machen zu helfen, aber man suchte sie nicht auf dem rechten platz und fand sie also auch nicht. Es war ein schöner Morgen; Himmel und Erde lachten in verjüngter Pracht. Im diamantenen Meere des reinen Morgentaues spiegelte ihr Antlitz die hehre, heitere Sonne, und tausend Kehlen sangen ihr den Morgengruss. Da nahm Rinaldo, sardisch gekleidet in Jägertracht, sein Rohr, verliess seine Mauern und ging hinab ins Tal.
Bald traf er auf ein Mädchen, das Futterkräuter in einen Korb sammelte. Er bekam Lust, sich mit ihr zu unterhalten. Es kam zum Gespräch.
ER Einen frohen guten Morgen, einen heitern Tag und eine schöne Nacht wünsche ich dir, fleissiges Mädchen!
SIE Viel auf einmal! – Wieder so viel von mir für Euch!
ER Der Morgen ist so heiter, und du scheinst nur mit trüben Augen ihn zu sehen.
SIE So ist es schon lange.
ER Was ist dir?
SIE Ich bin ein armes Mädchen und habe viel Kummer.
ER Verliebt?
SIE Das leugne ich gar nicht. Ich wollte aber, ich wär' es nicht. Dass ich es bin, das ist eben mein Unglück! – Der schönste Bursch in unserm dorf ist mir gut. Er hat mir Ständchen gebracht, er hat mich mit Limonen geworfen, und ich habe ihn mit wasser begossen2. Damit war's entschieden, dass wir uns beide liebten. Aber – der Edelmann will's nicht leiden.
ER Was geht es den Edelmann an?
SIE Wir sind seine Untertanen, und er ist unser Herr.
ER Kann er auch über Herzen gebieten?
SIE Er muss es doch können, weil er es tut.
ER Was sagen deine Eltern dazu?
SIE Die sagen, was der Herr sagt, und der Pater sagt es auch, und jedermann im dorf sagt: wir dürften einander nicht lieben.
ER sonderbar!
SIE Ich wollte, ich wär' gestorben!
ER Wie heisst dein Edelmann?
SIE Mein Herr ist der Herr Marquis Reali. Er ist, sagt man, den Mädchen gar gut, aber mir nicht. In unserm dorf verheiratet er die Mädchen beinahe nach seinem Sinne, und er beschenkt sie dann auch.
ER Er muss dich auch beschenken.
SIE Er will nicht und will auch nicht, dass ich meinen Nicolo heiraten soll.
ER Wie nennt man dich?
SIE Maria. – Mein Vater ist Aldonzo und hat schöne Felder. Geschwister habe ich nicht, arm bin ich auch nicht; aber – unglücklich.
Ihr Korb war gefüllt. Sie schwang ihn auf den Rükken, trocknete die Augen und ging. Rinaldo ging mit ihr. Sie sah ihn mit fragenden Blicken an.
RINALDO Ist der Marquis Reali verheiratet?
MARIA Nein.
RINALDO Alt?
MARIA Ein Dreissiger.
RINALDO Hübsch?
MARIA Ziemlich, aber doch nicht so hübsch wie mein Nicolo.
RINALDO Ist er gesellschaftlich?
MARIA Er gibt an Gastfreiheit keinem Sarden etwas nach.
RINALDO Er ist wohl reich?
MARIA Sein gutes Auskommen soll er haben; soll auch etwas zurücklegen können, aber – das tut er nicht, wie man sagt. – Doch, – sagt mir nun auch, warum Ihr mich so ausfragt?
RINALDO Weil ich wünsche, dich glücklich zu sehen.
MARIA Können das Eure fragen und meine Antworten bewirken? Nein! Dahinter steckt sicher etwas ganz anderes. – Aber, seht! dort kommen Leute, lasst mich allein meinen Weg gehen und bringt mich nicht in böse Mäuler.
Er sagte ihr ein Lebewohl und kehrte schnell in seine Burg zurück. Als er auf den gewöhnlichen Versammlungsplatz kam, stellte man ihm einen Rekruten vor. Rinaldo examinierte ihn. Seine Antworten waren:
"Ich bin desertiert von dem Deutschen Regimente, welches in Cagliari in Besatzung liegt. Das Schultern stand mir nicht länger an. Ich lief davon und habe Lust, ein Handwerk zu treiben, das mir, obwohl in anderer Art, von jeher sehr gefiel und behagte. Mit einem Worte, das Rauben war vorlängst schon meine Sache. Von Geburt bin ich ein Deutscher, geboren in Reutlingen, wo ich das Zugreifen lernte. Ein Buchdrucker von Profession erhob ich mich bald zum Nachdrucker. Es ist dies ein sehr leichtes Geschäft, zwar unerlaubt, trägt aber etwas ein. Man braucht nur zu vigilieren, welches Buch aufsehen macht, und guten Abgang verspricht. Gleich fährt man darüber her, druckt es auf Löschpapier mit abgestumpften Lettern nach, schickt's in die Welt und streicht's Geld ein. Dabei lebt es sich gut und ruhig,