der Regel so leichtin wie möglich. So wie der Mond, der gute Freund der Erde, diese liebt; zuweilen gar nicht, grösstenteils nur halb und nur auf einige Tage mit voller Ergebenheit. – Was soll man aber tun, wenn man einen Mann liebt? Man muss vorliebnehmen. – Ihr könnt ja doch nur geben, was Ihr habt."
"Du meinst also, treue Liebe sei bei uns eine verrufene Münze?"
"Wenn auch nicht verrufen, doch selbst ausgeprägt, aber dennoch immer eine Münzart. Was die Männer geben, lässt sich gleich wieder verwechseln, und auf Agio steht ihr Gold niemals."
"Fortunata ist bei Laune!"
"Sie ist ja bei einem mann, dem sie soeben gestanden hat, dass sie ihn lieben kann."
"Und wird?"
"Und will und wird. – Schwüre gebe ich nicht, aber mein Wort gebe ich dir, so wie es eine Korsin gibt."
"Du, eine Korsin?"
"Dies bringt mich nach Sardinien. Mein Vaterland seufzt unter der Geissel der Franzosen, unter der Tyrannei ihrer übermütigen Satrapen, und für jedes Herz voll Freiheit und Vaterlandsliebe hat ihre Hand geschärfte Dolche. – O! mein unglückliches Vaterland! Ach Ritter! Ich bin nur ein Weib, aber könnte ich mein Vaterland retten, ich würde nicht mein Blut, mein Leben, ich würde selbst meine Freiheit nicht achten. In Ketten wollte ich in dem abscheulichsten Kerker sterben, dürfte ich rufen: Korsika ist frei! Ich bin eine Zondarini. Schon unter Teodors Fahnen focht mein Ahnherr für die Freiheit seines Vaterlandes. Mein Vater fiel für die Freiheit der Korsen, meine Brüder sanken für ihr Vaterland mit Ruhm und Ehre. Mein Bräutigam, ein Lampertini, wurde meuchlings von Franzosen gemordet, und ich – bin eine Landflüchtige."
"Und warum flohst du aus Korsika?"
"Höre! – Eine Gesellschaft Verbundener unterhielt Gemeinschaft mit einem Bunde, der in Sizilien gestiftet wurde, Korsika zu befreien. An ihrer Spitze stand der edle Prinz Nicanor" –
"Der Prinz Nicanor?"
"So nannte er sich. Seine Geburt ist ein Geheimnis."
"Lebt er noch?"
"Das weiss ich nicht. – Er warb für die Korsen. Ein berühmter Mann wollte sich an die Spitze der Retter meines Vaterlandes stellen" –
"Wer war dieser Mann?"
"Sein Name mache dich nicht irre. Es war Rinaldini. – Er ist gefallen. Zerrissen wurde der Bund, verraten das Geheimnis. Ich, eine Mitwissende um alles, was geschehen sollte, eine tätige Freundin dieses Bundes, entfloh zur rechten Stunde noch und kam hierher, wo ich auch mich nicht sicher glauben darf. Eine französische Requisition, und ich werde ausgeliefert an meine Feinde, die in mir ihre unversöhnlichste Feindin kennen und auf das strengste bestrafen werden."
"Du kennst den Prinz Nicanor nicht?"
"Ich habe sein Bildnis. Ihn selbst sah ich nie."
Fortunata stieg auf, nahm aus einer Schatulle ein Portrait, und Rinaldo erkannte in demselben das Bildnis des Alten von Fronteja. – Fortunata sah ihn aufmerksam an. Er verriet sich, ohne es zu wollen oder es zu ahnen.
SIE Du kennst ihn!
ER Wie?
SIE So sagt dein blick.
ER Mein blick?
SIE Keine Verstellung! Du kennst ihn.
ER Ein diesem sehr ähnliches Gesicht kenne ich, doch keinen Prinz Nicanor.
SIE So kennst du doch den Alten von Fronteja?
ER Fortunata!
SIE Oder nicht?
ER Ich kenne ihn.
SIE Und auch dich selbst?
Sie gab ihm ein zweites Portrait. Es war das seinige. – Er gab es eilig ihr zurück, bedeckte mit seinen Händen sein Gesicht und rief aus:
"Ach! allentalben hin verfolgt es mich, mein eigenes Gesicht!"
"Auch zu mir?" – fragte Fortunata, indem sie seine Hand ergriff.
ER Nimm deine Versprechungen schnell zurück!
SIE Nicht eine.
ER Nimm sie zurück!
SIE Nimmer! – Ich wusste ja, wem ich sie gab.
ER Unglückliche!
SIE Ich folge Olimpien, Lauren, Dianoren –
ER Für dich und sie kein Glück!
SIE Ich will geliebt von einem mann mich wissen, der es wagen durfte, voranzugehen der Fahne, die flatternd Freiheit meinem vaterland entgegenrauschte! – Mit einem Kranze wollte ich frohlockend dir entgegeneilen, und siehe da! es findet dich mein Herz. Der Kranz bleibt dir, dies Herz ist dein.
ER Mir grünen keine Kränze! – Wie könnten Herzen für den Räuber klopfen?
SIE So bescheiden wurdest du mir stets geschildert!
ER Die schöne Zondarini, der Kranz, dies Herz und – Rinaldini!
SIE Dem kühnen mann das entschlossene Weib.
ER Meine Kühnheit liegt bei meinen Schätzen. – Kalabriens Gebirge decken beide.
SIE Du stehst auf deinen Monumenten.
ER O Fortunata! Kränke mich nicht länger. – Sprich ihn nicht aus, den mir verhassten Namen!
SIE Wo nennt man ihn nicht gern? – Italien und seine Inseln, Frankreich und England spricht von dir. In Deutschland trifft man ihn nicht minder oft, den Namen Rinaldini. – Lies diese Briefe!
ER Empfinde, was mich quält, wenn du es kannst!
SIE Die Liebe nicht!
ER Mein Selbstgefühl. – Die Welt bewundert einen Räuber; das kränkt mich tief. Als Räuber könnt' ich nur gefallen. Dies ist der Stempel meines Ruhms.