artige Geschäfte und führten oft tolle Streiche aus. Du weisst ja, wie das zugeht!"
"Aber", – fragte Rinaldo einfallend, – "wie kamst du denn in das Schloss der Gräfin Ventimiglia?"
"Höre nur! – Wir lagen eben bei Sarsona, als mich Cintio mit einem Briefe nach Marsala sandte. Der Brief war adressiert: An den Herrn Florio, berühmten Kaufmann aus Korfu, dermalen zu Marsala. Ich traf die beschriebene wohnung, übergab den Brief, und siehe da! der berühmte Kaufmann Florio aus Korfu war – unser lieber alter Herr Frontejaner."
"Dieser?"
"Der nannte sich damals Florio. Bei ihm war auch unsre wohlbekannte Signora Olimpia –"
"Olimpia?"
"Sie selbst; zwar ein wenig älter, aber immer noch so angenehm wie sonst. Diese hatte, wie ich erfuhr, einem alten, verliebten Narren das Seil über sein erhabenes Ypsilon geworfen und hatte ihm die Hand gegeben –"
"Olimpia, verheiratet?"
"– und war dadurch Gräfin Ventimiglia geworden."
"Was sagst du? – Olimpia? – Sie? Olimpia die Gräfin Ventimiglia?"
"Ja, ja! Sie selbst. – Der alte Herr, ihr Gemahl, war in ihrem Besitze recht glücklich. Kein Gedanke an einen korsischen Kapitän, an einem Räuberhauptmann, an einen Stattalter zu Nisetto, an alle guten Freunde des Alten von Fronteja, an – wer weiss, woran noch, vor und nachher! – verbitterte ihm sein Glück. Er leerte den Becher den Olimpia ihm fühlte, con amore, und lag senza dolore entzückt in ihren Armen, so oft ihm das erlaubt war. Kurz, er war glücklich."
"Wohl ihm!"
"Wie ging dir's zu Marsala?"
"Das sage ich auch. Die Einbildung und der Glaube sind die beiden herrlichsten Himmelsgeschenke für uns arme, miserable Kreaturen! – Denn was haben wir sonst noch, das so erfreulich wär' wie sie?"
" Wie ging dir's zu Marsala?"
"Im haus der Gräfin lebte ich herrlich und in Freuden und sehr mich gar nicht wieder aus demselben. – Endlich reiste die Frau Gräfin mit dem Herrn Florio auf ihr Schloss, wo wir vorher eben auch waren. Sie nahmen mich mit, erteilten mir viele Lobsprüche und komplimentierten mich endlich ganz human, mit vielen Versprechungen, in den Keller, in welchem Ihr mich gefunden habt."
"Und in diesem Keller?" –
"Da trieben wir's stark."
"Was?"
"Wir münzten Geld."
"Falsche Münzer wart ihr?"
"Wenigstens waren unsere Münzen nicht so gut, wie sie sein sollten, ob sie gleich sehr schwer als falsch zu erkennen waren, denn wir hatten es, im Anschein, weit gebracht. – Wir haben rechtschaffen darauf losgearbeitet, das muss ich sagen! Die ganze Insel muss von unsern Gold- und Silbermünzen angefüllt sein, wenn das Geld nicht weitergegangen ist. Wappen und Bild Sr. Maj. des Königs beider Sizilien, wie auch Sr. Heiligkeit, wurden respektiert. Alle unsere Münzen tragen nur republikanische Wappen und Stempel und sind den Teufel nicht wert. Die Respublica Veneta, mitsamt ihren unnatürlichen Löwen, die liebe Libertas von Luca und Ragusa, das Genuesische Kreuz und Elend, sogar liebe bisschen St. Marinosche Potestà, – alle diese freien Herrlichkeiten wurden mit unendlich viel Freiheit unsern Münzen aufgedrückt. Sie erhielten dadurch Freiheit, hinzugehen, wohin sie wollten, und zu bleiben, wo man sie behalten mochte. – Wir haben eine schöne Anzahl Geldfässerchen abgeschickt. Toronero, der Kastellan des Schlosses, nahm sie gewöhnlich in Empfang und spedierte sie weiter."
Jetzt konnte Rinaldo sich jene Nachtszene erklären, die er, von den Schlossfenstern aus, sah, worüber ihm Margalisa keine Auskunft geben konnte. – Nero fuhr fort:
"Diese Nacht erst ist ein solcher Transport wieder abgegangen."
"Ich sah ihn abgehen, konnte aber nicht erraten, was in den Fässern stak."
Die Versendung muss aber unrecht angekommen oder gar von ungebetenen Gästen in Empfang genommen worden sein. – Jetzt sitzen sicher einige Dutzend Köpfe weniger fest zuvor.
"Und wie wird es unsrer lieben Gräfin gehen?"
Rinaldo sah schweigend vor sich hin, suchte das ganze Negoz zu überschauen und verlor sich darüber endlich so sehr in seinen Gedanken, dass Nero ihn gleichsam aus einem Traume weckte, als er ihm zurief:
"Wollen wir hierbleiben, oder wollen wir weitergehen?" Sie stiegen hinab und erreichten das Tal. – Hier kroch aus dem Gebüsche ihnen ein Vermummter entgegen, der ihnen zuwinkte näherzukommen. Sie folgten ihm in eine Höhle, wo er seinen Mantel abwarf. Lodovico stand vor ihnen.
NERO Lodovico?
RINALDO Du hier?
LODOVICO Du hier?
LODOVICO Erwünscht! – Ich kam aber vorhin zu einer verdammten Szene!
NERO Auf dem schloss?
LODOVICO Dahin war ich noch nicht. – Die Gräfin und der alte Herr schickten mich ab, Euch, mein wertester Hauptmann, ihre Ankunft auf morgen oder übermorgen zu melden. Ich eilte, Euch wiederzusehen, und kam eben dazu, als die Soldaten einen Transport Geld anhielten. Ich hörte, es sei falsche Münze und sie komme aus dem schloss. Zugleich hiess es geradezu, Rinaldini sei auf dem schloss. – Ich machte mich davon, bebte für Euer Leben und bin so glücklich, Euch noch frisch und