gewagt!"
"Noch nicht genug."
"Was mehr?"
"Das sollst du erfahren!" – schrie Rinaldo, sprang auf ihn zu, packte ihn, drängte ihn gegen die Wand und setzte ihm die Pistole auf die Brust.
Der Alte zitterte und schwieg. – Rinaldo aber fragte wieder:
"Wer bist du?"
Der Alte gab keine Antwort. – Rinaldo schüttelte ihn und schrie ihm zu:
"Beantworte meine Frage, oder ich schiesse dich nieder."
"Das kannst du tun", – sagte der Alte, – "wenn du dein Leben selbst verloren geben willst. Beantworte meine fragen, und ich will die deinigen beantworten. Ich sehe wohl, dass ich es mit einem kühnen, entschlossenen mann zu tun habe, aber dennoch werde ich dich nicht furchten."
"Gelogen!" – schrie Rinaldo. – "Du zitterst."
"Ich bin", – fuhr der Alte fort, – "ein alter, schwacher Mann, und du bist mir an körperlicher Stärke überlegen, aber es sind junge, kraftvolle Männer in unserer Nähe, mit diesen musst du dich messen, wenn du im Kampfe Ehre erwerben willst."
Rinaldo liess ihn fahren und wollte eben sprechen, als er drei starke Männer mit blanken Säbeln auf sich zukommen sah.
"Greift" – schrie der Alte, als er sie erblickte und sich frei sah, – "diesen Unbesonnenen!"
Zu Rinaldo sagte er: "Wenn du dich zur Wehr setzest, so lass ich dich niederhauen."
"Wenn du das bei der Gräfin Ventimiglia verantworten kannst, deren Bruder ich bin", – antwortete Rinaldo, – "so kannst du mich niederhauen lassen; ich aber werde mich wehren, solange ich noch ein Glied bewegen kann. Wenn sich mir einer naht, so schiess ich dich zuerst nieder."
"Haltet an!" – schrie einer von den Dreien, – "diese stimme ist mir sehr bekannt. Diese Gestalt, dieses Gesicht. – Ich will des Teufels sein! wenn du nicht mein vom tod erstandener, geretteter Hauptmann, wenn du nicht Rinaldini bist."
"Ich bin es. – Du bist Nero. – Ich bin dein Hauptmann und befehle dir und deinen Kameraden, die Waffen niederzulegen."
"Lustig, ihr feinen Gesellen!" – schrie Nero. – "Hört meines Hauptmanns Befehl, habt Respekt und streckt die Waffen. Hier steht der grosse Rinaldini und spricht mit euch."
"Schweig!" – donnerte der Alte.
"Was da! – Was wollt Ihr? – Ich trete auf meines Hauptmanns Seite, ich fechte und sterbe mit ihm. Aber kommt uns einmal zu nahe, wenn ihr erfahren wollt, wie es zugeht, wenn man sich an den grossen Rinaldini wagt!"
"Lass sie nur kommen, – Nero!" sagte Rinaldo, – "wir wollen sie schon empfangen. Meine Leute im schloss werden mich suchen. Wir werden bald Succurs erhalten."
"Schliesst die Falltüren!" – schrie der Alte.
"Unnütze Vorsicht!" – fiel Rinaldo ein; – "Meinen Leuten sind keine Schlösser zu fest."
"Das wollen wir erwarten", sagte der Alte.
Da stürzten einige Männer aus jenem Gewölbe, durch welches Rinaldo gekommen war, herbei und schrien:
"Alarm! Alarm! Das Schloss ist überrumpelt, Soldaten haben es besetzt. Wir sind verraten und verloren!"
"Rettet euch!" – keuchte erschrocken der Alte und lief hinter jenen drein.
Nero nahm Rinaldo bei der Hand und schrie ihm zu:
"Nur mir nach! – Uns sollen sie nichts tun. Wir haben Schlupfwinkel. – Nur mir nach!" In den unterirdischen Winkeln war die Verwirrung allgemein. Man schrie, lärmte und fluchte; auch glaubte Rinaldo Weiberstimmen und Kindergeschrei zu hören. – Ohne sich das, was um ihn herum vorging, erklären zu können, folgte er seinem Führer getrost nach.
Es ging durch einige Keller, durch eine Spelunke aufwärts, und als sie hier waren, lispelte ihm Nero zu:
"Diesen Weg kenne nur ich allein. Der Zufall hat ihn mir entdeckt, und ich habe diese Entdeckung für mich behalten, weil ich schon längst dachte, dass die Wirtschaft hier einmal ein Ende mit Schrecken nehmen würde. – Nun aber müsst Ihr auf allen vieren kriechen!"
So krochen sie durch die Mündung einer fürchterlichen Felsenhöhle, deren Ausgang in äusserst rauhe Berggegenden führte. Sie wälzten ein Felsenstück vor die Schlucht und wanden sich in eine andere, mit Gesträuch bedeckte Felsenhöhle. Nero küsste seinem Hauptmann die hände und fing an zu erzählen:
"Mord und alle Wetter! Wie freue ich mich, dich endlich wiederzusehen, Hauptmann! Dass du wieder hergestellt und ins Leben zurückgebracht worden warst, wusste ich schon, aber es hiess, – ich weiss nicht, wer das einfältige Gerücht verbreitet hatte! –, du seist in ein Kloster gegangen. Das konnte und wollte ich nicht glauben. Da ich aber gar nichts wieder von dir hörte und sah, dachte ich zuletzt: Es kann ja doch wohl möglich sein, dass er den Säbel endlich gegen ein Paternoster vertauscht hat, um sich und uns alle mit dem Himmel wieder auszusöhnen. – Ich griff zum alten Handwerk, aber es warf nicht viel ab. Endlich kam ich wieder zu unsrem Cintio. Da ging es etwas besser. Wir machten ganz