empfahl sich sehr freundlich und sprengte mit seinen Reitern davon.
Leonore kam herbei. Sie erfuhr den Vorgang und nahm schweigend auf einem Sofa Platz. LAURA Ich war Euch schuldig, was ich jetzt abgezahlt habe.
RINALDO Grossmütige Freundin!
LAURA Ich weiss und erkenne dankbar, dass Ihr einst mir und meinem Vater das Leben gerettet habt. – Dass ich nun in Verlegenheit kommen kann, fühlt Ihr.
RINALDO Ich fühle es!
LEONORE Welche schwere Verantwortung!
LAURA Unglücklicher Mann! Wie unglücklich machst du alle, die dich auch nur kennen!
RINALDO Seht, das ist es, was meinen Entschluss bekräftigt! – Durch mich soll niemand wieder in Verlegenheit kommen. Es ist einmal Zeit zu enden!
Als er das sagte, zog er eine Pistole aus der tasche und fuhr rasch damit nach dem mund. Leonore sprang schnell auf, entriss ihm die Pistole, schleuderte sie in eine Ecke und fragte:
"Wisst Ihr, was Ihr uns schuldig seid?" Laura sank mit dem Ausruf: "O Rinaldo!" – auf ein Sofa.
Rinaldo hob seine Blicke, sie fielen auf Leonorens Auge, er bedeckte sein Gesicht mit den Händen, stürzte auf ein Sofa und schrie mit dumpfer stimme:
"Unglücklicher! Wie so sehr unglücklich bist du!"
Leonore ging zu ihrer Schwägerin. Tiefaufseufzend erhob sich diese, und mit gepresster stimme rief sie:
"Meine Rechnung habe ich, – ach Gott! – wie redlich! glaube ich, bezahlt. – Wir dürfen und können uns nun nie wieder sehen, Herr Ritter!"
Ein Bedienter stürzte mit dem Ausrufe: "Der Herr Graf!" – ins Zimmer.
"Mein Gemahl?" – schrie Laura.
"Er selbst!" – sagte der Graf, indem er sie in seine arme schloss. Weinend fiel sie ihm an den Busen und stammelte: "O! Heiliger Gott!"
GRAF Was ist dir?
LAURA Ach! mein Gemahl!
GRAF Leonore! – Was ist meiner Laura?
LEONORE Mich frage nicht. Von mir erwarte keine Antwort.
GRAF Was ist das?
LEONORE Ich stehe hier wie vernichtet, glaube zu träumen und kämpfe dennoch mit einer schrecklichen Wirklichkeit!
GRAF Was ist hier vorgegangen?
LAURA O! jetzt nur keine Antwort auf diese Frage!
GRAF Wie verlegen macht ihr mich!
LEONORE O! wie sehr sind wir es!
GRAF Ich begreife nicht –
RINALDO Ich will es lösen, das Rätsel, das sich –
LEONORE Schweigt!
GRAF Mein Herr!
RINALDO Lasst mich sprechen!
LEONORE Nicht jetzt!
GRAF Euer Name?
RINALDO Rinaldini.
LAURA Gerechter Gott!
LEONORE Ewiger Himmel!
GRAF Rinaldini? –
LEONORE Er ist wahnsinnig!
RINALDO Wie edel! – O Gräfin! Ihr habt Euch verrechnet! Ihr sollt mir nicht zum zweitenmal das Leben retten. – Graf! Ich fordere Euch auf, bei Gewissen und Pflicht, mich nicht entfliehen zu lassen. Ich bin und bleibe in Eurer Gewalt.
GRAF Und ich in der Eurigen.
LEONORE Bruder!
RINALDO Graf!
LAURA Was sagst du?
GRAF Ich war in Cintios Gewalt. Auf 3000 Stück Dukaten war mein Lösegeld bestimmt.
LEONORE Wir wussten sie nicht herbeizuschaffen!
GRAF Das fürchtete ich selbst! – "Graf! sagte Cintio, als ich mich mit Sorgen quälte", "Ihr seid frei; frei ohne Lösegeld." – Ich staunte. "Wer hat für mich bezahlt?" – fragte ich. "Rinaldini", war die Antwort. – "Rinaldini?" – "Er hat auf Euerm schloss übernachtet und zahlt seine Zeche mit 3000 Stück Dukaten. Bald hoffe ich ihn wiederzusehen. Eure Güter sind ihm und mir empfohlen." – Ich bin frei, hier, und – Rinaldini ist mein Retter!
RINALDO Wehe mir! – Wehe Euch, dass ich es bin! Welcher Rechenschaft unterwerft Ihr mich und Euch!
Er stürzte, als er dieses sagte, aus dem Zimmer in die Galerie, hinweg über diese und hinab in den Garten. Leonore folgte ihm nach. Er hörte sie nicht ihm nachkommen. In einer Laube erreichte sie ihn, fasste ihn und forderte ihm sein Gewehr ab.
"O Leonore! Wie grausam seid Ihr!"
"Euer Gewehr!"
"Lasst doch den Unglücklichen sterben!"
"Ich forderte Euer Gewehr! Hier, bei uns, sollt Ihr nicht sterben."
"Nein!" – sagte befehlend eine starke stimme. – "Hier sollst du nicht sterben!"
Verlegen trat Leonore zurück, Rinaldo ging aus der Laube. Ein Mann warf den Mantel ab, und vor ihm stand der Alte von Fronteja.
"Wie?" – fragte Rinaldo bestürzt. – "Bist du auch hier bekannt?"
"Dem Menschen", – antwortete jener, – "gehört die Welt, und in diesem seinem Eigentum muss er allentalben bekannt, nirgends darf er unbekannt sein."
Jetzt trat der Graf in den Garten. Der Alte ging ihm entgegen, ergriff seine Hand und schüttelte sie traulich, so, wie man es mit alten Bekannten tut. Sie umarmten, küssten sich und gingen Hand in Hand den Garten hinauf.
Rinaldo sah den Alten bedeutend an und fragte:
"Kennt Ihr diesen Mann auch?"
"Der Bruder kennt ihn", – sagte Leonore. – "Ich weiss nicht, wer er ist. Wir nennen ihn nur den unbekannten Alten. Mein Bruder aber nennt ihn Nicanor. Nie hat er