von meinen Leuten alarmiert werden." Damit ritt er davon. Tolomeo und Lodovico folgten ihm. – Der Wachtmeister, ausser sich, griff nach den Pistolen. Lodovico schoss, ehe er gespannt hatte, und der Wachtmeister war verwundet. "Mord und Wetter!" – sagte Lodovico; – "Hauptmann! Du hast eine Gegenwart des Geistes, die dir ganz allein eigen ist. Das kann Cintio nicht, so entschlossen und brav er auch ist. – Glück hast du auch, wie keiner es hat, das ist nicht zu leugnen, aber die Augenblicke kannst du fassen, wie keiner sie fasst! Das ist es eben, was dich so gross macht!"
"Ja! Beim Teufel!" – fiel Tolomeo ein, – "Für einen solchen Mann lässt man sich mit Vergnügen totschlagen!"
"Viva Rinaldini!" – schrie Lodovico.
"Aber", – fuhr Tolomeo fort, – "Cintio wird sehr ins Gedränge kommen. Morgen rücken 600 Mann Soldaten und 800 Mann Miliz gegen ihn an. – Er muss Wind davon haben; denn diesen Morgen hat er sich eilig in die Berge zurückgezogen. – Und wie wollen wir nun zu ihm kommen?"
"Tolomeo", – sagte Rinaldo, – "du musst uns von jetzt an als eine Salvegarde gelten. – Ich bin ein Reisender; dich hat man mir zur Sicherheit mitgegeben: so sagst du, wenn wir wieder auf eine Patrouille stossen sollten, und bleibst in deinem Dragonerornat." "Sieh!" – lispelte Lodovico ihm zu, – "So weiss ein kluger Kopf jeden Umstand für sich und zu seinem Vorteil zu benutzen. Auch das macht unsern valoroso Capitano gross, beliebt und bewundert." Der Forst wurde erreicht. Lodovico suchte ein ihm bekanntes Plätzchen auf und scharrte versteckten Proviant und Wein aus der Erde.
"Dass Cintio", – sagte er, – "hier nicht einmal einen Vorposten zurückgelassen hat, das ist ein Beweis, dass er sich sehr weit zurückgezogen haben muss und dass er Wind von dem Generalangriffe hat. Sicher ist er über den Grango gegangen und zieht sich in seine haltbarsten Plätze, in die Berge bei Rocella und S. Domenicho, zurück. Dort haben wir einmal lange gesteckt, bis uns der Mangel an Proviant endlich aus den Löchern trieb. Damals wurden uns aber die Köpfe tüchtig gewaschen, und ich bekam auch einen Zirkumflex, der mir lange genug besalbt, beölt und beschmiert wurde."
Rinaldo sann nach. Endlich sagte er: "Gehen wir auf Rocella oder S. Domenicho zu, so sind wir in Gefahr, der Miliz in die hände zu geraten. rücken die Soldaten vor, so wird's uns im rücken leer, und rückwärts gehen wir dann sicherer als vorwärts. Dennoch möchte ich gern mit Cintio sprechen, ihn zur Loslassung des Grafen Lentini zu bewegen. Doch sehe ich auch ein, dass er jetzt, da er im Gebirge ist, ihn als Geisel recht wohl wird brauchen können. – Ich weiss also noch nicht recht, wozu ich mich entschliessen soll."
"Hauptmann!" – begann Tolomeo, – "Wie wär's, wenn du mich an Cintio mit mündlichen Aufträgen abschicktest: denn etwas Schriftliches von dir bei mir zu haben, das möchte wohl nicht gut sein. – Ich gelte für eine Ordonnanz, und so komme ich sicher durch die Milizen. Die Gräfin Lentini will ihren Gemahl auslösen, sie handelt und schickt mich an Cintio. Mit dieser Lüge komme ich bis zu ihm."
"Dein Vorschlag lässt sich hören! Er ist gut, klug, und wahrscheinlich ist es, dass du deinen Zweck erreichst."
Darüber wurde mehr gesprochen. Tolomeo wurde genau unterrichtet und machte sich auf den Weg. – Rinaldo nahm Lodovicos Rat an, im wald zu übernachten.
"Wir haben in diesem Forste eine unterirdische Höhle", – sagte er, – "die oft, wenn die Not gross war, unserer zwölf bis sechzehn Mann aufgenommen hat. Freilich logierten wir ein wenig eng, aber dennoch sicher."
Diese Höhle wollten sie aufsuchen. – Sie nahmen die Pferde bei den Zügeln und wanderten darauf zu.
Lodovico trat auf die verborgene Feder der mit Rasen belegten Falltür der Höhle. Sie gab nicht nach.
"Wetter!" – rief er aus, – "die Feder gibt nicht nach. Es sind Menschen in der Höhle. – Es müssen welche von den unsrigen sein."
Er legte sich auf die Erde, drückte das Ohr fest an den Boden und sagte:
"Ja, ja! In der Höhle stecken Menschen."
Darauf legte er sich an eine Fichte, zog den Dolch und gab das klingende Waldsignal, auf eine unter der Bande verabredete Art. – Die Falltür wurde gelüftet und eine stimme fragte heraus: "Wo wird getanzt, gekocht und getrunken?"
Lodovico antwortete schnell:
"Wir tanzen auf dem schloss, kochen auf dem Kirchplatze und trinken im Kämmerlein bei der Mutter Eva."
Dies waren fragen und Antworten, an denen man sich erkannte. Die Falltür hob sich. Eine stimme rief:
"Willkommen, Lodovico!"
"Wie, zum Teufel!" fragte dieser, – "kommt ihr denn in die Spelunke, da Cintio sich zurückgezogen hat? Wer steckt denn drunten?"
"Wir sind", – war die Antwort, – "verwundet zurückgeblieben. Claudiano und ich.