ansah:
"Nun fürchte ich nichts!"
Zwölftes Buch
Der Nebel flieht! Nun schaust du wieder
Hinaus in das bedrohte Land.
Was schlägt des Kühnen Hoffnung nieder?
Reicht sie dem Waller nicht Hand?
drei Bewaffnete verlangten, ins Schloss gelassen zu werden. – Rinaldo gab Befehl, sie einzulassen. Sie wurden in ein Zimmer geführt, in welchem sich Rinaldo allein befand. – Sie traten ein.
"Was" – fragte Rinaldo –, "führt die Herren zu uns?"
"Vielleicht" – antwortete der eine der Bewaffneten, – "ist leichter gefunden, als wir es glaubten, was wir suchen."
"Wieso?"
"Wir suchen einen Franziskaner –"
"So?"
"Der wenigstens wie ein Franziskaner aussieht und dem dieser Ring gehört."
"Wer sucht den Gesuchten?"
"Der, dem der Franziskaner diesen Ring geschickt hat. Cintio nennt sich der Suchende. – Und der, den wir suchen – Herr Pater! Cintio hat keine Dummköpfe abgesandt. Wir gelten etwas bei ihm, und zwei dovico nicht mehr kennen?"
Rinaldo trat rasch auf ihn zu, nahm ihn bei der Hand und sagte:
"Willkommen, Lodovico!"
"O!" – schrie dieser; – "Wär' doch unser Cintio hier!"
Es wurde von den Dienern Wein aufgetragen.
"Hier ist Wein!" jauchzte Lodovico. – "Noch zwei Dinge, und ich erkenne meinen Hauptmann ganz wieder: Ein Mädchen und eine Guitarre."
"Auch diese sind im schloss zu haben", lächelte Rinaldo.
Sie sprachen viel zusammen, und nach geleerten Flaschen zog Lodovico mit seinen Gesellen ab. Sie nahmen Rinaldos Begehren an Cintio schriftlich mit.
Gegen Abend kam Lodovico zurück, gab ein Paket an Rinaldo ab. Den folgenden Morgen trat dieser nicht mehr als Franziskaner, sondern so elegant, als einer der elegantesten Männer Siziliens gekleidet, in seiner wahren Gestalt, mit ungefärbtem Gesicht, ins gewöhnliche Gesellschaftszimmer. Leonore sprang verwunderungsvoll vom stuhl auf. Seufzend und errötend schlug Laura die Augen nieder. LEONORE Was ist das? – Herr Pater, welche Verwandlung?
RINALDO Die Kutte hatte mich verwandelt. Jetzt, schönes fräulein, sieht mich Euer holdes Augenpaar so, wie ich wirklich bin.
LEONORE Schwester! Was ist vorgegangen?
RINALDO Die schöne Leonore wünschte gestern sich, den kühnen Rinaldini zu ihren Füssen zu sehen. Ihr Wunsch ist erfüllt. Er liegt hier vor ihr und küsst ihre sanfte Hand!.
LEONORE Rinaldini?
LAURA Ja, Schwester! Er selbst.
LEONORE Ewiger Himmel! – Was soll ich sagen? – Wie kommt sie einem Traume so nahe, diese Wirklichkeit! – Rinaldini hier? Der Totgeglaubte lebend und zu meinen Füssen? – Steht auf! steht aufl Das Schrecken soll nicht vor mir liegen. Es hat mich ganz ergriffen. Meine Verlegenheit, meine Ängstlichkeit wächst mit jeder Sekunde.
RINALDO Nicht ängstlich, nicht verlegen! – Wir sprechen uns als gute Freunde jetzt – vielleicht zum letztenmal. – Überall hin verfolgt mich mein unglückliches Schicksal. Ich lebe noch – mir selbst zur Qual und zum Verderben. Für mich blühen in der Welt keine Blumen des Glücks mehr. Zurück will ich in meine Höhlen wandern, dort – winken meines Lebens Herrlichkeiten. Es ist kein Glück, der Mann zu sein, der ich bin!
LAURA Beklagenswerter, gefürchteter und doch guter Mann!
RINALDO Lebt wohl!
LEONORE Verlassen wollt Ihr uns?
RINALDO Darf ich hier bleiben? Mich sucht ein böses Schicksal allentalben auf. – Nur dort lebt es ruhig mit mir, wo Mord und Schrecken sich um meine Höhle lagern. – In diesen Höhlen darf ich, will ich an Euch denken. Und hört Ihr, vielleicht bald, Rinaldo ist gefallen: so schenkt mir eine Träne und wünscht mir Glück, dass ich gefallen bin.
LEONORE O Gott! und Rinaldini konnte ein Räuber werden?
RINALDO Wär' ich es nicht gewesen, ich würde nicht so sprechen, wie ich sprechen muss. – Lebt wohl!
LAURA Und mein Gemahl? –
RINALDO Ein zweites Rinaldinisches Stückchen werde Euch, damit Ihr, damit die Welt mich kennenlernt: Euer Gemahl soll frei sein. Meine Ankunft bei Cintio gibt ihm die Freiheit. Ich gebe darauf Euch mein Wort. Man weiss, dass ich mein Wort nicht breche.
LEONORE Grossmütiger Mann! Ach! geht zu den Räubern nicht zurück!
RINALDO Es bleibt mir keine Wahl.
LEONORE Grausames Geschick!
RINALDO Es fordert gebietend streng sein Opfer. Ich gebe es ihm selbst.
Da sprengte Lodovico in den Schlosshof, neben sich ein lediges, gesatteltes, schönes Pferd. – Rinaldo ergriff Leonorens Hand; er drückte sie mit einem tiefen Seufzer. Laura nahm seine Linke. Tränen standen in aller Augen. – Er machte schnell sich los, wollte seine arme öffnen, liess sie sinken und eilte aus dem Zimmer.
"Zu Rosse! zu Rosse!" – rief er Lodovico zu, warf sich aufs Ross und jagte schnell zum schloss hinaus, davon; Lodovico ihm nach. "Ist es doch", – sagte Lodovico, als endlich Rinaldo sein ermattetes Pferd anhielt, – "als wollten wir die ewige Ruhe erreiten, so jagen wir darauflos! Die armen Pferde haben es empfunden! – Hauptmann! Mir kam es vor, als flögen Euch ein paar schöne Augensterne nach, voran und zur Seite. Ein Zwillingsschein, so wie die Schiffenden ihn sehen! Nur