ihm den Weg nach Achi zu, in die Gebirge, und der metamorphosierte Freund wanderte seufzend von dannen. Kaum hatte er die Anhöhe erstiegen, als von dem Kastell zu Melazzo ein Kanonenschuss fiel; das Signal, die Tore zu sperren.
"Guter Amaro!" – seufzte Rinaldo und eilte weiter.
In der wohnung eines einsamen Bauerngutes wurde er (als Franziskaner, versteht sich) um Gottes willen gespeist und getränkt; ja, er erhielt auch noch Proviant mit auf den Weg. Damit wanderte er getrost weiter, und als er gegen Abend eine vom Wege etwas entlegene Kapelle der sieben Schmerzen nahe bei einer Quelle fand, entschloss er sich, hinter derselben zu übernachten.
Als er erwachte und seine Morgenandacht verrichtet hatte, ging er weiter. Schon hatte er Achi im Rükken und näherte sich dem Gebirgspasse, als er ganz unvermutet Gesellschaft bekam. – Von der Seite her kamen ein ehrwürdiger Kapuziner und ein artiges Harfenmädchen zu ihm.
"Wir beide", – sagte der Kapuziner nach den gewöhnlichen Begrüssungen – "wandern selbander: Ich ihr zum Schutz, Sie mir zur Aufheiterung; so wie uns das Ungefähr zusammenführte. – Nun aber, tres faciunt collegium! – Musik ist die Freude der Menschen und Heiligen. Ja, eine Harfe ist das Instrument, auf welchem selbst König David sich die Grillen vertrieb."
Rinaldo fragte, wohin die Wanderschaft gehe? Das Mädchen wollte, wie sie sagte, über Galati nach Scaletta gehen, der Pater aber gab Pezzolo als das Ziel seiner Reise an.
Da es eben Mittag war, wurde Platz bei einem Brunnen vor einem Pappelhaine genommen. Der Kapuziner öffnete seinen Brotsack und teilte mit, was er hatte. Der Brunnen lieferte den Tischtrunk.
"Nun, Annetta!" – sagte der Pater, – "spiele uns etwas."
Annetta ergriff die Harfe, spielte und sang dazu:
Um des Menschen Wiege wanken
Freud und Leid mit gleichem Schritt,
Sind die Amme seiner Tage,
Wandeln durch sein Leben mit.
Hüpft ihm Freude zu der Rechten,
Schwebt zur Linken ihm das Leid,
Bis sich beide selbst verlieren
In dem Ozean der Zeit.
Der Pater faltete die hände und seufzte. Rinaldo wollte sprechen, als Annetta präludierte. Sie spielte und sang:
Letze dich am Duft der Rosen,
Eh' sie welken und verblühn,
Lass der Liebe holde Blumen
Ungenossen nicht verglühn!
Freude senkt im Rosenschimmer
Sich auf die beblumte Flur
Folge ihrem Freudenrufe,
Folge ihrer sanften Spur!
Rosa stand vor Rinaldos Sinnen. Er sah sie mit der Guitarre singend in Wüsten und Einöden an seiner Seite sitzen, er hörte ihre stimme, dachte sich in vergangene zeiten und verlor sich in Betrachtungen. – Der Pater hatte sein Haupt gesenkt und entschlummerte. Annetta klimperte auf der Harfe. – Rinaldo kam endlich zu sich. Es entspann sich zwischen den Wachenden ein Gespräch. RINALDO Du kommst wohl aus Melazzo? ANNETTA Ich komme aus Rametta. RINALDO Wanderst du stets allein umher? ANNETTA Mein ältester Bruder begleitete mich. Er spielt eine schöne Geige. In Messina hat er sich bei einer Kapelle engagieren lassen. Nun gehe ich in meinen Geburtsort, nach Scaletta zurück und will meinen Jüngern Bruder, der die Flöte spielt, bereden, mit mir zu gehen. RINALDO Trägt dir dein Spielen etwas ein?
ANNETTA Ach ja! – Ich ernähre Vater und Mutter, die arm, alt und gebrechlich sind.
RINALDO Das ist brav!
ANNETTA Die Eltern haben mich ja auch ernährt, da ich noch nichts verdienen konnte.
Jetzt erwachte der Pater. Sogleich wurde aufgebrochen und weitergewandert.
Die Sonne sank, die Schatten wurden länger, rundherum wurde alles still; nur die geschäftigen Abendfliegen summten noch übers Feld; da erreichten sie ein einsames Wirtshaus. Hier nahmen sie Nachtquartier.
Der Tag brach an. Die Waller erwachten. Der Pater stimmte einen Morgengesang an, Rinaldo fiel ein und Annetta akkompagnierte mit der Harfe. – Die Wirtin war sehr erbaut von diesem Gesange und bat sich noch einen zweiten aus, womit, wie sie sagte, die Zeche bezahlt sein sollte. Ihr Wunsch wurde ihr sogleich gewährt, und sie trug sogar, dankbar, noch einen Krug Wein auf.
"Gott segne dich, du frommes Weib, die du die Wanderer labest und erquickst, und schenke dir für diesen irdischen, den du uns so freundlich gibst, dereinst den Wein der himmlischen Freude!" – sagte der Pater.
"Das gebe Gott; so spät wie möglich!" – seufzte die Wirtin mit gebrochenen, gegen Himmel erhobenen Augen.
Rinaldo sah in diese gebrochenen Augen, nicht ohne weltliche Rührung, und drückte ihr die Hand.
"Ach!" – sagte die Wirtin, – "wenn es Euch doch gefallen wollte, auch diesen Mittag, noch bei mir zu verweilen. Mein Mann ist nach Messina gegangen, ich erwarte seine Zurückkunft erst in einigen Tagen und ich bin gar nicht gern allein. Wenn nun solche frommen Männer bei mir bleiben wollten, so würde ich in sehr erwünschter Gesellschaft sein."
"Meine Stunden, liebe Frau, sind gezählt", – antwortete der Pater. – "Man erwartet meine Ankunft sehnlich zu Pezzolo."
"Was mich betrifft", – sagte Annetta, – "so blieb ich gern hier, wenn es in Gesellschaft geschehen könnte, einen Tag auszuruhen, denn ich bin sehr müde."
"Und Ihr, Herr Pater?" – fragte die Wirtin, indem sie sich