Antwort: "Dieses Eiland, auf welchem Ihr Euch befindet, heisst Alicudi, hat etwa fünfzehn Meilen im Umkreis, ernährt gegen achtundert Bewohner, ist eine der Liparischen Inseln und liegt achtundvierzig Meilen von Lipari entfernt, wohin Ihr aber noch heute kommen könnt, weil eine Barke dortin segelt und Wein holt."
Dieser gelegenheit bediente sich Rinaldo, liess sich nach Lipari führen und kehrte in dem Hospitio bei den Bernhardiner-Mönchen ein, die Reisende, weil es dort keine Gastöfe gibt, beherbergen.
"Wie?" – sprach er bei sich selbst, – "Wie? wenn du hier dich in das Gewand der frommen Einfalt und Verborgenheit hülltest? Wenn du bliebst unter diesen Mönchen?" Mit diesem Selbstgespräch, das er im Freien hielt, nahte er sich einem kleinen Landhause, das sehr romantisch mitten in einem Blumengarten lag. – Er ging auf dasselbe zu, dachte sich in seine Einsamkeit, nach Pantaleria, zurück und seufzte: "Dort war ich glücklich und durfte es nicht bleiben! – Ach Dianora! – O! ihr goldenen Tage meiner Ruh und meines Glücks! Warum entfloht ihr so schnell?" Da vernahm er Gesang, der aus den nahen Gebüschen ihm entgegentönte. Er lauschte und hörte:
Einsam wandl' ich hier, und weine,
Nur mein Gram begleitet mich!
Nicht im Sonn'- und Mondenscheine
Find ich Ruh, ach! Ruh für mich!
Die stimme kam näher. Aus den büsche trat die Sängerin. Rinaldo fuhr erbebend zurück. Sie schrie laut auf, als sie ihn erblickte, lehnte sich zitternd gegen einen Baum und stammelte mit gebrochener stimme: "Armer Geist! Was quält dich? Was bringt deine irdische Gestalt mir vor die Augen?"
ER Kein Geist! kein Geist! – Ich bin es selbst; bin wirklich hier.
SIE Kein Geist? – Kein Traum? – Kein Blendwerk?
ER Nicht Geist, nicht Traum, kein Blendwerk! – Ich lebe! Ich sehe dich! dich, die ich über alles liebe. Ich fasse deine Hand! –
SIE Du lebst?
ER Ich lebe und bin dein!
Er sprach's und schloss sie in seine arme. Ihre zitternden hände falteten sich auf seinem rücken und ihre Lippen stammelten:
"Gelobt sei Gott und die heilige Jungfrau; ich habe dich wieder, geliebter Unglücklicher! – Und du bist mein!"
"Dein! – dein auf ewig!"
Ich kann sie nicht schildern, diese Szene des glücklichen, unvermuteten Wiederfindens. Rinaldo umschlang entzückt seine geliebte Dianora und eilte mit ihr in ihre wohnung. "O Rinaldo!" – rief Dianora aus, – "und du entgingst dem tod? – Ich wähnte der Gerechtigkeit dich übergeben, öffentlich und mit Schande gemordet! Krank, jammernd und elend verliess ich Pantaleria und floh in die Einsamkeit dieses stillen Eilandes. Hier beweinte ich dich und wollte hier mein Leben beschliessen. Violanta, meine treue Gefährtin und Freundin, ist nach Sizilien gegangen, meine Angelegenheiten dort zu besorgen, aber dennoch bin ich hier nicht allein, und die glückliche Szene des Wiedersehens soll frohe Zeugen haben!" "Ist noch jemand hier, der mich kennt?" – fragte Rinaldo. "Ein Wesen ist noch hier, das dich nicht kennt, und dennoch ist es dir so nahe verwandt!" Sie ging, kam bald zurück und trug ein jähriges Knäbchen auf ihrem arme ihm entgegen. "Mein Kind!" – schrie Rinaldo und schloss es küssend, mit der Mutter, in seine arme. "Dein Kind! – Es lächelt dir entgegen. Es lallt den Namen Vater." "Die stimme des Blutes! – O! süsser Vatername! – O Weib, o Kind! – Jetzt bin ich glücklich!" "Bist du das?" – fragte eine rauhe stimme hinter ihm. Er drehte sich herum und trat erschrocken zurück. – Dianora sank mit einem lauten Schrei des Schreckens, das Kind umklammernd, aufs Sofa. – Mitten im Zimmer stand, in die bekannte Kleidung des Schreckens gehüllt, der korsische Kapitän, in der Tracht der Schwarzen, und lächelte höhnisch die Betroffenen an. "Kennst du mich?" – fragte er. Rinaldo schöpfte Atem, fasste sich und sprach: "Ich kenne dich, weil du mich kennst. Was willst du von mir? – Unsere Rechnung ist abgetan; ich habe nichts mit dir zu tun."
"Nichts?"
"Ich schenkte dir das Leben, als es in meiner Gewalt war."
"Ich hatte längst zuvor das deinige dir geschenkt."
"So sind wir dennoch quitt."
"Die Rechnung wird neu. – Du kennst doch diese Tracht, in der ich dir mich zeige? – Ich bin jetzt nicht mehr mein; ich gehöre denen an, die mich sandten."
"Was wollen sie von mir? Warum schleichen sie mir allentalben hin nach?"
"Sie tun, was dein Gewissen tut."
"Gott richte mich, nicht sie, nicht du, selbst der Sünder einer, wohl noch grösser als ich."
"Du rechtfertigst dich selbst? – Das darf nicht sein!"
"Furie, die mich quält, wie einst die Erinnyen folgten auf allen seinen Schritten dem fluchbelandenen Orest! – Weiche! – Wenn du mich auch in den Hütten des Raubes aufsuchtest, so solltest du doch an der friedlichen Hütte vorübergehen, an die der Engel