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"Gerechter Gott! – Warum das?"
"Man wollte ihnen das Geständnis ihres vermeinten Heidentums auspressen. – Bei Gott! Es ging den Meinigen, wie es ehemals in Frankreich den unschuldigen Tempelherren ging; aber ich war nicht zur Rolle eines Molay zu bringen! – – übrigens glaubt man in Sizilien, die Barke mit mir und dir und der königlichen Wache sei entweder untergegangen oder von einem Meerräuber in den Grund gebohrt worden."
Nach einer Pause fuhr der Alte lächelnd weiter fort:
"Meine ganze Krata Repoa, alle dazugehörigen Dekorationen und Bücher, befinden sich im heiligen Inquisitionsgericht; als Studium wahrlich nicht! – Ich las zu Palermo und zu Messina gedruckte, öffentlich angeschlagene Aufhebungen des Preises auf deinen Kopf; – hier ist ein Exemplar! –, weil Rinaldini von den Wellen verschlungen worden sei. – Doch werden vermutlich bald neue Preise ausgesetzt werden, denn Cintio und Luigino, an der Spitze eines starken Korps, treiben es in Sizilien ein wenig arg."
"Wie? – Cintio? Luigino?" –
"Was du tatst, bleibt gegen das, was diese tun, nur Spielwerk."
"Wohl mir! – Wie steht's um das Unternehmen auf Korsika?"
"Aufgeschoben ist nicht aufgehoben."
"Wo lebt Dianora?"
"Geh in die Welt; du wirst sie finden."
"Und was treibst du jetzt?"
"Handel. – Als Kaufmann durchschiffe ich die Meere und werde reich."
Noch sprachen sie, als zwei Kanonenschüsse fielen und die Ankunft eines schiffes verkündigten. – Onorio und der Alte verliessen die Klause. – Bald kamen sie zurück, und der Alte sagte:
"Rinaldo, ein sizilianisches Schiff ist angekommen, es hat im Sturm gelitten, man will es ausbessern. Der Kapitän spricht davon, einige Tage hier zu verweilen. Mein Schiff geht in die See. – Willst du mit mir gehen?"
Onorio fiel ihm um den Hals und stammelte: "Folge deinem Freunde! Lass mich allein hier ruhig sterben."
"Ich fühle, was du sagen willst!" – stammelte Rinaldo wehmütig. – "Ja! Du sollst ruhig sterben. Lebe wohl! – O! Onorio, wie sehr drückt die Last deiner freundlichen Bitte mich nieder! – Ich fühle, was ich bin, was ich dir und allen Menschen sein muss. – Fort in die Welt! Fort aus der Welt, zu meinen Räubern! – Alter! – Ich folge dir." Der Morgen war schön. Das Schiff durchschnitt die See. – Rinaldo stand auf dem Verdeck, überflog mit suchenden Blicken das Meer und rief endlich seufzend aus: "O! Es ist ein schöner Morgen!" Der Alte fiel sogleich ein: "Ein schöner Morgen! Er lächelt dir und mir und uns allen! – Was der Mensch an den Tageszeiten Schönes geniessen kann, geniesst er des Morgens und des Abends, beim Kommen und Scheiden des Tages. – So ist es auch mit dem Menschen. Sein Morgen und sein Abend lehrt ihn uns kennen und schätzen. Im Kommen und Scheiden kennt er keine Verstellung. In der Mitte seines Lebens nur wirft die Zeit ihm trügerische Schleier über. – 'Unser Abend sei heiter!' Ein schöner Wunsch! – Gott gebe uns allen seine Erfüllung!"
Als die Wellen das schwankende Schiff in die See trugen, flimmerten nur wenige Sterne noch am Himmel. – Auch diese verschwanden. – Schon brachen die ersten Strahlen des Tages durch des himmels bläulichen Schleier; die Nacht zog gegen Westen sich zurück, und die flüchtigen Schatten folgten ihr nach.
Im Osten wurde der Himmel immer röter. Leuchtende Strahlen durchschossen die reine Luft und überzogen das bläuliche Gewölbe mit purpurnen Streifen.
Rinaldo stand, in sich selbst verloren, noch auf dem Verdeck; blickend gegen Himmel, mit feuchten Augen. Sein Gefühl war ein stummes Morgengebet. – Ihn beobachtend stand der Alte neben ihm.
Stärker wurde die Erhellung, lichter wurden die Farben. – O! welch ein herrliches Schauspiel öffnete sich den Blicken. Tausend goldene Strahlenflammen fuhren von einem einzigen Mittelpunkt aus und zerteilten sich in der Luft. – Ganz Osten stand in Feuer.
"Rinaldo! siehst du das?" – fragte rasch der Alte.
"Ich sehe und fühle", – antwortete er mit sehr bewegter stimme.
Jetzt trat die Sonne hervor. Ihre strahlende Scheibe schwebte über dem Horizont. Einen Augenblick schien sie noch auf dem Meere, wie auf einem Trone zu ruhen, – und nun erhob sie sich, in all ihrer klarheit und Pracht, die glänzende Königin des himmels. – Wie prächtig sie sich über das wasser erhob! Wie vielfach aus den Wellen ihr glänzendes Bild zurückstrahlte! – Da stand sie nun, die leuchtende Sphäre, die mit ihrer klarheit die Welt erfüllt, umgeben mit flammender Pracht!
Von einem unwillkürlichen Gefühl ergriffen, wie von einem elektrischen Schlage getroffen, stürzte Rinaldo auf die Knie, erhob die hände, und stammelte:
"Grosses Licht des himmels! Wie oft sahst du den Räuber auf blutbespritzten Pfaden, wie oft drang dein blick in seine, menschlichen Augen verborgene Winkel! – O! blicke in mein Herz, und sieh, was ich leide!"
Rasch riss der Alte ihn auf, ihn unterbrechend, und sagte:
"Sieh, Freund, schon vermagst du es nicht mehr, ohne Fernrohr, Lampidosa zu erblicken. Die Insel liegt hinter