den Seinigen abwenden? Oder ging er vielleicht davon, als er erfuhr, was im Werke sei?
SIE Daran zweifle ich.
ER Wird er seine Freunde retten können? Oder ist nun das Schauspiel seiner Taschenspielereien geendigt?
SIE Ich weiss nicht, was er tun wird. – Gewiss aber etwas sehr Kluges und für ihn das Beste. – Ein so gewandter Mann und kluger Kopf.
ER Glaubst du ihn, dich und mich auf diesem Eiland sicher?
Da trat der Alte von Fronteja in das Zimmer. Er schien ganz ruhig zu sein, nahm Olimpien bei der Hand und hiess sie willkommen. Olimpia sah ihn verlegen an. Er lächelte.
DER ALTE Tochter, du bist verlegen?
OLIMPIA O! Du weisst nicht –
DER ALTE Ich weiss, warum du hier bist; ich weiss, was in Sizilien vorgeht.
OLIMPIA Und kannst dabei so ruhig sein?
DER ALTE Ich kann es nicht ändern.
OLIMPIA Und du gibst das Unternehmen auf Korsika verloren?
DER ALTE Was glaubst du? – Ich bin bereit, nach Korsika abzugehen.
OLIMPIA Doch? nach dem noch, was geschehen ist?
DER ALTE Warum nicht? – Willst du mir nicht dahin folgen?
OLIMPIA Und unsere Freunde? –
DER ALTE Sie werden uns bald nachkommen.
OLIMPIA Aber die Verhafteten? – Wirst du diese Freunde befreien können?
DER ALTE Du wirst sehen, was geschieht.
OLIMPIA Sind wir hier sicher?
DER ALTE Nein. – Deshalb segle ich von hier ab.
RINALDO Kannst du das Unglück von den Deinigen nicht abwenden?
DER ALTE Dein ist die Schuld, dass geschah, was geschehen ist. Wärst du in Sizilien geblieben, wir wären jetzt schon in Korsika. Du trägst die Schuld des Unglücks, welches über deine Freunde kommt. Dein Verschwinden machte sie schwierig, die Abfahrt musste aufgeschoben werden, ich musste nach Pantaleria gehen, dich aufzusuchen, und unsere Freunde wurden ergriffen. Die Französische Partei triumphiert. Die Schwarzen frohlocken. Mich sollen sie, wenn ich nicht will, nicht in ihre Gewalt bekommen, aber dich werden sie aufsuchen und werden dich ohnmächtig, ohne Beistand, im schwachen Arm der Liebe finden. Das Rad deiner Taten ist abgelaufen. Deine Freunde sind nicht mehr mächtig genug, dich zu schützen. Du fällst; ein Opfer deiner Unbesonnenheit. – Aber was ich noch in den letzten Augenblicken deines Lebens für dich tun kann, werde ich, selbst mit Aufopferung meiner eigenen Sicherheit, für dich tun. Du sollst erfahren, wie sehr ich dein Freund war und noch bin.
RINALDO Gibst du mich so ganz gewiss und zuverlässig verloren?
DER ALTE Ich kann nicht anders. – Du, Olimpia, wirst wissen, was dir die Klugheit raten muss.
Er ging davon und liess beide verlegen und bestürzt zurück. – Rinaldo fragte Olimpien, was sie zu tun gedenke?
"Ich folge dem Alten."
Rinaldo verliess sie und ging zu Dianoren. – Er entdeckte ihr, was sie von der geschichte, die ihn jetzt in Verlegenheit brachte, wissen durfte, und beredete sie, die Villa zu verlassen, sobald es sich schicken würde. Er selbst ging zu seiner alten Wirtin und bezog sein verlassenes Quartier wieder.
Mit Tagesanbruch eilte er an den Strand und war endlich so glücklich, eine Fischerbarke zu finden. Man versprach ihm, binnen drei Tagen ihn auf die Insel Limosa zu bringen, wenn die Barke nötig ausgebessert sein würde.
Bis dahin gedachte er, sich auf dem Meierhofe des Bruders seiner Wirtin aufzuhalten, der drei Meilen von der Villa entfernt lag. Dianoren schrieb er und bat sie, ohne aufsehen zu erregen mit Violanten die Villa zu verlassen und zu ihm zu kommen.
Er selbst durchspürte die Gegend und sah sich vorsichtig nach einem Schlupfwinkel um. Er entdeckte einige Felsenhöhlen, besah, durchsuchte sie genau und fand sie sehr bequem, sich drinnen verborgen zu halten. Deshalb schaffte er auch Proviant und Gewehr dahin.
Er hatte eben seinen aufgesuchten Schlupfwinkel verlassen und ging nach seiner wohnung zurück, als er seitwärts, zwischen den Hügeln, eine weisse, weibliche, verschleierte Gestalt hinschweben sah, die, ihrer Kleidung nach, kein Landmädchen sein konnte.
Dies machte ihn aufmerksam. – Er folgte ihren Schritten und kam ihr endlich in der Ebene ganz nahe. Sie ging auf eine Villa zu, wo ihr ein einfach, aber nicht ländlich gekleideter Mann entgegenkam, sie bei der Hand nahm und in das Haus führte. Rinaldo ging der Villa näher und traf ein Mädchen an, das Gras mähte. Dieses fragte er: "Gehörst du in die Villa?" "Ja", antwortete das Mädchen. "Der Herr und die Dame, welche eben jetzt in die Villa gingen, sind wohl deine herrschaft?" "Ja." "Wie heissen sie?" "Das weiss ich nicht." "Wie ist das möglich?" "Weil ich es, wie gesagt, nicht weiss." "Wer sind sie?" "Das weiss ich auch nicht." "Bist du auf dieser Insel geboren?" "Ja, in jener Villa, wo mein Vater Gärtner ist." "Und deiner herrschaft gehört die Villa?" "Nein. Sie gehört dem Signor Mandramo in der Stadt. Der ist gar ein reicher Herr und hat die Villa an meine jetzige herrschaft vermietet." "Ist deine herrschaft schon lange hier?" "Die Pomeranzenbäume haben schon zweimal geblüht, seit sie hier wohnt