dass du mir dein Leben schuldig bist.
RINALDO Du nimmst es mir, wenn du mich meinem stillen Aufentalte entreissen willst. Ich gehe nicht von hier.
DER ALTE Nun gut! So mögen jene Zweifler hierherkommen und dich selbst noch am Leben auf Pantaleria sehen. – Ich kann mir nicht anders helfen!
RINALDO Rechne nicht darauf. Ich kann weitergehen.
DER ALTE Wohin, dass ich es nicht erfahren würde?
RINALDO O Gott! Wie konntest du mich den Händen eines solchen Mannes übergeben? – Alter! – Wie du auch heissen, wer du auch sein magst! – Ist dir je das Glück, die Ruhe eines Menschen heilig gewesen, so sei barmherzig gegen mich und lass mich ruhig in meiner Einsamkeit.
DER ALTE Das will ich. Aber meine Ehre musst du retten und mich von einem falschen Verdacht reinigen, der mich mit Schande brandmarkt. Habe ich das um dich verdient? – Soll ich den Verdacht eines Mordes an deinem Leben auf mir sitzenlassen? Sollen wir deshalb unser ganzes Unternehmen scheitern sehen und die edlen von Korsien umsonst auf versprochene Hilfe harren lassen? – Das kannst du nicht verlangen! – Zeige dich deinen Freunden, und dann gehe, wohin du willst.
RINALDO Wenn ich wüsste – dass das, was du von mir forderst, mir Ruhe verschaffen könnte! –
DER ALTE Du wirst deine Ruhe allentalten hin mit dir selbst nehmen, wenn du welche hast. Was du nicht hast, kannst du nirgendhin verpflanzen.
RINALDO Ich hatte Ruhe, bis du nun wiedergekommen bist, sie mir neidisch zu rauben. – Aber wie konntest du das? Bist du wirklich ein guter Mensch, und hast du uneigennützig mir das Leben einigemal gerettet, so begreife ich nicht, wie du einem Unglücklichen das wieder rauben konntest, was ihm der Himmel gab und was ihm mehr wert ist als das elende Leben, das du ihm als Geschenk vorwirfst! – Ich folge dir nach Sizilien.
DER ALTE Meine Dankbarkeit soll dir beweisen, was ich für dich tun kann.
RINALDO Deine Ehre, die Expedition nach Korsika, und dich von dem Verdacht eines Meuchelmords zu retten, folge ich dir nach Sizilien. Aber heute noch nicht.
DER ALTE Du hast zwei Tage Zeit. – Übermorgen sprechen wir uns an diesem Orte wieder.
Der Alte ging schnell davon und verlor sich bald hinter dem Hügel auf dem Wege nach der Stadt zu.
Rinaldo war, nach langem Überlegen, entschlossen, den Alten zu hintergehen und nicht mit ihm nach Sizilien zu reisen. Er entdeckte Dianoren, was ihr in dieser Angelegenheit zu entdecken war, und erzählte ihr, soviel sie davon wissen durfte, alle seine begebenheiten, auf welche der Alte Einfluss gehabt hatte. Dianora wurde ängstlich und stimmte Rinaldos Entschlusse bei. Nur war die Verlegenheit um ein Fahrzeug, welches sie auf eine von den nahegelegenen Inseln und von dort nach Malta bringen sollte, sehr gross.
Sie sprachen noch darüber, als ein Brief aus der Stadt von dem Herrn der Villa an Dianoren ankam. Er meldete ihr, dass noch diesen Abend eine Dame mit ihrer Kammerjungfer auf der Villa eintreffen werde, welche in dem Seitengebäude derselben ihre wohnung nehmen würde, und die er ihrer Freundschaft empfahl.
Die Nachricht veränderte nichts in ihrem Plane. Rinaldo ging aus, um ein Fahrzeug aufzusuchen, kam wieder zurück und hatte keins angetroffen.
Gegen Abend kam die angekündigte Dame an. Sie liess Dianoren ihre Ankunft wissen und kam gleich darauf selbst, ihre Bekanntschaft zu machen. Rinaldo wollte eben das Zimmer verlassen, als sie kam, sie begegneten einander. Er sah die wohlbekannte Signora Olimpia. – Das Mädchen, welches sie als Kammerjungfer bei sich hatte, war Serena. Die Gegenwart dieser Personen in der bisher so ruhigen Villa setzte Rinaldo in eine ziemlich lebhafte Verlegenheit. Olimpia spielte in Dianorens Gegenwart gegen Rinaldo die Rolle einer Unbekannten ziemlich natürlich. Er wurde von ihr mit keiner Silbe kompromittiert. Serena aber wusste nichts von Verstellung und wurde, als sie Rinaldo in der Antichambre erblickte, ziemlich lebhaft. Sie bestürmte ihn mit fragen und mischte sogar kleine Vorwürfe in ihre Bitten. Der Verlegenheit öffentlicher Erklärungen entging Rinaldo nur mit genauer Not.
Olimpia, als ihr Besuch bei Dianoren geendigt war, suchte gelegenheit, ihren verlegenen Bekannten allein zu sprechen, und diese fand sich auf ihrem Zimmer.
Rinaldo suchte sie selbst auf. Er wünschte durch vorläufige Erklärungen ihrem beiderseitigen Verhalten gegeneinander wenigstens eine gefällige Richtung geben zu können. Es wurde viel gesprochen und kam nach und nach zu einer lebhaften Unterhaltung.
ER Der Alte gab mir die Versicherung, nur er ganz allein wisse, unter allen meinen Bekannten, dass ich hier sei.
SIE Das glaube ich auch. Wenigstens ich habe davon kein Wort gewusst. Mein Erstaunen, als ich dich hier fand, kannst du dir denken. Ich denke aber mich so betragen zu haben, dass du keine Klage über mich zu führen hast.
ER Und was trieb dich nach Pantaleria?
SIE Not und Vorsicht. – Die Hälfte von meinen Freunden und Bekannten ist verhaftet.
ER Verhaftet?
SIE Auf Ansuchen des französischen Gesandten zu Neapel. Wir sind verraten und unser Plan auf Korsika ist entdeckt.
ER Wie? – Was sagst du? –
SIE Die Wohnungen des Alten zu Fronteja sind mit Wachen besetzt und seine Jünger sind verhaftet. Er selbst weiss davon noch nichts. Ich bringe ihm die erste schreckliche Nachricht von der Verräterei gegen uns.
ER Konnte der mächtige Alte diesen Schlag nicht von sich und