die so wie du lieben kann. So wie du ist ein grösseres Wort als alle Superlative. – Wie kannst du nur meine Worte loben, da ich, ohne es zu wollen, welche traf, die dich so verletzen mussten? Ich möchte sagen, ich schreibe zu gut, um dir sagen zu können, wie mir im innersten Gemüt ist. Ach Liebe! glaube es nur, dass keine Frage in dir ohne Antwort in mir ist. Deine Liebe kann nicht ewiger sein als die meinige. – Köstlich ist aber deine schöne Eifersucht auf meine Fantasie und ihre Wutbeschreibungen. Das bezeichnet recht die Grenzenlosigkeit deiner Treue, lässt aber doch hoffen, dass deine Eifersucht nahe daran sei, in ihrem eignen Übermass sich selbst zu zernichten.
Es bedarf nun dieser Art von Fantasie – der geschriebenen – nicht mehr. Ich werde bald bei dir sein. Ich bin heiliger, ruhiger wie sonst. Ich kann dich im geist nur anblicken und stets vor dir stehen. Du fühlst alles ohne dass ich's sage, und glühst freudig halb den geliebten Mann halb das Kind im Herzen. Weisst du noch, wie ich dir schrieb, keine Erinnerung könne dich mir entweihen, du seist ewig rein wie die heilige Jungfrau von unbeflecktem Empfängnis, und nichts fehle dir zur Madonna wie das Kind?
Nun hast du es, nun ist es da und wirklich. Bald trage ich ihn auf dem Arm, bald erzähle ich ihm Märchen, bald unterrichte ich ihn sehr ernstaft, bald gebe ich ihm gute Lehren, wie der junge Mensch sich in der Welt zu betragen hat.
Und dann kehrt mein Geist wieder zurück zur Mutter, ich gebe dir einen unendlichen Kuss, ich sehe wie sich dein Busen sehnend hebt, und fühle wie sich's unter deinem Herzen geheimnisvoll regt. Wenn wir nur erst wieder beisammen sind, wollen wir unsrer Jugend ganz eingedenk sein, und ich will die Gegenwart heilig halten. Wohl hast du recht: Eine Stunde später ist unendlich viel später.
Es ist hart, dass ich eben jetzt nicht bei dir sein kann! Ich beginne aus Ungeduld viel Närrisches. Ich streife fast von Morgen bis Abend umher in der herrlichen Gegend; ich eile als ob es wunder wie notwendig wäre, und gerate endlich an einen Ort, wohin ich am wenigsten wollte. Ich gebärde mich als ob ich heftige Reden hielte; ich glaube allein zu sein und bin plötzlich unter Menschen; und muss dann lächeln, wenn ich bemerke, wie abwesend ich war. Auch schreiben kann ich nicht lange und will nur bald wieder hinaus, den schönen Abend an den Ufern des ruhigen Stroms zu verträumen.
Heute habe ich unter andern auch vergessen, dass es Zeit war, den Brief abzusenden. dafür erhälst du nun desto mehr Verwirrung und Freude. Die Menschen sind wirklich sehr gut mit mir. Sie verzeihn es mir nicht nur, dass ich so oft keinen teil nehme und dann mit einemmale ihr Gespräch auf eine sonderbare Art unterbreche: sie scheinen sich sogar in der Stille an meiner Freude herzlich zu freuen. Besonders Juliane. Ich sage ihr nur weniges von dir, aber sie hat viel Sinn dafür und errät das übrige. Es gibt doch nichts Liebenswürdigeres als das reine uneigennützige Wohlgefallen an der Liebe!
Ich glaube freilich, ich würde jetzt meine Freunde hier lieben, wenn sie auch weniger vortreffliche Menschen wären. Ich fühle eine grosse Veränderung in meinem Wesen: eine allgemeine Weichheit und süsse Wärme in allen Vermögen der Seele und des Geistes, wie die schöne Ermattung der Sinne die auf das höchste Leben folgt.
Und doch ist's nichts weniger als Weichlichkeit. Vielmehr weiss ich, dass ich alles was meines Berufs ist, von nun an mit grösserer Liebe und frischer Kraft treiben werde. Ich fühlte nie mehr Zuversicht und Mut, als Mann unter Männern zu wirken, ein heldenmässiges Leben zu beginnen und auszuführen und mit Freunden verbrüdert für die Ewigkeit zu handeln.
Das ist meine Tugend; so ziemt es mir, den Göttern ähnlich zu werden. Die deinige ist es, gleich der natur als Priesterin der Freude das Geheimnis der Liebe leise zu offenbaren und in der Mitte würdiger Söhne und Töchter das schöne Leben zu einem heiligen fest zu weihen. Ich mache mir oft sorge über deine Gesundheit. Du kleidest dich gar zu leicht und liebst die Abendluft! Das sind gefährliche Gewohnheiten, die du wie manche andre ablegen musst.
Denke, dass eine neue Ordnung der Dinge für dich beginnt. Bisher hiess ich deinen Leichtsinn schön, weil er an der Zeit war und zum Ganzen stimmte. Ich fand es weiblich, wenn du mit dem Glück scherzen, und alle Rücksichten zerreissen und ganze massen deines Lebens oder deiner Umgebung vernichten konntest.
Nun ist aber etwas da, worauf du immer Rücksicht nehmen, worauf du alles beziehen wirst. Nun musst du dich allmählich zur Ökonomie bilden, versteht sich im allegorischen Sinn. In diesem Brief geht alles recht bunt durcheinander, wie im menschlichen Leben Gebet und Essen, Schelmerei und Entzücken. Nun gute Nacht. – Ach warum kann ich nicht wenigstens im Traume bei dir sein, wirklich mit dir und in dir träumen! Denn wenn ich bloss von dir träume, ist's doch immer nur allein. – Du willst wissen, warum du nicht von mir träumst, da du doch so viel an mich denkst? Liebe! schweigst du nicht auch oft lange über mich? Amaliens Brief hat mir grosse Freude gemacht. Freilich sehe'