. – Wenn du anfängst zu moralisieren, lieber Freund, so könnten wir eben so gut wieder zurückgehen. Lieber gebe ich dir noch einen Kuss und laufe voran. – O fliehen Sie nicht so schnell Lucinde, die Moral wird Sie doch nicht einholen. Du wirst fallen, Liebe! – Ich habe dich nicht länger warten lassen wollen. Nun sind wir ja da. Und du bist auch eilig. – Und du sehr gehorsam. Aber jetzt ist nicht Zeit zu streiten. – Ruhig, ruhig! – Siehst du, hier kannst du weichlich ruhn und wie es recht ist. Nun wenn du diesmal nicht... so hast du gar keine Entschuldigung. – Wirst du nicht wenigstens erst den Vorhang niederlassen? – Du hast recht, die Beleuchtung wird so viel reizender. Wie schön glänzt diese weisse Hüfte in dem roten Schein!... Warum so kalt, Lucinde? – Lieber, setze die Hyacinten weiter weg, der Geruch betäubt mich. – Wie fest und selbstständig, wie glatt und fein! Das ist harmonische Ausbildung. – O nein, Julius! lass, ich bitte dich, ich will nicht. – Darf ich nicht fühlen, ob du glühst wie ich? O so lass mich doch die Schläge deines Herzens lauschen, die Lippen in dem Schnee des Busens kühlen!... Kannst du mich wegdrücken? Ich werde mich rächen. Umarme mich fester, Kuss gegen Kuss; nein! nicht mehre, einen ewigen. Nimm meine Seele ganz und gib mir deine!... O schönes herrliches Zugleich! Sind wir nicht Kinder? Sprich doch! wie konntest du nur erst so gleichgültig und kalt sein, und nachher wie du mich endlich fester an dich zogst, machtest du in demselben Augenblick ein Gesicht, als wenn dir etwas weh täte, als ob es dir leid wäre, dass du meine Glut erwidertest. Was ist dir? du weinst? Verbirg nicht dein Gesicht! Sieh mich an, Geliebte! – O lass mich hier an dich liegen, ich kann dir nicht in die Augen sehen. Es war recht schlecht von mir, Julius! Kannst du mir verzeihen, du liebenswürdiger Mann! Wirst du mich nicht verlassen? kannst du mich noch lieben? – Komm zu mir, mein süsses Weib! hier an meinem Herzen. Weisst du noch neulich, wie schön es war, wie du in meinen Armen weintest? wie leicht dir wurde? Aber sprich nun auch, was ist dir, Liebe? bist du böse auf mich? – Auf mich bin ich böse. Ich könnte mich schlagen... Dir freilich wäre ganz recht geschehen; und wenn Sie sich künftig wieder einmal ehemännlich betragen, mein Herr! so werde ich schon besser dafür sorgen, dass Sie mich auch wie eine Ehefrau finden sollen. Darauf kannst du dich verlassen. Ich muss lachen, wie es mich überrascht hat. Aber bilden Sie sich nur nicht ein, mein Herr, dass du so unmenschlich liebenswürdig bist. Diesmal war es eigner Wille, dass ich meinen Vorsatz brach. – Der erste und der letzte Wille ist immer der beste. dafür, dass die Frauen meistens weniger sagen, als sie meinen, tun sie bisweilen mehr als sie wollen. Das ist nicht mehr als billig: der gute Wille verführt euch. Der gute Wille ist etwas sehr gutes, aber das ist schlimm an ihm, dass er immer da ist, auch wenn man ihn nicht will. – Das ist ein schöner Fehler. Aber ihr seid voll von bösem Willen und verstockt euch darin. – O nein! wenn wir verstockt scheinen, so ist's bloss weil wir nicht anders können und also nicht böse. Wir können nicht, weil wir nicht recht wollen; es ist also nicht böser Wille, sondern Mangel an Willen. Und an wem liegt da wieder die Schuld als an euch, dass ihr uns nicht mitteilen wollt von eurem Überfluss, und den guten Willen allein behalten wollt? übrigens ist's ganz wider Willen gesehen, dass ich hier so in den Willen geraten bin, und ich weiss selbst nicht was wir damit wollen. Indessen ist's immer besser, wenn ich mein Mütchen an einigen Worten kühle, als wenn ich das schöne Porzellan zerschlüge. Bei dieser gelegenheit habe ich mich doch von meinem ersten Erstaunen über Ihr unerwartetes Patos, Ihre vortreffliche Rede und Ihren rühmlichen Vorsatz etwas erholen können. In der Tat ist dies einer der seltsamsten Streiche von denen, die Sie mir die Ehre verschafft haben kennen zu lernen; und so viel ich mich erinnern kann, haben Sie schon seit einigen Wochen bei Tage nicht in so gesetzten und vollen Perioden geredet, wie in Ihrer gegenwärtigen Predigt. Ist es Ihnen gefällig, Ihre Meinung in Prosa zu übersetzen? – Hast du den gestrigen Abend und die interessante Gesellschaft wirklich schon ganz vergessen? Freilich, das wusste ich nicht. – Also darüber bist du böse, weil ich zu viel mit Amalien gesprochen habe? – Sprechen Sie doch so viel Sie wollen und mit wem Sie wollen. Aber artig sollst du mir begegnen, das will ich haben. – Du sprachst so sehr laut, der Fremde stand gleich daneben, ich war ängstlich und wusste mir nicht anders zu helfen. – Als unartig zu sein, weil du ungeschickt warst? – Verzeih mir nur! Ich bekenne mich schuldig, du weisst wie verlegen ich mit dir in Gesellschaft bin