jeder hatte seine eigne Manier, eine auffallende Originalität des Gesichts, und alle hatten irgend eine Ähnlichkeit von dem Teufel der christlichen Maler oder Dichter; man hätte sie Satanisken nennen mögen. Einer der kleinsten sagte: "Wer nicht verachtet, der kann auch nicht achten; beides kann man nur unendlich, und der gute Ton besteht darin, dass man mit den Menschen spielt. Ist also nicht eine gewisse ästetische Bosheit ein wesentliches Stück der harmonischen Ausbildung?" "Nichts ist toller," sagte ein andrer, "als wenn die Moralisten euch Vorwürfe über den Egoismus machen. Sie haben vollkommen unrecht: denn welcher Gott kann dem Menschen ehrwürdig sein, der nicht sein eigner Gott ist? Ihr irrt freilich darin, dass ihr ein Ich zu haben glaubt; aber wenn ihr indessen euren Leib und Namen oder eure Sachen dafür haltet, so wird doch wenigstens ein Logis bereitet, wenn etwa ja noch ein Ich kommen sollte." – "Und diesen Prometeus könnt ihr nur recht in Ehren halten," sagte einer der grössten; "er hat euch alle gemacht, und macht immer mehrere eures gleichen." – In der Tat warfen auch die Gesellen jeden neuen Menschen, so wie er fertig war, unter die Zuschauer herab, wo man ihn sogleich gar nicht mehr unterscheiden konnte, so ähnlich waren sie alle. "Er fehlt nur in der Metode!" fuhr der Satanikus fort: "Wie kann man allein Menschen bilden wollen? Das sind gar nicht die rechten Werkzeuge." Und dabei winkte er auf eine rohe Figur vom Gott der Gärten, die ganz im Hintergrunde der Bühne zwischen einem Amor und einer sehr schönen unbekleideten Venus stand. "Darin dachte unser Freund Herkules richtiger, der funfzig Mädchen in einer Nacht für das Heil der Menschheit beschäftigen konnte, und zwar heroische. Er hat auch gearbeitet und viel grimmige Untiere erwürgt, aber das Ziel seiner Laufbahn war doch immer ein edler Müssiggang, und darum ist er auch in den Olymp gekommen. Nicht so dieser Prometeus, der Erfinder der Erziehung und Aufklärung. Von ihm habt ihr es, dass ihr nie ruhig sein könnt, und euch immer so treibt; daher kommt es, dass ihr, wenn ihr sonst gar nichts zu tun habt, auf eine alberne Weise sogar nach Charakter streben müsst, oder euch einer den andern beobachten und ergründen wollt. Ein solches Beginnen ist niederträchtig. Prometeus aber, weil er die Menschen zur Arbeit verführt hat, so muss er nun auch arbeiten, er mag wollen oder nicht. Er wird noch Langeweile genug haben, und nie von seinen Fesseln frei werden." Da dies die Zuschauer hörten, brachen sie in Tränen aus, und sprangen auf die Bühne um ihren Vater der lebhaftesten Teilnahme zu versichern; und so verschwand die allegorische Komödie.
Treue und Scherz
Du bist doch allein Lucinde? – Ich weiss nicht... vielleicht... ich glaube – Bitte, bitte! liebe Lucinde. Weisst du wohl wenn die kleine Wilhelmine, Bitte, bitte! sagt, und man tut's nicht gleich, so schreit sie's immer lauter und ernstafter, bis ihr Wille geschieht. – Also das hast du mir sagen wollen, darum stürzest du so ausser Atem ins Zimmer und hast mich so erschreckt? – Sei nicht böse, süsses Weib! o lass mich, mein Kind! du Schöne! mach mir keine Vorwürfe, gutes Mädchen! – Nun, wirst du noch nicht bald sagen: schliess die Türen zu? – So?... Gleich will ich dir antworten. Nur erst einen recht langen Kuss, und wieder einen, dann noch einige und viele andre mehr. – O, du musst mich nicht so küssen wenn ich vernünftig bleiben soll. Das macht böse Gedanken. – Die verdienst du. Kannst du wirklich lachen, meine verdriessliche Dame? Wer hätte das denken sollen! aber ich weiss wohl, du lachst bloss weil du mich auslachen kannst. Aus Lust tust du es nicht. Denn wer sah nur eben so ernstaft aus wie ein römischer Senator? Recht entzückend hättest du aussehen können, liebes Kind! mit deinen heiligen dunklen Augen, mit deinen langen schwarzen Haaren im glänzenden Widerschein der Abendsonne, wenn du nicht da gesessen hättest, als sässest du zu Gericht. Bei Gott! du hast mich so angeblickt, dass ich ordentlich zurückfuhr. Ich hätte bald das Wichtigste vergessen, und bin ganz in Konfusion geraten. Aber warum sprichst du denn gar nicht? Bin ich dir zuwider? – Nun das ist komisch! du närrischer, Julius! wen lässt du zum Reden kommen? deine Zärtlichkeit fliesst heute ja wie ein Platzregen. – Wie dein Gespräch in der Nacht. – O das Halstuch lassen Sie nur, mein Herr. – Lassen? Nichts weniger als das. Was soll so ein elendes dummes Halstuch? Vorurteile! Aus der Welt muss es. – Wenn uns nur nicht jemand stört! – Sieht sie nicht schon wieder aus, als ob sie weinen wollte! Du bist doch wohl? Warum schlägt dein Herz so unruhig? Komm lass mich's küssen. Ja du sagtest vorhin von Türen zuschliessen. Gut, aber so nicht, nicht hier. Geschwind herunter durch den Garten, nach dem Pavillon, wo die Blumen stehen. Komm! o lass mich nicht so lange warten. – Wie Sie befehlen mein Herr! – Ich weiss nicht, du bist heute so sonderbar