heiligen Flamme der Liebe durchlodert, wie schwach ist es, sie zu löschen! Mariens Vorsatz war ernst, aber die Umarmungen des Geliebten erstickten ihn, und sie überliess sich einem nie gefühlten Entzücken. Eine neue Welt lag vor ihr, geschmückt mit allen Farben des Lichts, und breitete eine rosenfarbne lächelnde Zukunft vor ihr aus. Ihr war, als fühlte sie jetzt erst den ganzen Wert ihres unbemerkten Lebens, jetzt, da die Liebe sie in den schönen Schatten ihrer Myrten nahm.
Eine selige Stunde war vorüber, – die Liebenden mussten sich trennen. Lebe wohl, Geliebter! hiess es beim Abschied; lebe wohl, Marie! antwortete der Graf, und tausend Küsse besiegelten den Bund ihrer Liebe. Endlich riss er sich aus den liebkosenden Armen, getröstet und beruhigt durch das Versprechen, das er mit zärtlicher Gewalt ihr abgedrungen hatte, den andern Abend mit Aufgang des Mondes sie a l l e i n in ihrem Garten zu sehen.
Als er fort war, als sie ihn nicht mehr vor sich sah, – als nach und nach die stimme der Vernunft den Sirenengesang der leidenschaft übertäubte; – da sank der Schleier von dem Abgrund, zum dem die Liebe sie hingeführt hatte.
Ach, ich bin verloren! rief sie aus: – der goldne Frieden meines Gemüts, alle Freuden meines Lebens sind hin, denn nie wird er mein sein. Sein Stand, sein Reichtum trennen ihn von mir auf ewig.
Der grösste teil der Nacht ging schlaflos an ihr vorüber. Endlich wiegten sie süsse Bilder der Liebe in Vergessenheit ihres Kummers, und in Träume, aus denen sie fröhlich erwachte. Der erste Morgenstrahl fand ihr Auge schon offen. Sie ging in den Garten, an dessen Ende ein kleines Gartenhaus hinab auf den Fluss und die fruchtbare Gegend blickte. Sie stieg hinauf; – mild und erfrischend wehte sie die Morgenluft an, und mischte sich mit ihren Seufzern. Er ist Dein! schien ihr jetzt die ganze natur in ihrem jugendlichen Schmucke zururufen; er ist Dein, las sie im Blau des unbewölkten himmels; er ist Dein, sangen ihr die Vögel in ihrem Morgengesang. Da fiel ihr fröhlicher blick auf den Ring an ihrem Finger, und eine Träne stieg in das heitre Auge, das jetzt nur Paradiese um sich her sah. Sie nahm ihn herunter: – vergieb mir, Ludwig! sagte sie, und breitete ihre arme nach der Ferne aus, vergieb, dass ich Dich täuschte. Ich kannte die Liebe noch nicht, als ich mich Dir verlobte. Kannst Du zürnen, wenn ich der süssen stimme folge, die mich von Deinem Herzen hinweg ruft? O Karl, setzte sie hinzu mit der hohen Schwärmerei der ersten Liebe, in der Seele, wo Du wohnst, ist kein Raum für einen andern! – Sie sprachs, und warf den Ring in den Fluss, der in stolzen Wogen zu ihren Füssen dahin wallte.
Als die Sonne höher herauf kam, ward es ihr enger um die Brust. Karls Bild schwebte unablässig vor ihren Augen, aber Wehmut und Ahnungen beklemmten ihr Herz. Die Einsamkeit, die sie umgab, begünstigte ihr schwermütiges Nachdenken über Empfindungen, die ihr wohl und wehe taten. Bald hing sie mit stillem Trauern, bald mit allem Feuer der Hoffnung an dem Andenken des Einzigen, und mit jedem Augenblick, der ihr die Stunde des Wiedersehns näher brachte, wechselte Schmerz und Freude in ihrer Seele.
Auch dem Grafen war es sonderbar zu Mut. Mariens Schönheit, ihr offnes, unverstelltes Gemüt, von der heftigsten leidenschaft bewegt, ihre gutmütige, kunstlose Einfalt, alles dies hatte einen um so tiefern Eindruck auf sein Herz gemacht, je seltner er diesen liebenswürdigen Eigenschaften noch begegnet war. Er besass ein lebhaftes Gefühl. Ein Himmel voll Fröhlichkeit stritt sich in ihm mit dem unaufhörlichen Toben unbefriedigter Wünsche, und gab seiner Bildung jenes innig zusammen geschmolzene Gemisch von Wehmut und Freude, das schöne Menschen doppelt verschönert. Mitten in dem Glanz seiner Ansprüche, mitten in dem lauten, rauschenden Leben, in das er verflochten war, hob oft eine sehnsucht seine Brust, die nichts zu stillen vermochte. natur, Schönheit und Liebe war das Ideal seiner Träume, aber noch nirgends hatte er es realisirt gefunden, als jetzt durch Marien, die die Bilder seiner kühnsten Hoffnung erfüllte.
Er war aus einer grossen Familie, und einst der Erbe eines unermesslichen Vermögens. Die Erwartungen, zu denen er sich berechtigt sah, gaben ihm einen Stolz, der sich mehr auf die äussern Zufälle des Glücks, als auf inneren Wert gründete. Seine Leidenschaften waren heftig und noch in ihrem ersten Brausen: um sie zu befriedigen, opferte er ihnen alles auf. Wenn sie schwiegen, war sein Herz weich und edel, und nicht selten voll Reue über vergangene Ausschweifungen. Leider wurden aber immer schnell alle seine guten Vorsätze durch neue Vergehungen vergessen, denen er sich hingab. Sein Vater, der den Glanz seines Hauses liebte, hatte ihn mit Josephinen, Gräfin von der Ecke, verlobt, welche Ansprüche auf eine solche Verbindung machen konnte. Josephine gehörte ebenfalls einem der ersten Häuser an, eine halbe Million war ihre Mitgift, und ihr Geist und ihre Schönheit hob sie über alle jungen Damen von stand. Wodmar kannte sie nicht, aber er hing fest an dem Grundsatz, dass nur Rang und Vermögen die Ehen schliessen müsse, und nicht die Liebe, die er sich unmöglich mit Fesseln denken konnte. Eine Verbindung mit Josephinen schmeichelte seinem Ehrgeiz