ihr Wesen mit einem wonnevollen Schauder durchdrang. Immer rief sie sich die Melodie seiner stimme, die Zauberkraft seines Anblicks, die rührende Schwermut zurück, die seine Züge bewölkte, und suchte dann das Bild wieder zu verlöschen, mit dem sie sich so gern beschäftigte. Die reichen fräulein sind doch glücklich, dachte sie oft, wenn sie allein war, und Er ihre Gedanken belebte. Sie dürfen ihn anhören, wenn er von Liebe spricht, sie dürfen h o f f e n ! Aber i c h – – – ich murre nicht über meinen niedern Stand, – ich murre nicht über mein Schicksal, ich bin ja Ludwigs Verlobte. Er wird mich glücklich machen, meine Wünsche sind Träume, – ich will sie vergessen. Sie bemühte sich, es zu tun, es kostete ihr Seufzer, und oft auch heimliche Tränen, und Wodmars Bild grub sich dennoch mit unauslöschbaren Zügen in ihr Herz.
drei Tage waren vergangen seit seinem Besuche. Er wird nicht wiederkommen, sagte sie traurig zu ihrem Vater. Wer, mein Kind? antwortete Müller. Sie schwieg, lächelte schmerzlich, und setzte sich zum Klavier, um durch Musik die dumpfe Traurigkeit, die ihre Seele umlagerte, in milde Wehmut aufzulösen. Der Vater ging seinen Geschäften nach, und liess sie allein mit ihrer Schwermut, die er Ludwigs Abwesenheit zuschrieb. Da flog die Tür auf, sie sah sich um, und Todtenblässe wechselte schnell in ihrem Gesicht mit dem hohen Rot der Freude, die ihren schönen Augen doppelten Glanz gab, als sie den Grafen mit einem schmeichelhaften Erstaunen, sie am Klavier zu finden, vor sich stehen, und ihre hände mit Innigkeit fassen sah.
Drittes Kapitel
Sie scheinen verwundert, mich wieder zu sehen, sagte er mit einem unaussprechlich süssen Ton, der tief in ihr Herz drang; darf ich hoffen, Ihnen willkommen zu sein? – Willkommen sind Sie wohl überall, versetzte Marie, und sah verlegen zur Erde. Als sie zu viel gesagt zu haben fühlte, fuhr sie fort: Darf ich fragen, was uns die Ehre Ihres Besuchs verschafft?
Der Wunsch, näher mit Ihnen bekannt zu sein, holde Marie, antwortete der Graf, und sah ihr bittend ins Auge. Sehr neu ist unsre Bekanntschaft, aber warm und innig der Anteil, den ich an Ihnen nehme. Sie sind liebeswürdig, Marie! das fühl' ich, und ich sage immer was ich fühle; – nehmen Sie mein geständnis mit Güte auf. – Die himmlische Einfalt, die Reinheit, die Weiblichkeit Ihres Wesens hat mich bezaubert, und mir eine achtung für Sie eingeflösst, die ich noch für sehr wenig Mädchen empfunden habe. Mein Schicksal bestimmt mich, im Geräusch der grossen Welt zu leben; aber ich habe in ihrem Getümmel nicht den Sinn für höhere, obwohl stillere Freuden verloren, die allein beglücken. Darf ich Ansprüche auf Ihre Freundschaft machen, Marie? Sie schmücken den Stand, zu dem Sie gehören, und über den ich sonst gleichgültig hinweg sah, Sie machen mir ihn wert. – Darf ich, ermüdet vom seelenlosen Einerlei des Hofes und meines geräuschvollen Lebens, zuweilen eine Stunde der Erholung an Ihrer Seite damit zubringen, dass ich Sie bewundre, und die Verhältnisse beklage, die mich von Ihnen trennen?
Marie fühlte sich von seiner Rede heftig ergriffen. O Herr Graf, sagte sie, und zog leise ihre Hand aus der seinigen; was kann Ihnen an der Freundschaft eines armen, unbedeutenden Mädchens liegen? –
Viel, alles! versetzte Wodmar mit Feuer. Unbeschreiblich ist der Eindruck, den Sie auf mich gemacht haben, e w i g wird seine Dauer sein. Lassen Sie uns aufrichtig mit einander reden, Marie, und beantworten Sie mutig meine Frage: sind die Bande, die Sie an Ludwig knüpfen, unauflöslich? – Marie schwieg und weinte. Ist es keine Möglichkeit, fuhr er fort, eine Verbindung wieder zu zerreissen, die, wie ich an Ihren Tränen sehe, Sie nicht glücklich machen würde?
Marie ermannte sich. Gnädiger Herr, nahm sie das Wort, ich bin Ludwigs Braut. Freiwillig hab' ich ihn gewählt, und er verdient das Zutrauen, mit dem ich von ihm das Glück meines Lebens erwartete. Diese Tränen – o Herr Graf, verkennen Sie mich nicht, wenn ich gestehe, was ich vielleicht ewig verschweigen sollte – diese Tränen fliessen nicht aus Reue, weil ich Ludwig meine Hand versprach; – sie fliessen, weil ich fühle, dass ich ihn glücklicher gemacht haben würde, wenn ich Sie nie gesehen hätte.
Wodmar umschlang sie mit Entzücken. Ist es möglich, rief er, indem er sie fest an seine Brust drückte, ist es möglich, was ich kaum zu hoffen ahnete, dass ich meiner Marie nicht gleichgültig bin? – Marie, mit fortgerissen durch den Sturm seiner leidenschaft, barg ihr Gesicht an seinen Busen, und antwortete nur durch Tränen. – So hab' ich denn endlich gefunden, was Jahrelang meine heisse sehnsucht vergebens sucht, L i e b e in einem reinen, unverwahrloseten Herzen! Sein dankender blick hob sich zum Himmel, und Marie entwand sich seinen Armen, um aufs neue in sie zurück zu kehren.
Ja, rief sie endlich, und ihre Wangen glühten höher vom Morgenrot der Liebe, ja ich liebe Sie, aber ich w i l l meine Neigung beherrschen, denn sie ist ein Verbrechen.
Wie schwach ist ein Herz, zum ersten Mal von der