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wollte, um sich desto mehr Gewicht zu geben. – Mein Zimmer steht zu Ihren Diensten, sagte sie ein wenig unwillig, wiewohl ich viel zu gut weiss, dass Sie nicht die Gemahlin des Grafen sind. Er wird es nicht wenig schmeichelhaft finden, dass Sie so bestimmt behaupten, mit ihm verheiratet zu sein.

Wie? ist er schon hier? – rief Josephine.

Noch nicht, erwiderte Marie, aber ich erwarte ihn morgen.

S i e erwarten ihn, sagte Josephine empfindlich. – Das ist doch sonderbar! Wer sind Sie denn, Mamsell, dass Sie ein Recht haben, ihn zu erwarten? Sind Sie die Tochter des Castellans, oder die Haushälterin? – oder stehen Sie in besonderen Verhältnissen mit dem Grafensind vielleicht gar der Magnet, der ihn so oft nach Nesselfeld zieht. Beinah sollt' ich es aus Ihrem entschiedenen Tone schliessen.

Marien verdross diese Begegnung unbeschreiblich. Sie konnte die Geringschätzung nicht ertragen, die ihr die Gräfin bewies. –

Wer i c h bin, weiss ich recht gut, antwortete sie, und wenn Wodmar da wäre, dürften Sie sich vielleicht dieses unartige Betragen nicht erlauben. Ich habe nicht nötig, über das, was ich bin, zu erröten, aber vielleicht werden S i e es tun müssen, wenn Sie mich einmal näher kennen lernen, und einsehn, wie wenig ich verdiente, dass Sie mich so behandelten.

Diese Worte, die sie mit einem edlen Stolze sprach, machten Josephinen schweigen. Nun folgte sie ihr ins Zimmer, als ihr aber sogleich das Portrait ihres Gemahls in die Augen fiel, brauseten im Stillen die Wellen der Eifersucht von neuem. Wenn ich Sie anders behandelt habe, als Sie verdienen, sagte sie sanfter als vorher zu Marien, so vergeben Sie mir. Aber Ihr Benehmen gegen mich war gewiss auch nicht ganz, wie es sein sollte. Ich hoffte, auf die achtung und gefälligkeit aller der Leute, die in meinem eignen haus wohnen, Ansprüche machen zu können. – Sie sind mir aber mit einer Dreistigkeit und Zuversicht begegnet, als ob Sie selbst die Besitzerin dieses Landgutes wären. Sagen Sie mir doch, wer Sie sind, dass wir uns endlich einmal verstehen?

Marie kämpfte mit sich selbst, ob sie sich entdekken sollte oder nicht. Zwar hatte ihr Wodmar die strengste Verschwiegenheit befohlen, und ihre Vernunft billigte seine Gründe. Aber da sie ganz gewiss glaubte, dass er des andern Tages selbst seinem gast ihre Verbindung entdecken würde, um sie über ihr stolzes Betragen zu beschämen, so konnte sie sich's nicht versagen, die Gräfin rot zu machen.

Wenn ich Ihnen als die Frau dieses Hauses begegnet bin, versetzte sie Josephinen, so habe ich dadurch nicht mehr scheinen wollen, als was ich wirklich bin. Eine heimliche Heirat, fuhr sie fort, indem sie auf das Bild ihres Karls zeigte, hat mich zur rechtmässigen Frau dieses Mannes gemacht, von dem Sie mit so viel Zuversicht behaupten, er sei der Ihrige. Meine geringe Herkunft, deren ich mich nicht schäme, hält meinen Gemahl ab, unsre Verbindung bekannt zu machen, so lange sein stolzer Vater lebt, der sie wieder trennen würde; aber wenn ich auch nur im Stillen seinen Namen führe, so weiss ich doch, was ich ihm schuldig bin. hören Sie morgen von ihm selbst die Bestätigung meiner Worte, und verzeihen Sie meine Aufführung, die sich an Ihrer Haushälterin freilich nicht entschuldigen liesse.

Immer bleicher wurde Josephine, und als Marie schwieg, konnte sie sich nicht mehr aufrecht halten, sondern sank bewusstlos in einen Sessel. Marie hielt in ihrer noch glücklichen Unwissenheit dies Erstarten der Fremden für Schaam und Demütigung, und suchte sie mit liebevoller Pflege und Sorgfalt zu ermuntern. Es gelang ihr, sie wieder zu sich selbst zu bringen. Josephine schlug ihre Augen auf, die in Tränen der Wehmut schwammen. arme Betrogne! rief sie, und fasste mitleidig Mariens Hand, die sie für wahnsinnig zu halten anfing.

Ich bin nicht betrogen, sagte sie so sanft, als man die Meinung eines Kranken zu bestreiten pflegt: zu gleicher Zeit zog sie den Trauring von ihrem Finger, und reichte ihn ihr hin. sehen Sie hier selbst das Unterpfand seiner treuen, gesetzmässigen Liebe.

Josephine nahm ihn mit bebender Hand. arme Betrogne! rief sie noch einmal in einem noch schmerzlichern Tone, wie vorher, und zeigte ihr den ihrigen, und das Bild ihres Gemahls, das sie an einer goldnen Kette in ihrem Busen trug. Ein grausamer Betrüger hat Dich mit falschen Hofnungen getäuscht, und Dein Vertrauen in seine Redlichkeit gemissbraucht, um Dich zu verderben. Ich, ich bin Wodmars Frau, und bin es nicht heimlich, sondern im Angesicht seiner Familie und der meinigen geworden. Ihn zu überraschen kam ich hierher, und finde Dich und das Unglück meines Lebens!

Sie verhüllte ihr Gesicht und weinte. Marie stand da wie vernichtet. – Indem trat Hannchen herein, und trug den kleinen August seiner Mutter entgegen. Sieh hier die Züge des Verräters in diesem unschuldigen Gesicht, rief Josephine mit Heftigkeit, indem sie den Kleinen in ihre arme schloss. Jetzt schwankten Mariens Kniee, und sie warf sich blass wie der Tod auf das Sopha.

Frau Köhler kam herein, das ganze Haus lief zusammen, die Gräfin befand sich so krank, dass man sie zu Bette bringen musste. Marie lag nach einer Stunde noch immer unbeweglich in ihrer vorigen Stellung, weit offen und