Standes zum Opfer bringen, und die Tage ihrer Trauer um ihn ihr nun vergolden wollte. Zwar regten sich noch Zweifel in ihr, aber sie betrafen mehr sie selbst, als die Redlichkeit des Geliebten. werde' ich Dir auch, rief sie zaghaft aus, durch alles, was ich bin und habe, die Opfer belohnen können, die Du mir bringst? Ach, bedenke wohl, was Du tun willst! Du musst dann jeder Verbindung entsagen, die Deinem Stand und Deinem Reichtum angemessner wäre, und für ein armes Bürgermädchen leben, das nie aus dem engen Kreise ihrer Häuslichkeit kam, und nichts weiss, als Dich zu lieben. Wird Dirs dann niemals gereuen, wenn Du die vornehmen fräulein und Gräfinnen siehst, die Deine arme Marie in allem so weit übertreffen, dass Du m i c h gewählt hast zur Gefährtin Deines glänzenden Lebens? O, geliebter Karl, meine ganze Seele hängt an Dir, aber mit frohem Mut will ich Dir entsagen, wenn Du glaubest, durch mich nicht so glücklich zu werden, wie ich durch Dich!
Höre mich, Marie! sprach der Graf. Ich liebe Dich mit unendlicher leidenschaft, und kann nur mit D i r glücklich sein, und sonst mit Keiner. Gern sagt' ich zu Dir: teile den Glanz meiner äussern Lage mit mir, aber ich habe einen sehr ehrgeizigen Vater, und kenne ihn zu gut, als dass ich mir schmeicheln könnte, er würde jemals in unser Glück willigen. Die Vorurteile der Konvenienz sind ihm heiliger, als die gesetz der natur, und Fluch und Enterbung würde mein los sein, wenn ich es wagen wollte, ihm meine Liebe zu Dir zu entdecken. Aber wenn Du in mir nicht den Grafen, sondern nur den Menschen, nicht den glänzenden Schimmer, sondern nur meine feste anhänglichkeit liebst, wenn Dir mein stiller Besitz genügt, so willige in eine heimliche Heirat, bis der Tod meines Vaters einst die Freiheit in meine hände gibt, laut die schönen Fesseln zu bekennen und zu zeigen, die uns vereinigt haben. Ich habe ein einsames, abgelegenes Gut, welches Dich und unsre Freuden dem blick der Welt verbergen kann, bis ich unsre Verbindung gestehn darf. Meine Liebe soll Dir die Einsamkeit versüssen, meine Treue, mein Dank Dir lohnen für Deine Einwilligung!
Marie, errötend, halb in Scham, halb in Freude verloren, schloss ihn in ihre arme und sagte mit rührender Zärtlichkeit: O Karl, wenn ich wirklich hoffen kann, Dich glücklich zu machen, so werde auch ich es sein, und wäre eine Wüste mein Aufentalt. Aber – eine Träne trat in ihr glänzendes Auge, – wie könnt' ich jemals mich selbst ertragen, wenn nur die leiseste Reue über Deine Wahl Dich anwandelte!
Wie leicht ist ein liebendes Herz überredet. Marie glaubte gern und froh den Schwüren ihres Wodmars, und Frau Köhler fand sich zu sehr geschmeichelt von der vornehmen Verwandtschaft, die ihr bevorstand, als dass sie hätte an der Wahrheit seiner Beteuerungen zweifeln können. Der Graf bat sie um Verschwiegenheit und um ihre Begleitung für Marien. – So schwer ihr auch das erste vorkam, denn sie hätte gern der ganzen Stadt das Glück ihrer Nichte erzählt, so fühlte sie sich doch durch sein zweites Anerbieten viel zu geehrt, als dass sie ihm nicht unbedingt hätte Gehorsam versprechen sollen. Jetzt schied Wodmar und liess beide in den süssesten Träumen von Ehre und Liebe zurück. – Als er nach haus kam und nun ganz allein mit seinen Gedanken war, regte sich sein Gewissen mit schmerzlichen Stichen, und der Betrug, den er sich erlauben wollte, stand mit seiner ganzen Abscheulichkeit vor seiner Seele. Aber er wusste bald seine Absichten, so schwarz sie auch waren, zu entschuldigen.
Sind wir nicht am glücklichsten, sprach er zu sich selber, wenn ein freundlicher Wahn uns täuscht, und eine holde Betörung, ein Traum, uns gibt, was uns ewig die Wirklichkeit versagt? – Es ist wahr, ich hintergehe Marien, aber nur um sie glücklich zu machen. Dieses zärtliche Herz, das mich nie vergessen konnte, ungeachtet ich sie so sehr beleidigt hatte, würde im einsamen Kummer gebrochen, und ihre Reize verwelkt sein, wenn ich nicht käme, sie ins Leben zurück zu rufen. Und kann ich ihr nicht diese Täuschung, in der sie die Erfüllung ihrer Wünsche findet, verlängern, so lange ich will? – Sichere ich ihr nicht, im Fall sie auch den Betrug entdeckt, der sie zu der meinigen macht, ein hinlängliches Auskommen für sie und ihre Kinder? – Und steht es nicht bei mir, ihr, so lange sie lebt, meine wahren Verhältnisse zu verbergen? Wer wird es wagen, ihr zu entdecken, dass ich verheiratet bin, wenn ich es verbiete? – Nein, fuhr er beruhigt fort, sie müsste mir es eigentlich selbst Dank wissen, dass ich mich zur List herabgelassen habe, ihre Bedenklichkeiten zu überwinden, ohne ihre Tugend, die ihr so heilig ist, scheinbar zu verwunden. Ich mache mir keine Vorwürfe mehr! Sie wird ihr Glück in dem meinigen finden. –
Dreizehntes Kapitel
Er besuchte nun Marien täglich, teils verkleidet, teils in der Dämmerung, die ihn den Blicken der Neugierigen verbarg. Sie verlangte noch zwei Monate Frist, um mit dem Ende ihrer Trauer den Anfang ihres Glücks zu beginnen, und Wodmar, der die Wintervergnügungen leidenschaftlich liebte, bestritt ihre billige Bitte nicht, und überliess sich