, über dieser ihrer glücklichen Vereinigung.
Der Fürst hörte es gern, als ihm meine Mutter sagte, dass ich mich bei ihm beurlauben wollte. Er lag auf einem Ruhebette, und beugte den Kopf freundlich, als ich mich ihm näherte. Ich war tief bewegt, mir war als risse die kalte unsichtbare Hand des Todes alle goldene Lebenshofnungen aus meinem Busen.
Ich sagte ihm: der Anteil den er an meinem Schicksal genommen, machte es mir zur Pflicht, es für die Zukunft ganz in seine hände zu legen.
Ich schwöre Ihnen, sagte ich, indem ich an seinem Bette niederkniete, auf das heiligste schwöre ich es, nie eine Heurat als mit Ihrer Bewilligung zu schliessen.
Er legte seine zitternden Finger an meine Wangen, Tränen rollten in seinen erloschnen Augen, und sanft sagte er: Wir gehören uns selbst nicht an, der Glanz unsers Hauses ist ein Gut, das wir unsern Nachkommen zu überliefern schuldig sind; – darnach beurteile mich auch du, gutes Mädchen!
Er umarmte mich und sagte: Was ich für dich tun kann, soll geschehen. Nimm meinen ganzen Segen.
Schmerzlich riss ich mich von ihm los, im Gefühl, dass ich ihn nie wiedersehen würde.
Durch die Tür sah ich ihn noch einmal, dass er heiter gegen Himmel blickte, und hörte, dass er meine Mutter freundlich zu sich rief.
Meine Mutter und der Prinz waren mit meinem Betragen höchst zufrieden, und wir verliessen uns unter zärtlichen Umarmungen.
Als Bettina die Reiseanstalten für mich machen sah, drang sie auf das lebhafteste in mich, mich begleiten zu dürfen.
Es schmerzte mich, dem lieben geschöpf, von dem ich so viele Beweise der treusten Liebe empfing, diese Bitte abzuschlagen, aber ich hatte einen Brief von der Gräfin erhalten, in welchem sie mich bat, ihr Bettina zuzusenden. Battista war schon bei ihr, und wurde als ihr Sohn gehalten und erzogen.
Die Gräfin selbst hatte sich auf unser aller Zureden entschlossen, die Seereise aufzugeben, und ihren Gemahl in Holland zu erwarten. Durch den Freund aus der Schweiz hatte sie die Nachricht seines jetzigen Aufentalts erfahren. Er war nach dem Vorgebirge der guten hoffnung zurück gereist, wo er auf einer kleinen Besitzung mühselig lebte.
In Holland wollte die Gräfin selbst die besten Anstalten zu seiner Reise nach Europa treffen. Ihre Güter hatten sich unter Nordheims Verwaltung in guten Stand gesetzt, und sie dachte dort mit ihrem Gemahl künftig zu leben.
Bettina wollte immer durch ein leidenschaftliches romantisches Interesse befangen sein. Ich erzählte ihr das Schicksal der Gräfin, ihr nahes verhältnis zu ihr, die Hofnnug ihren Vater wieder zu sehen, und ihr reines zartes Gemüt ergriff nun seine Pflichten mit aller Gewalt der Neigung. Ja, ich will leben für die gute unglückliche Frau, rief sie aus, und will mich auszubilden suchen zu deiner und ihrer Freude!
Julius begleitete uns, und schied von uns, in lauter Glanz und klarheit gehüllt, wie ein Bote des himmels, der sich bewusst ist, uns auch unsichtbar gegenwärtig zu bleiben.
Mein Genius hatte mich beim Scheideweg meines Lebens gewaltsam ergriffen und in eine veränderte Laufbahn gezogen. Das ewig reine rege Verlangen meines Wesens nach Nordheim, das mir seit seinem ersten Anschaun durchs Leben folgte, erhielt mich in einem sonderbaren abwechselnden Zustand. Wenn die Zeiträume, welche wir durchleben, mehr nach dem Kreis unsrer inneren Erscheinungen bezeichnet werden müssen, als nach den äussern Eindrücken und Spuren, die wir von der Welt um uns her empfangen, oder ihr geben, so sind Tage der Liebe reicher und lebenvoller, als Jahre der Gleichmütigkeit.
Schmerz und Vergnügen entreissen sich wechselnd die flüchtigen Momente, und der immer lebendige Strom der durch unsre Seele rinnt, nimmt oft das Bewusstsein mit hinweg. Das Gedächtniss hat keine Zeichen für diese bewegliche Flut innrer Regungen, das geheimnissvolle Wesen der Musik ist am vertrautesten mit ihnen, die Töne folgen den Zaubereien unserer Gefühle in ihre feinsten Beugungen, in ihr stärkstes unerschöpfliches Leben.
Die raschen schnellen Würfe des Schicksals, die einem so stillen einförmigen Leben folgten, drängten mich gleichsam in mich selbst zurück. Mir war oft, als hätte ich Nordheim durch mein dem Fürsten gegebenes Versprechen gekränkt. Dann war es, als dürfte ich keine Gestalt mehr fest halten, – alles entflog mir unter der Hand, als ein täuschender Schatten. Zur heitern Ruhe und Sicherheit des Daseins konnte ich auf diese Art nicht kommen, und in meinen klärsten Augenblicken fühlte ich hart ihren Mangel. Unser Wesen scheint so sehr auf eine notwendige Harmonie mit der uns umgebenden Welt berechnet zu sein, dass ein gewisses klares Gefühl des Daseins uns doch einzig aus dieser zuwächst. Und ist nicht am Ende dieses klare Gefühl unsrer Selbst in einem lebenreichen Ganzen, die bleibende Gestalt, in der wir den tausendfach wechselnden Proteus, die Glückseligkeit, fassen?
Mein Vater verstand meinen ganzen Zustand mit seinem gewohnten zarten Sinn. Vergebens hatte ich ihn gebeten, den Freund meiner Jugend in Hohenfels auf unsrer Reise zu sehen. Erwarte eine günstigere Gemütsstimmung, liebes Kind, sagte mir mein Vater sanft. Der edle Greis ist von jeder Wallung der leidenschaft so fern, dass ihm der Zustand worin du jetzt bist, unvernehmbar oder zerstöhrend sein muss.
Ich fühlte diesen Grund nur allzurichtig, und gab meinen Wunsch auf.
Die Zerstreuungen der Reise wirkten bald wohltätig auf mein Gemüt.
Welchen neuen Ton gibt es unserm inneren Sinn, wenn unsre Tage im wechselnden Reiz der Naturerscheinungen verfliessen, wenn unser Gesichtskreis sich mit immer neuen