, dass der Minister mich zur selben zwingen wollte; diess befremdete ihn weiter nicht, denn man war seiner krummen Wege, und seiner Einmischung in Familienverhältnisse schon gewohnt.
Julius sei bei ihm vorgefahren, sagte er uns, habe ihn gebeten, eilends in seinem Wagen nach dem Lustschloss zu fahren, und die Briefe an mich und Alban zu bestellen. Während dem sei jener mit noch einem Fremden in eine Postchaise gestiegen, und eilend weggefahren.
Der Wagen des Arztes folgte uns, und wo sich die Strasse teilte und nach dem Städtchen zog, stieg er aus, mit dem Versprechen mich den nächsten Morgen bei Albans zu besuchen.
Alban sagte mir, als wir allein waren, wir würden Julius selbst in E. finden, mit noch einem Freunde.
Sein bedeutender blick sagte mir, dass er wohl wüsste, wer dieser Freund sei. Mein Herz ergoss seinen Dank, seine Bewunderung für Julius mit Entzükken.
Die Gemüter meiner Freunde waren rein gestimmt, um ein edles Betragen zu empfinden, ob sie gleich nicht immer die Energie hatten es zu ihrem eignen zu wählen. Mit ihrer ganzen Herzlichkeit fassten sie mich aufs neue, und im Gefühl des hohen Sinnes eines geliebten Bruders, verbanden wir uns wie in einem neuen Element zur zarten Freundschaft.
Julius empfing mich in E. am Wagen, und führte mich in ein entlegenes Zimmer, wo ich die Gestalt meines verehrten Vaters erblickte. Frei lag ich jetzt mit unaussprechlicher Liebe an der treuen Brust, die so oft schon mein Wesen in seinem Innersten vernommen hatte.
Im Gefühl einer Würde, die nicht fürchten darf erkannt zu werden, hatte meines Vaters Gestalt einen Ausdruck von ruhiger Kraft genommen, der stille Verehrung gebot.
Julius wollte sich entfernen, wir baten ihn beide, sich nicht von dem Glücke unsers Herzens, seinem eignen Werke, zu trennen. Ich vernahm jetzt die geschichte der Befreiung meines Vaters, von der mich Julius aus zarter Schonung erst nach dem glücklichen Erfolg unterrichten wollte.
Schon damahls, als Nordheim mich selbst gewaltsam aus dem schloss des Fürsten entreissen wollte, hatte er auch den Anschlag mit Julius gefasst, meinen Vater zu befreien.
Mein Vater verwarf den Vorschlag, hoffte, der Sinn des Fürsten würde sich durch mildere Massregeln am ersten gegen ihn verändern, nur mich wünschte er in Nordheims Händen zu sehen.
Man hatte den Prinzen zu keinem Unternehmen gegen seinen Vater ziehen wollen.
Jetzt, während Nordheims Abwesenheit, wurden die Umstände dringender. Die neuen Drohungen gegen Hohenfels, das Bemühen, mich von Nordheim zu trennen, bewogen Julius nach D. zu eilen, und den Prinzen zu meines Vaters Befreiung aufzurufen.
Äusserst entrüstet über die Unverschämteit des Ministers, der den Fürsten von Ungerechtigkeit zu Ungerechtigkeit hinriss, beschämt durch die Untreue an Nordheim, entschloss er sich zur lebhaften Wirksamkeit. Er liess den alten Osficier zu sich rufen, entdeckte ihm die notwendigkeit Hohenfels zu befreien, und entzog ihn selbst aller Verantwortung, indem er ihn mit einer guten Pension ausser Landes schickte. Julius war während dem auf dem festen schloss, und die übrige Garnison wurde bestochen. Mein Vater gab den dringenden Umständen nach, und entschloss sich zur Flucht.
Nach einer Zusammenkunft mit meiner Gemahlin reise ich sogleich ab, sagte mein Vater, um unsern Freund in keine weitern Verlegenheiten zu setzen. Wird mir meine Agnes nach der Schweiz folgen? Wird unser edler Freund uns gern begleiten?
Während der ersten Tagereise, sagte Julius, wo ich Ihnen vielleicht dienen kann; hernach versprach ich dem Prinzen, in D. bei ihm zu bleiben.
Wir blieben in Julius haus, weil es dem Zufluss der Fremden weniger ausgesetzt war.
Den nächsten Morgen kam der Arzt auf mein Zimmer; er hatte meine Mutter schon gesprochen, da er wegen der Krankheit des Fürsten auf das Lustschloss gerufen worden.
Meine Mutter schrieb mir, der Prinz sei angekommen, der Minister sei demütig gegen ihn, da er uns mit keinem üblen Einfluss auf Hohenfels Schicksal mehr drohen könne, und habe versprochen, Hohenfels Entweichung dem Fürsten ganz zu verbergen, ihn auch über die fehlgeschlagene Trauung zu trösten, und ihm meine Entfernung aufs neue als ein hinlängliches Mittel, das geheimnis zu verwahren, anzuempfehlen.
"Müssen uns aus dieses bösen Mannes verschobenem Gehirn, wie aus der Büchse der Pandora, alles Übel, alle unglücklichen begebenheiten hervorgehen? rief mein Vater. Traurig ist es, dass die wirkung des Bösen einen rascheren gang haben muss, als die des Guten. Der Böse verfolgt nur sein Ziel, tritt ohne Zögern die blühenden Saaten darnieder, durch welche der Gute mit mildem Herzen einen schlängelnden Pfad sucht. Er fühlt, dass er nur die wirkung des nächsten Augenblicks zu bestimmen vermag, und dass diese, vom raschen Schicksal ergriffen, – in die Fluten des regen Lebens versinkt. Rein menschlich ist es, keinen Augenblick Böses wirken wollen. Nur einem höheren Genius ist die Zukunft auch zugleich die Gegenwart."
Wir freuten uns, dass das Gemüt des Fürsten nicht in den letzten Tagen seines Alters noch durch Widersprüche gereizt werden sollte. Ich entschloss mich, ihn noch einmal zu besuchen, und den Frieden seines Busens ganz herzustellen.
Meine Mutter hatte eine Zusammenkunft mit meinem Vater in einem entlegenen Wäldchen in Julius Garten. Wir überliessen diese teuren Augenblicke den glühenden zarten Seelen ganz unentweiht.
Ich begleitete meine Mutter nach dem Lustschloss. – Süsse Augenblicke, wo ich ihr Herz ruhig und liebeschlagend an dem meinen fühlte! An Entbehrungen gewöhnt, achtete sie selbst nicht die Entfernung ihrer Geliebten