, die er empfing, desto sorgfältiger und mannichfacher.
Meine Bildung war gefällig, und vor meinem Spiegel träumte ich mich oft in tausend Situationen, zu denen immer die Bilder meiner Französin die Grundlinien lieferten.
So ist die Welt! sagte mir alles was mich umgab, aber so sollte sie nicht sein! sagte mir eine innre stimme, die sich durch nichts übertäuben liess.
Der Tanzmeister, Schneider und Friseur hatten, wie es meine Mutter begehrte, am meisten für meine Liebenswürdigkeit gearbeitet. Jetzt kam der Tag, an welchem mein Bräutigam in unserm haus erscheinen sollte. Er kam, geführt von einem alten Oheim, der mich lorgnirte, ein paar fragen an mich tat, und mich dann mit seinem Neffen allein liess. Dieser, der während der Unterredung mit dem Onkel bescheiden an der Tür stehen geblieben war, näherte sich mir jetzt, und seine Blicke, sein ganzes Wesen stimmte zu den Worten, die einen glühenden Liebesantrag entielten. Meine Brust wallte ihm entgegen, von dem ersten Hauch jugendlichen Verlangens entzündet.
Unsre Verbindung erfolgte in wenigen Tagen. Wir verlebten das erste Jahr in dem Taumel einer neuen Lage. Die Welt umflocht uns mit tausend Verbindungen, wir kehrten nie in uns selbst zurück, und unsere Neigung, die vielleicht in der Einsamkeit, oder in Lagen, die sie zu Proben aufgefordert hätten, einen ernsten dauerhaften Charakter würde gewonnen haben, verflog jetzt in ihrem ersten Genuss.
Ich bekam kein Kind, die natur hätte mir sonst vielleicht das Rätsel des Lebens gelöst, das noch verworren in meinem Innren lag; und in der Tätigkeit des Instinkts, der die Mutter zur sorge für ihr Kind treibt, hätte sich vielleicht meine Vernunft entwickelt, und mir eine wahre Seite des menschlichen Daseins gezeigt.
Der Glanz der Jugend und des Reizes zog die gedankenlose Menge an mich, die nur von der Neuheit gefesselt wird. Die verlöschende Zärtlichkeit meines Gemahls machte vielen Männern Herz zu Unternehmungen. Einige versuchten es, mich durch die Sprache einer ernstaften leidenschaft zu verführen, andere durch leichtsinnige Grundsätze. Die Gesellschaft, in welcher ich lebte, spottete über jede feine und edle Empfindung. achtung gegen sich selbst tragen, nannten sie Beschränkteit; Schonung für andere, Schwachsinn.
Ohne innre Festigkeit wurde meine Aufführung ein Nachhall dieser Grundsätze. Ich überliess mich jedem flüchtigen Geschmack, jedem Reiz der Augen, und schämte mich beinah wenn ich einige Wochen durchlebte, ohne ein lebhaftes Interesse zu erregen und zu fühlen. Ein eitler herzloser Mann, ein Abgott aller Frauen unsers Cirkels, gab sich endlich das Ansehen mich ausschliessend gefesselt zu haben. Er rühmte sich eines vollkommenen Sieges; – aber, Dank sei es meinem Genius! – er rühmte sich ohne Grund. Ich muss es gestehen, mein Betragen gegen ihn hatte die Farbe der leidenschaft, die mein Herz zu fühlen wähnte; ich würde seinen Anblick noch jetzt nicht ertragen. Die Grazien des Vertrauens und der Freundschaft blühen nur da, wo zwei schöne Seelen in heisser Liebe glühten; wenn der ganze Wert des Geliebten mit der Täuschung der leidenschaft entflieht, dann bleibt nur Scham und Verachtung in der kalten Brust zurück.
Die Wahrheitsliebe war das einzige Gut, das mir unverloren geblieben war; diese verhinderte meinen Fall. Die innre notwendigkeit, die mich zwang ein unwürdiges Betragen zu gestehen, hielt mich davon zurück.
Ich lebte mit meinem Gemahl in einer Entfernung, die seinem Überdruss und meiner Lebensweise gleich willkommen war. Er fragte mich nie über meine Verhältnisse; diese Gleichgültigkeit riss mich immer mehr hin. Ein zärteres Betragen hätte meinen Ruf gerettet, der jetzt unwiederbringlich verloren ging.
Mein Gemahl machte eine Reise nach einem entlegenen Landgut, welches der Familie zugehörte, und als er zurückkam, fand ich eine grosse Veränderung in seiner Lebensweise.
Er suchte die Einsamkeit, verlebte ganze Tage in seinem Kabinet, und wenn er eine Gesellschaft zu sich bat, so waren es Menschen von Geist und Kenntnissen, denen ich unter dem grossen Haufen nie begegnet war.
Er war sanfter gegen mich gestimmt, und empfing mich auf die gefälligste Art, so oft ich ihn aufsuchte. Er bereitete mich auf die Ankunft eines Freundes vor, mit dem er die ersten Jugendjahre verlebt, und dessen Bekanntschaft er während seines Aufentalts auf seinen Gütern erneuert hatte. Mit Bewunderung, mit Entzücken sprach mein Gemahl von Nordheim; in kurzem erschien dieser in unserm haus. In der ersten Blüte der Schönheit, von jeder Grazie geschmückt, entflammte er mein Herz für sich. Ich suchte seine Gunst zu erobern, aber zum erstenmahl fühlte ich mich verlegen, ich war furchtsam in seiner Gegenwart, und jeder Anschlag verunglückte.
Anstatt meine Vorzüge zu bewundern, gab er mir oft auf eine feine Art meine Fehler zu verstehen.
Mein Gemahl hatte eine gute Erziehung bekommen. Er besass Kenntnisse, und das Verlangen sie zu erweitern entstand natürlich in einem unterrichtenden geistvollen Umgang. Überhaupt gehörte er zu der Gattung von Menschen, die nur durch eine äussere Gewalt einen inneren Zusammenhang gewinnen konnten. Im Überfluss erzogen, von Menschen umgeben, die seinen Launen schmeichelten, von natur mehr leicht und schnell als tiefempfindend, verlor sein Wesen in einer zu grossen Fläche. Hätte das Schicksal seine Kraft auf sich selbst zurückgedrängt, hätte das Bedürfniss ihn früher zur Arbeit genötigt, vielleicht hätte er eine Tiefe gewonnen, die die natur ohne hülfe des Schicksals nur seltnen Wesen verleiht.
Der ganze Ton unsers Hauses war seit Nordheims Ankunft verändert. Meine Eitelkeit fühlte sich beinahe in jedem Augenblicke beleidigt, aber mein Herz unaussprechlich