Höchsten und Schönsten ist ihr innres Leben. Jeder niedre Zweck, jede Kleinheit des Sinnes, ja selbst das edelste, jeder Kampf das Rechte und Schöne zu erringen, gibt ein Gefühl des Mangels und der Eingeschränkteit. Eine selige Fülle ist in deinem lieblichen Wesen. Das Rechte ist dein Instinkt, die Schönheit dein Element, und deine liebliche Fantasie, als ein unerschöpflicher Quell des neuen Lebens, bildet dein eigenes Selbst in tausend wechselnden reizenden Formen.
Lass mich es aussprechen, was du bist, sagte Nordheim, indem seine Augen sich mit Tränen füllten. – Fühle mein Glück in der hohen Gestalt deines Wesens, und zwinge so deine holde Bescheidenheit auf deinem Bilde zu verweilen.
Gleichwie vor einer Verklärten schwand die Erde vor mir, und ein Himmel des reinsten Genusses öffnete sich.
Ewiges Wesen! seufzte ich, gieb mir das Vermögen die Gestalt des Innren zu bewahren, die das Glück meines Geliebten macht!
Das Leben hat vielleicht manche Klippe die mir noch unbekannt ist, sagte ich zu Nordheim. Wie manche gute natur wird vom Schicksal zerstöhrt. Mein teurer Freund, lehre mich selbst die Existenz zu bewahren, die das edelste Herz zu mir zog.
Wir durchflogen den Cirkel unsrer Freunde, und wünschten sie alle mit dem Gefühl unsers Glücks zu beleben. Über Julius sagte mir Nordheim: Seine schöne reine Liebe flösst mir oft die Furcht ein, meiner Agnes den Verlust solch eines Herzens nie ersetzen zu können.
Ich wagte es nicht von der Gräfin zu sprechen, aber
Nordheim selbst sagte: Mein ganzes vergangenes Leben werde ich meiner Agnes entüllen, nachdem uns irgend eine Spur der Gegenwart darauf führt. Wir sehen uns selten rein, wenn wir eigentlich darauf ausgehen, unser innres Dasein als ein Ganzes vor eine fremde Vorstellungsart zu halten. Und hier, wo der Eindruck so wesentlich zu meinem Glück ist, misstraue ich meiner Unbefangenheit. Amalie selbst wird unser verhältnis gegen Sie aussprechen, dass in i h r e r zarten weiblichen Seele eine schönere Gestalt gewinnt.
Ein paar glückliche Stunden waren entflogen. Jedes
Wort meines Geliebten war voll des heiligen Sinnes der Güte und Liebe. Immer kam er auf seine Bitte zurück, dass ich ihm diesen Abend zu Elisen folgen sollte.
Mein Entschluss schwankte, aber ich fühlte dass
mein Herz mich zwang, seinen Bitten nachzugeben. Das Schicksal gab den Ausschlag.
Der Arzt kam eilends zu uns, und meldete, dass der
Fürst, die Prinzessin und der Prinz so eben angekommen wären. Die Alte sei in der fürchterlichsten Angst, er selbst hätte ihr versprochen, mich unverzüglich auf mein Zimmer zu bringen.
Nordheim küsste meine Hand mit einem traurigen blick. Eine Blume, die ich eben zwischen den Fingern hielt, verbarg er in seinen Busen.
Ich fühlte, dass er sich nur aus Schonung für den Arzt entfernte, leise flüsterte er mir zu:
"Um zehn Uhr bin ich wieder an diesem Platz."
Kaum war ich in meinem Zimmer, als meine Mutter hereintrat.
Der Fürst ist hier und will dich sehen, sagte sie mir. Die Ärzte verordneten ihm das – sche Bad.
Ich und mein Bruder begegneten ihm ganz unvermutet. Er erriet w o ich gewesen war, aber er war mild gestimmt, und äusserte selbst den Wunsch, dich von diesem Ort zu entfernen. Deine Freundin Elise wohnt in der Nähe, und ich erlangte die erlaubnis meines Vaters, dich auf einige Tage zu ihr zu bringen.
Die gefälligkeit, mit welcher der Minister selbst an diesem Plan arbeitete, befremdete mich nicht wenig.
Aber deine Entfernung von diesem einsamen Ort, deine Vereinigung mit deinen Freunden, ist immer ein Gewinn, welchen wir eilend ergreifen müssen.
Meine Mutter befahl mir, mich so sorgfältig anzukleiden, als die Kürze der Zeit es gestattete. Gütig und besorgt um den Eindruck welchen ich machen sollte, half sie mir selbst. Wie sanft bewegte ihre Liebe, ihre süsse sorge mein Herz!
Ich hatte die Alte weggeschickt, um mir Nachricht von dem Befinden des Kindes zu bringen. Sie kam zurück und brachte es selbst mit, man hatte sein ungestümes Verlangen nach mir nicht anders befriedigen können.
Ich hielt es einen Augenblick in meinen Armen, um es zu beruhigen, als der Prinz hereintrat.
Er näherte sich mir, wollte mit dem kind scherzen, aber eine glühende Röte flog über seine Wangen, als er dessen Züge genau betrachtete. Ich hatte die Mutter des Kindes nie gesehen, und Madame Imbert hatte mir gesagt, dass sie sich seiner aus Mitleiden, als eines hülflosen Geschöpfes angenommen.
Der Prinz tat mit dem lebhaftesten Ausdruck ein paar heimliche fragen an die Alte, und wendete sich dann mit einem zärtlichen blick gegen das Kind. Er zog meine Mutter in ein Fenster, und diese sagte der Alten:
Sie wenden sich künftig an mich über alles was dieses Kind betrifft, ich übernehme seine Erziehung.
Ich war glücklich über die gute Wendung, welche das Schicksal dieses kleinen Geschöpfs genommen, dem ich so manche gute Stunde in meiner Einsamkeit verdankte, und drückte meiner Mutter und des Prinzen Hand an mein Herz.
Das Schicksal hat Sie einmal zu meinem guten Genius gemacht, liebste Agnes, sagte der Prinz. Die sanften Neigungen Ihres Herzens führen mich zu meinen Pflichten. O warum kann uns nicht das zärteste Band verbinden, und mir für den reichen Gehalt meines Lebens bürgen!
Meine Mutter sagte gerührt: Mein gutes Mädchen wird unser aller Leben verschönern, und uns immer zur Wahrheit und natur führen, wie ein