notwendig, wie die Irrlichter in sumpfigten Gegenden, bilden.
Wir waren in den ersten seligen Tagen unsrer Vereinigung, und genossen das unaussprechliche Glück des tiefsten Friedens in dem regsten Leben der Leidenschaften.
Meine Gesundheit kehrte zurück, die Ärzte gaben hoffnung zu meiner völligen Genesung, und jedes Gefühl meiner wiedergewonnenen Kräfte wurde zum Dank gegen die zarte Pflege der Liebe, die gleich Prometeus belebendem Funken mein Gemüt erhellte.
Die wirkliche Welt sprach mich in ihren tausend holden Formen wieder rein an. Alle schweren Träume waren aus meiner Seele hinweggenommen, und verwandelten sich in leichte liebliche Gestalten. Fast jeden Moment genoss ich das lebhafte Vergnügen eines Erwachenden, dem ein drückendes ungeheures Traumbild im goldnen Strahl der Morgensonne zerrinnt.
Die innigsten wahresten Bande der natur geben uns nur alle Kraft und allen Reichtum unsers Wesens zu empfinden. Die hoffnung Mutter zu werden, gibt unserm Dasein eine unendliche Tiefe, und wir fassen die natur in ihrem zartesten Gewebe und ihren stärksten Banden.
So verlebte ich einige glückliche Monate, die schönsten meines Lebens, denn ein wohltätiger Schleier ruhte auf allen meinen drückenden Verhältnissen. Nur zuweilen erinnerte mich ein so sorgenvoller blick meiner Freundinnen an die unsichere Blüte meines Glücks.
Mein Gemahl schien in einem edlen Selbstvertrauen über jede Besorgniss erhoben. Die reine Tätigkeit in der sein Leben hinfloss, sein immerwährendes Wirken für fremdes Wohl, und sein Leben mit der natur, gaben seinem Gemüt jene schöne seltne Einfachheit und klarheit, zu der notwendig auch ein freundliches Geschick mitwirken muss.
Sein Herz hatte die schöne Gewohnheit gefasst, nur durch Sympatie zu geniessen und zu leiden, und selbst seine leidenschaft für mich war nur eine lebhaftere Farbe dieser Sympatie. Seine Liebe hatte mich aus dem traurigsten Zustand gerissen, und seine Freude an meiner Genesung erhöhte den Genuss der leidenschaft.
Welch seltnes Talent zur Glückseligkeit lag in dem Gemüt deines Vaters! Welches Vermögen zum reinen freien Leben in dem schönsten und höchsten!
Aber ein feindliches Schicksal zerstöhrte dieses schöne zarte Dasein, und warum musste es meine Hand dazu leihen? Durch mich musste die reine natur deines Vaters alle schmerzlichen Gestalten des Lebens kennen lernen, Gewalt der Leidenschaften und den Druck quälender Verhältnisse, vor welchen sein milder Sinn, der sich nie vor dem Ausspruch seines klaren Verstandes entschied, ihn vielleicht immer beschützt hätten.
Er hielt sich so viel an dem hof meiner Schwester auf, als es nur immer unsre Lage und die strengste Vorsichtigkeit, welche wir uns auflegen mussten, erlaubte.
Wir glaubten unser Glück jedem neidischen Auge verborgen. Meine Freundinnen wachten über jeden allzulebhaften Ausdruck der Bewegungen meines Herzens, und ihr inniger Anteil an meinem Glück löste mein ganzes Wesen in Genuss und Liebe auf. Meine Schwester war sehr unglücklich verheuratet, und hatte eine zärtliche leidenschaft überwunden, als ich zu ihr kam. Die tiefe Wunde, welche ihr Herz davongetragen, machte sie empfänglicher meinen Schmerz zu verstehen und zu teilen. Sie freute sich, mich einem Schicksal entzogen zu haben, dessen Bitterkeit sie jede Minute empfand, und suchte sich, so viel als möglich, mit mir in die freundliche Täuschung zu versetzen, als sei das geheimnis meines Glückes für immer gesichert.
Mein Gemahl war für einige Tage auf seine Güter gereist, als sich der Minister meines Vaters ganz unerwartet bei meiner Schwester anmelden liess, und sich sogleich des Auftrags entledigte, dass er nach dem Befehle meiner Eltern mich wieder zu meiner Mutter bringen sollte; der Unwille meines Vaters wäre besänftigt, und meine Mutter wünschte meines Umgangs wieder zu geniessen.
Meine Schwester verbarg mit Mühe ihre Verlegenheit, suchte tausend Ausflüchte: meine schwächliche Gesundheit, den allzuheftigen Eindruck, den jedes harte Benehmen meines Vaters auf mich machen würde; aber vergebens. Der Befehl meiner Mutter war so bestimmt, dass ich ohne offenbaren Ungehorsam notwendig abreisen musste.
Meine Lage machte jedes Ausserordentliche in meinem Betragen gefährlich; meine Schwester und meine Freundin selbst rieten mir, für einige Zeit nach D. zu gehen, um jeden Eindruck, den die Welt vielleicht gefasst haben könnte, so am besten wieder zu vertilgen.
Meine Schwester fand nichts Bedenkliches in dem Auftrag des Ministers, meine Freundin eben so wenig; aber ich las mein Unglück in der falschen, höchst widrigen Mine dieses Mannes, auf dessen Gesicht jeder Ausdruck des Wohlwollens fremd und furchtbar wurde.
Meine Freundin begleitete mich. Ich schied von dem schloss meiner Schwester, wie ein Sterbender von dem goldnen Licht des Tages scheidet, ohne hoffnung es wieder zu geniessen. Wir kamen an, und eine erzwungene Freundlichkeit in dem Benehmen meiner Mutter bestätigte meine bösen Ahndungen.
Ich zitterte vor der strengen Mine meines Vaters, und bald bemerkte ich, dass man jeden meiner Schritte bewachte. Die alte Französin durchsuchte alle meine Papiere, und meine Freundin hielt man ganz von mir entfernt. Nur bei öffentlichen Gelegenheiten, wo man sie ohne Beleidigung nicht von der Gesellschaft ausschliessen konnte, wurde sie eingeladen, und dann gab ich ihr einen Brief für meinen Gemahl, oder empfing einen von ihr.
Mein Gemahl und meine Schwester vermahnten mich zur Geduld. Die letztere versprach mich bald wieder abzuhohlen, und meine Freundin wendete alles an, mich von einem verzweifelnden Entschluss abzuhalten, indem ich oft meinen Eltern alles entdecken wollte.
In dieser beunruhigenden Lage vergingen einige Monate, als ich meine Freundin in der Nacht vor meinem Bette erblickte. Ich fürchte, wir sind entdeckt, flüsterte sie mir zu. Morgen muss ich zu einer meiner alten Verwandten auf das Land; durch tausend Schwierigkeiten gewann ich diesen Augenblick, um Sie noch einmal zu sehen