heller Verstand war die Freude der Rechtschaffenen und das Schrecken der Arggesinnten.
In der Einsamkeit meines Zimmers überliess ich mich der sehnsucht nach den ersten lieblichen Träumen, die mich aus dem frohen Gleichmut der Kindheit erweckten.
Nordheim liebt mich nicht. – Welchen Ersatz vermag mir das Schicksal für den Verlust dieses einzig schönen Glückes darzubieten?
Nur das Andenken an meinen Vater in Hohenfels, der Wunsch sein Alter zu beglücken, wie er meine Kindheit verschönerte, diese erhielten meinen Lebensmut.
Die sorge für Bettina verband sich mit dem Andenken an meinen Vater, um das Gleichgewicht in meinem Gemüt zu erhalten, wenigstens jedes äussere Zeichen des Unmutes zu unterdrücken. Bettina war viel in meinem Zimmer. So wie ich über den ruhigen Kreislauf ihrer Beschäftigungen wachte, erinnerte ich mich selbst an arbeiten, die meine Träume unterbrachen. Lust und Reiz war mit der hoffnung der Liebe entflohen, und mein erloschnes Auge kündigte ein Gemüt an, das in sich selbst zurückkehrt, den Mut aufsucht, um den freudenlosen gang durchs Leben zu vollenden.
Nordheim schien den wahren Zustand meines inneren zu übersehen; oft schien es sogar, als hielt er sich an die falsche Seite einer erkünstelten heitern Laune, die ich der Gesellschaft darbot.
Julius kannte mein Herz, und betrug sich mit edler Feinheit. Er vermied, sich mir zu nähern, um allem Anschein von Ansprüchen auszuweichen. Wenn er es irgend konnte, ohne bemerkt zu werden, sagte er mir ein herzliches Wort, das innigen Anteil an leidenschaft verriet. Ich fühlte den Wert dieses Betragens, und lernte seine gleich schöne und starke Seele täglich mehr schätzen.
Die Gräfin verhielt sich seit der ersten und einzigen Erklärung gegen mich ganz passiv. Die Eröfnung ihres Herzens schien mit einer schmerzlichen Anspannung ihres ganzen Wesens verbunden zu sein, und sie in einen so gewaltsamen Zustand zu versetzen, den sie wo möglich zu vermeiden suchte. Sie betrug sich mit sanfter schonender gefälligkeit, als fühlte sie meinen Zustand, aber als habe sie die Pflicht einer Freundin schon gegen mich erfüllt, und müsse mich meinem Schicksal überlassen.
Elise war zart und liebend, aber von zu wenig Energie für solch eine Lage; auch hatte Albans Misstrauen gegen mich die Vertraulichkeit unsers kleinen Zirkels in etwas vermindert.
Der Prinz war nur mit sich beschäftigt, so sehr er auch nur mit mir beschäftigt scheinen wollte, vielleicht es selbst zu sein wähnte.
So war ich mitten in einem Zirkel treflicher Menschen dennoch einsam und mir selbst überlassen.
Der erste gewaltige Eindruck, welchen die prinzessin auf mich gemacht hatte, liess eine Art von Furcht, mich ihr zu nähern, in mir zurück. Gleichwohl zog sie mich gewaltig an, mit einem sonderbaren Vergnügen stand ich hinter ihrem Spieltisch, ihre unbedeutendsten Worte blieben in meinem Gedächtniss, und wenn ich im Vorübergehen ihr Gewand berühren konnte, fühlte ich ein unbegreifliches Vergnügen. Die Prinzessin schien mich ganz zu übersehen, aber zuweilen suchte mich ihr glänzendes Auge in einer Ecke des Saales auf, wo ich es am wenigsten erwartete. Sie ist dir nicht ungeneigt! sagte ich mir mit innigem Vergnügen, und nur meinem ersten kindischen Benehmen schrieb ich es zu, dass sie mir eine neue Verlegenheit ersparen und nicht wieder mit mir sprechen wollte.
In Augenblicken, wo ich es nicht vermeiden konnte, mit dem Prinzen allein zu sein, sprach er von leidenschaft. Ich wurde oft unwillig, einen Charakter, der mir anfänglich im schönen Lichte erschienen war, durch solch eine Schwachheit entstellt zu sehen. In seiner Neigung war mehr Begierde als Zärtlichkeit, und, selbst mit einem ganz freien Herzen, hätte ich ihr widerstanden.
Ich stand eines Abends, als Gesellschaft beim Fürsten war, mit einigen jungen Damen in einem Fenster des Saals. Der Prinz wusste sie durch einen Vorwand zu entfernen, und als ich ihnen folgen wollte, hielt er mich mit Gewalt zurück. Agnes! verdien' ich diese Kälte? sagte er heftig. Ist es meine Schuld, dass ich gebunden bin durch unleidliche Verhältnisse, dass ich Ihnen jetzt nur ein Herz anbieten kann? O ich bin unglücklich genug, unter dem Zirkel hirn- und herzloser Puppen, die meinem Stand und Reichtum so platt entgegen kommen, ein gutes Herz gefunden zu haben, es mit wahrer Neigung zu umfassen; und von diesem verkannt zu werden! Warum entziehen Sie mir die Blüte Ihrer Schönheit? O wir Fürsten sind Opfer der Verhältnisse! selbst unsre Freunde entfernen sich von unsern ächt menschlichen Gefühlen, und ihr mitleidsvoller blick wiederholt es: – Ihr seid Opfer!
Die Stadt lag vor uns am fuss des berges, und die Lichter in den Häusern glänzten durch die dunkle Nacht. Ich war gerührt und sagte: Teurer Prinz, es kann nur eine trübe Laune sein, in welcher Sie Ihre Bestimmung verkennen, die den höchsten menschlichen Kräften die schönste Übung gewährt. Sollte es Ihrem Herzen nichts sagen, wenn Ihr Nahme in stillen Familienzirkeln als ein guter Genius genannt wird? Wenn aus Ihrem hellen Verstand, aus der Kraft Ihres Herzens der Wohlstand dieser Gegend erblüht?
O meine Agnes, sagte er, Sie entflammen nur das Verlangen nach Ihrem Besitz, indem sich Ihre geistige Schönheit vor mir entüllt. Ich will streben, das zu werden, was Sie wünschen! Nehmen Sie diesen Ring, Geliebte, fuhr er fort, zum Pfand alles Guten, was dieser Augenblick in mir entfaltet. Jene erste glückliche Täuschung, welche ich durch ihn erfuhr, werde ich nie vergessen.
Er verliess mich in heftiger Bewegung, und der Ring